Griechenland-Krise
EZB denkt über Aufstockung von Ela-Notkrediten nach

Die EZB soll Insidern zufolge bereit sein, die Notfallkredite für die klammen griechischen Banken aufzustocken. Allerdings müssten dafür von der griechischen Seite gleich mehrere Voraussetzungen erfüllt werden.
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Frankfurt, AthenDie EZB wäre Insidern zufolge unter mehreren Voraussetzungen bereit, den klammen griechischen Banken mit einer Aufstockung der Notfallkredite etwas mehr Luft zum Atmen zu geben. Bedingung dafür sei allerdings, dass das griechische Parlament dem neuen Reformpaket zustimme und auch die Rückzahlung ausstehender Milliardenschulden an die Europäische Zentralbank (EZB) gesichert sei, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen am Dienstag. Die EZB-Ratsmitglieder kommen am Mittwoch und Donnerstag in Frankfurt zu ihrer zinspolitischen Sitzung zusammen. Dann dürften EZB-Präsident Mario Draghi und die anderen Euro-Hüter erneut über die Hellas-Bankenhilfen beraten.

Die Obergrenze für die sogenannten Ela-Notkredite liegt aktuell Insidern zufolge bei etwa 89 Milliarden Euro. Institute von Thessaloniki bis Kreta benötigen diese Liquiditätsspritzen mittlerweile für ihr Überleben. Denn aus Furcht vor einem Ausscheiden des Landes aus dem Euro hatten Bankkunden zuletzt massive ihre Konten leergeräumt. Den Häusern droht daher das Geld auszugehen. Die EZB fror die Ela-Obergrenze Ende Juni auf dem aktuellen Niveau ein. Wegen der prekären Liquiditätslage hatte die griechische Regierung schließlich die Institute geschlossen und Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Ela-Notkredite werden von der Athener Notenbank gegen Sicherheiten vergeben – über die Gewährung entscheidet aber der EZB-Rat.

Sollte die EZB nun das Ela-Limit diese Woche wieder erhöhen, würde sich die Liquiditätslage der Geldhäuser wieder etwas verbessern. Einem griechischen Banker zufolge könnten sie am Donnerstag wieder öffnen, falls die Reformschritte durchgewunken werden und es mehr Ela gebe. „Natürlich mit den Kapitalkontrollen weiter in Kraft.“ Eine Zustimmung zum Maßnahmenpaket wäre daher ein sehr guter Start. Die Einigung im Schuldenstreit sieht vor, dass das Athener Parlament am Mittwoch dem Gesamtkompromiss zustimmt und bereits erste Reformen auf den Weg bringt. Erst danach können Gespräche über das neue Hilfspaket von bis zu 86 Milliarden Euro beginnen. Da dies aber lange dauern dürfte wird zunächst nach einer Brückenfinanzierung gesucht.

Der sofortige Finanzbedarf ist enorm: Am 20. Juli muss Athen rund 3,6 Milliarden Euro an die EZB zahlen. Auch Gehälter für griechische Staatsbedienstete und Renten müssen in diesem Monat gezahlt werden. Laut Erklärung des jüngsten Euro-Sondergipfels benötigt das Land allein bis zum 20. Juli voraussichtlich sieben Milliarden Euro und weitere fünf Milliarden bis Mitte August. Sollte die Regierung die EZB-Schulden nicht zurückzahlen, dürfte es den Währungshütern kaum noch möglich sein, die Geldversorgung der Banken über die Gewährung von Ela-Hilfen weiter aufrecht zu halten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Griechenland-Krise: EZB denkt über Aufstockung von Ela-Notkrediten nach"

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  • Es ist nur noch erschreckend, wie EuGH und BVerfG diesem Treiben der EZB zusieht oder besser wegsieht. Die eigentliche Aufgabe der EZB besteht in der Sicherung der Geldwertstabilität, nicht in der Finanzierung von Staaten und nicht in der Schaffung von Investitionsprogrammen. Draghi in seiner von den unfähigen Politikern zugewiesenen Machtfülle betreibt aber nicht demokratisch legitimierte Politik!

  • Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. DIe kann ich nicht erkennen.

  • Griechenland hat das Ziel erreicht. Keine Reform gemacht. Aber das Geld aus den Automatne fließt wieder.

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