Griechenland-Krise Alle Augen auf die EZB

Das Schicksal Griechenlands in der Eurozone liegt in den Händen der Europäischen Zentralbank. Am Montag tagt der EZB-Rat. Er muss entscheiden, ob er griechische Banken weiter am Leben hält. Es droht eine Hängepartie.
Update: 06.07.2015 - 13:20 Uhr 22 Kommentare

„Das Geld der Deutschen ist verloren“

Hans-Werner Sinn: „Das Geld der Deutschen ist verloren“

AthenDer Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) will sich wohl nicht bereits am Vormittag sondern erst am späten Nachmittag in einer Telefonschalte mit der Lage in Griechenland nach der dortigen Volksabstimmung befassen. Das verlautete aus Notenbankkreisen. Nach Einschätzung eines Zentralbankers kann die EZB die Nothilfen nach dem „Nein“ der Griechen nicht leichtfertig verändern.

„Die EZB ist hier an Regeln gebunden. Das prüfen wir jeweils genau. Ich bin überzeugt, dass das, was wir bis jetzt gemacht haben, richtig ist und auch den Regeln entspricht“, sagte EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny am Montag im ORF-Radio. „Aber das muss man jedes Mal neu beurteilen. Und die Entwicklung in Griechenland macht uns das - fürchte ich - leider nicht leichter.“

Die meisten Beobachter rechnen damit, dass die EZB die Notkredite für Griechenlands Banken aufrechterhalten wird, solange auf politischer Ebene weiter verhandelt wird. Für diesen Dienstag ist ein Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der 19 Euroländer in Brüssel angesetzt.

ELA-Notkredite („Emergency Liquidity Assistance“) sind seit Monaten die einzige Geldquelle der griechischen Banken. Dreht die EZB diesen Geldhahn zu, ist ein Pleite der Institute nach Einschätzung von Ökonomen nicht mehr abzuwenden. Kritiker sind längst der Ansicht, über Ela würden marode Banken künstlich am Leben gehalten, die EZB müsse diese Gelder daher stoppen.

Nicht nur vor den Wahllokalen in Griechenland hatten die Menschen am Sonntag Schlange gestanden, sondern auch vor den Geldautomaten der seit einer Woche geschlossenen Banken. Sie wollten dort ihre „Tagesration“ von 60 Euro abheben. Auf diesen Höchstbetrag sind Auszahlungen seit Montag vergangener Woche gedeckelt. Für zusätzliche Unruhe unter den Menschen sorgte am Wochenende das Eingeständnis der Präsidentin des griechischen Bankenverbands, Louka Katseli, das Liquiditätspolster der Banken reiche nur noch bis Montagabend. Wenn bis dahin kein frisches Geld fließt, seien die Automaten leer.

Ohne die Einführung der Kapitalverkehrskontrollen, mit denen Abhebungen begrenzt und Auslandsüberweisungen praktisch verboten wurden, wären die griechischen Banken bereits am Ende. Nun richten sich die Blicke auf die EZB.

Frankreichs Finanzminister pocht auf Verlängerung

Auch von politischer Seite gab es die Forderung, die Ela-Kredite nicht zu kappen. „Derzeit gibt es ein Niveau an Liquidität, das nicht verringert werden kann“, sagte Frankreichs Finanzminister Michel Sapin am Montag dem Rundfunksender Europe 1. Allerdings entscheide die Europäische Zentralbank (EZB) in völliger Unabhängigkeit, fügte er hinzu. Die ELA-Hilfen summieren sich auf 88,8 Milliarden Euro. Das entspricht fast 50 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Banken brauchen dringend neues Kapital
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Griechenland-Krise - Alle Augen auf die EZB

22 Kommentare zu "Griechenland-Krise: Alle Augen auf die EZB"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wieso erstattet nicht endlich mal eine Partei Strafanzeige wegen Konkursverschleppung oder Veruntreuung von Steuergeldern?

  • Eine Zentralbank - auch die EZB - hat sich vordringlich auf ihre währungspolitischen Aufgaben zu konzentrieren. Die ELA Notkredite an griechische Banken stellen eine indirekte Staatsfinanzierung dar, die der EZB nach ihren eigenen Statuten verwehrt ist. Nicht ohne Grund obliegt eine Staatsfinanzierung der Zustimmung durch die Parlamente der Mitgliedsstaaten der Währungsunion.
    Wenn es um humanitäre Hilfe für die tatsächlich Bedürftigen in Griechenland geht, müssen dafür adäquate Instrumente gefunden werden. Eine weitere Gewährung von ELA Notkrediten ist nicht nur als fortgesetzter Rechtsbruch zu werten, sondern wird vor allem denjenigen nützen, die am wenigsten auf Hilfe angewiesen sind.

  • Es wäre kein Wunder, wenn die de facto Plünderungspolitiker von der EZB, die gewissenlos die Altersversorgung der deutschen Bevölkerung verzocken, um damit die griechischen Steuerhinterzieher zu finanzieren, auch diesmal wieder unsere Steuergelder verschenken.

    Es gibt keinen Rechtsstaat mehr in Europa. Die Sparer im Norden sind zur allgemeinen Plünderung freigegeben - unter dem Jubel von sogenannten "Top-Ökonomen" aus den USA, die von den Wall-Street-Banken finanziert werden und die dabei sind, die westliche Weltordnung zugunsten kurzfristiger Profite von Grund auf zu untergraben. Die Schuldenorgie der westlichen Staaten (USA voran) kann und wird nicht gutgehen. China muss nur abwarten.

    Frau Merkel ist die willenlose Vollstreckerin in diesem Raubzug, die entweder nichts mehr versteht oder Schlimmeres. Mich vertritt diese sprachlose Kanzlerin sicher nicht.

  • Was Frau Merkel hier macht, ist indirekter aufruf zur Steuerhinterziehung.

    Kein normaler Menschen wird noch ehrlich seine Steuern zahlen, wenn man mit ansehen muss, wie Erika unsere Steuern dern griechen Steuerhinterziehern in den Rachen wirft.

  • Genau so ist es. Monatelang wurde darauf hingewiesen, dass die Griechen im eigenen Interesse (!) für Kapitalverkehrskontrollen sorgen sollen.

  • EUR-Zone - Game Over

    Hey, empfiehlt der Chefredakteur des Handelsblattes seinen Lesern eigentlich immer noch in griechische Staatsanleihen zu investieren?

    Vermutlich werden hier in kürze dann portugiesische und spanische Anleihen gepusht, lol.

    Egal, das EUR-Zonen-Kartenhaus wird von unten (Süden) nach oben (Norden) kollabieren, soviel ist klar. Auch haben es die herrschenden "Meeeeeehr Europaaaaaa"-Politiker versäumt, einen geregelten Ausstieg aus dem EUR von Underperformern wie GR, IRL, POR, ESP rechtzeitig vorzubereiten, nun kommt es umso heftiger und zum ungesteuerten Zusammenbruch.

    Rette sich und sein Vermögen wer kann. Wie man es macht, zeigt die Griechen. Das viele Geld ist längst im Auslandinvestiert, zB am Berliner Immobilienmarkt. So zahlt der brave Mittelschicht-Bürger mit seiner Rekordmiete für die EUR-Griechen-"Rettung" nochmals!



  • Wo ist denn die von den Griechen viel beklagte Austerität in Europa bei einer immer noch steigenden (!), durchschnittlichen Staatsverschuldung von fast 100%? D.h. die Staaten verfrühstücken gerade das Geld, das (hoffentlich) 2017 eingenommen wird! Im übrigen - danke, Griechenland. Jetzt ist Brüssel gezwungen, uns allen reinen Wein einzuschenken: Transferunion ja oder nein (bisher hatten wir eine unechte, indem sämtliche bestehende Regeln gebrochen wurden, und die für Frankreich ins Endlose gedehnt.) Wenn Frau Merkel ja sagt, ist sie die längste Zeit Bundeskanzlerin gewesen. Wenn die Kreditgeber das Limit für Staatsausgaben vorgeben, ist das in Ordnung. Wie aber die Griechen mit diesem Limit umgegangen sind und umgehen, ist unglaublich: alle Kürzungen zu lasten der sozial Schwachen, in dem auf Brüssel gezeigt wird. Selbst die linke Regierung akzeptierte, dass die letzten Reichen mit Hilfe der ELA-Kredite z.L. der 18 anderen Euroländer ihre Euro aus dem Land heraustransferierten, weil sie keine Kapitalverkehrskontrollen einführten...

  • Und welche Beträge der 122 Milliarden Einlagen sind verpfändet? Das erzeigt dann wieder neue Probleme.

  • Niemand sollte Zyprern mit Griechenland verwechseln. Zypern war ein Bankenzentrum mit hohen Einlagen auch ausländischer Bankkunden. Der Hair-Cut erfolgte damals bis auf ein Leck ohne Ansage und hatte deshalb Substanz.

    In Griechenland reitet man selbst bei 122 Milliarden Einlagen einen toten Gaul.

  • Merkel, Junker & Co haben sich 5 Monate von H. Varoufakis und Tzipras wie nen Tanzbär mit nem Ring in der Nase über die Tanzfläche des EU-Büro Brüssel
    führen lassen.Die Währung EURO mit jetzt 19 Nationalstaaten einzuführen war mit Eintritt Griechenland 2002 ein Fehler.Der Fehler wurde ab 2005 totgeschwiegen, ab 2010 und 2012 mit Finanzspritzen und Schuldenschnitten der Privatanleger weiter verschleppt.Der aktuell gescheiterte Verhandlungsmarathon spottet jeder Beschreibung. Der reslichen Welt bieten wir eine Lachnummer par exellence.Das Geld ist futsch, die Griechen haben Ihre Entscheidung getroffen sollen Sie doch mit Ihrem Stolz die Verursacher in Ihrem Lande teeren und federn und deren Besitztümer pfänden, oder mit Ihrem Stolz Ihre Olivenhaine düngen und warten bis die ersten Euro-Noten auf den Bäumen wachsen. Wer nicht hören will muß fühlen. Also dreht den Geldhahn endlich zu. Bis auf weiteres kann ja H Tzipras die 120 MRD EUR die in der Schweiz gebunkert sind, dafür nutzen sein Volk am Leben zu erhalten. Vielleicht schafft er es ja mit seiner Kaugummi-Kreditlinien-Dehnungspolitik mit diesem Geld 10 Jahre zu überleben und bei entsprechendem Fleiß wieder Vertrauen bei den restlichen 18 Euro-Staaten zu erlangen um nach den 10 Jahren Buße wieder normal in der EURO-Gemeinde weiter leben zu können

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%