Große Zinswende
Das Ende der Geldflut

Jetzt ist es amtlich: Die US-Notenbank Fed wird ihr gigantisches Geldexperiment im Oktober beenden. Die Wende hat weitreichende Konsequenzen für US-Wirtschaft, Börse und Schwellenländer. Aber auch für die Euro-Zone.
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DüsseldorfNun haben es die Anleger schwarz auf weiß. Bis Oktober will die US-Notenbank Fed ihre Anleihekäufe auslaufen lassen, falls nichts Überraschendes passiert. So steht es in den Protokollen, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Die Zentralbanker sind zuversichtlich, dass die US-Wirtschaft sich nachhaltig von der Krise erholt hat und auch in den kommenden Jahren auf Wachstumskurs bleibt. Damit steht der Ausstieg aus dem größten Geldexperiment aller Zeiten bevor. Eine Rückkehr zur Normalität ist allerdings noch lange nicht in Sicht. 

Nach Meinung der Notenbanker waren die milliardenschweren Anleihekäufe in der Finanzkrise nötig geworden, weil konventionelle Instrumente keine Wirkung mehr zeigten. Die besonders schwere Rezession, ausgelöst durch die Bankenkrise nach 2007, erforderte besondere Mittel. Damit Banken und Staaten leichter an Geld kommen konnten, schaffte die Notenbank den Leitzins praktisch ab. Zusätzlich kaufte sie Anleihen und Hypothekenpapiere für monatlich rund 85 Milliarden Dollar auf. Insgesamt hat sie mehrere Billionen Dollar ausgegeben. Seit Januar 2014 wird das Volumen schrittweise um zehn Milliarden Dollar pro Monat zurückgefahren.

Die Wirkungen dieser außergewöhnlichen Maßnahmen sind umstritten. Eines jedoch steht fest: Das billige Geld der Notenbanken hat eine jahrelange Rally an den Börsen, aber auch an Immobilienmärkten befeuert – ein von der US-Notenbank durchaus beabsichtigter Nebeneffekt. Je höher die Aktienkurse und Häuserpreise, desto reicher fühlen sich die Menschen und sind entsprechend bereit, mehr Geld auszugeben. Dieser psychologische Effekt, ohne den die wirtschaftliche Erholung in den USA kaum hätte greifen können, ist nicht zu unterschätzen.

Doch was passiert an dem Tag, an dem die Geldschwemme endet? Die Notenbanker wissen, dass sie vorsichtig vorgehen müssen, um die Anleger nicht zu verschrecken. Ansonsten wäre das mühsam aufgebaute Vertrauen schnell wieder dahin, der Aufschwung könnte sich als Illusion erweisen. Ein Ende der Anleihekäufe hätte weltweit Konsequenzen.

Kommentare zu " Große Zinswende: Das Ende der Geldflut"

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  • Was macht denn jetzt die Bundesregierung mit dem neuen Gesetz z.G. der Lebensversicherer, ist sie doch mit dem Argument in die Schlacht gezogen, dass die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben?

    Analyisiert man die Vorgänge im Parlament kommt man sehr schnell zum Schluss, korrupte Parlamentarier.

    Es wäre schön, wenn jemand den Verdacht konkret widerlegt und die öffentliche Ordnung wieder herstellt.

  • Die sogenante "Amerikanische Zentralbank Federal Reserve" ist ein Privatunternehmen!

    Hängen wir alle am Tropf eines privaten Geldmonopols?

    Die amerikanische "Nationalbank" nennt sich heute "Federal Reserve" (kurz "Fed").

    Sie ist aber weder föderal noch national, sondern privat und gehört über verschiedene Zwischenstufen einigen mächtigen Familien!

    Die "Produktion" von Geld geschieht heute nicht mehr über die Ausgabe von Banknoten durch den Staat, sondern u. a. durch den Kauf von Staatsanleihen!

    Dem Staat wird ein Guthaben als Kredit zugeschrieben, das er verzinst an die Bankiersfamilien der privaten FED zurückzahlen muss!

    Vor 100 Jahren, am 23. Dezember 1913, verkaufte U.S.-Präsident Woodrow Wilson mit der Unterzeichnung des (verfassungswidrigen) Federal Reserve Act (Executive Order Number 10289) das amerikanische Volk und die gesamte Weltbevölkerung an die globalen Bankiersfamilien. - Das Fed ist keine staatliche (wie der Name suggeriert), sondern eine private Institution. Bis heute sind die Eigentümer des Fed geheim. Es ist das bestgehütete Geheimnis aller Zeiten.

  • dito!

    Bei steigenden Zinsen müßte die FED noch mehr Geld drucken um die Zinsen bezahlen zu können.

    Wobei.... Das würde zu einer noch größeren Inflation führen, wodurch eine Entschuldung sehr elegant auf Kosten der Sparer erfolgt. Zu 0,xx% ausgegebene Staatsanleihen kann man dann bei höheren Zinsen und je nach Restlaufzeit deutlich (!) günstiger zurückkaufen. Aus Sicht der Anleger ist es natürlich genau anderstherum. Die bekommen für die "alten", niedrig verzinsten Staatsanleihen deutlich weniger als sie bezahlten.

    Was nun?

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