„Heftiger Gegenwind“
Summers zieht Kandidatur als Fed-Chef zurück

Lawrence Summers zieht seine Kandidatur für den Posten als Chef der US-Notenbank zurück. Seine Entscheidung hat er US-Präsident Obama bereits mitgeteilt. Nun gilt eine Frau als Favoritin auf die Bernanke-Nachfolge.
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DüsseldorfDer frühere amerikanische Finanzminister Lawrence Summers hat überraschend seine Kandidatur für die Nachfolge von US-Notenbankchef Ben Bernanke zurückgezogen. Der Spitzen-Ökonom begründete seinen Schritt mit einem heftigen Gegenwind gegen seine mögliche Nominierung. Das Verfahren, das zu seiner Ernennung führen würde, dürfte für ihn zu „bitter“ werden, erklärte er. Summers wolle mit seinem Rückzieher möglichen Schaden von der Regierung, der Fed und der Wirtschaft abwenden. US-Präsident Barack Obama sagte, dass er die Entscheidung Summers' akzeptiere. Der frühere Harvard-Präsident galt neben der Fed-Vizechefin Janet Yellen als aussichtsreichster Kandidat für den Posten an der Spitze der Notenbank. Der Dollar-Kurs fiel nach Summers Absage.

US-Präsident Barack Obama erklärte, Summers sei als Berater während der Finanz- und Wirtschaftskrise von „kritischer Bedeutung“ gewesen. „Es lag nicht zu einem kleinen Teil an seiner Erfahrung, seiner Weisheit und Führungskraft, dass wir die Wirtschaft zurück zum Wachstum gerungen und die Art von Fortschritt gemacht haben, den wir heute sehen.“

Kritiker machten Summers dagegen für jene Mängel bei der Banken-Regulierung mitverantwortlich, die zur Finanzkrise beigetragen hätten. Andere lasteten ihm zu große Nähe zum Weißen Haus an. So hatten sich erst kürzlich drei demokratische Mitglieder des Bankenausschusses des Senats gegen ihn ausgesprochen. Dieses Gremium hätte im Bestätigungsverfahren vor einer Abstimmung des Gesamtsenats zunächst grünes Licht für seine Berufung geben müssen.

Obama hatte angekündigt, sich im Herbst zur Nachfolge Bernankes zu äußern, dessen Amtszeit Ende Januar 2014 endet. Yellen gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und wäre die erste Frau an der Spitze der Fed. Ihr wird jedoch nachgesagt, sie habe keinen engen Draht zum Präsidialamt. Als Nachfolger Bernankes käme auch der Fed-Veteran Donald Kohn infrage, der nach 40 Jahren in der US-Notenbank 2010 in den Ruhestand ging. Sollte ihn Obama zur Rückkehr bewegen, wäre er mit diesem Kandidaten auf der sicheren Seite: Fachlich genießt der 70-jährige Ökonom noch immer höchstes Ansehen. Der frühere US-Finanzminister Timothy Geithner will sich auch nach dem überraschenden Rückzug des aussichtsreichen Kandidaten Lawrence Summers nicht um den Posten des US-Notenbankchefs bewerben. Das verlautete am Sonntag aus dem engen Umfeld Geithners.

Summers hatte bereits als Wirtschaftsberater Obamas gearbeitet und war unter dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton Finanzminister. Summers legte an der Eliteuniversität Harvard eine Blitzkarriere hin. Er erhielt bereits als 28-Jähriger eine Voll-Professur und wurde später Universitätspräsident. Mit seiner aufbrausenden Art machte sich der brillante Wissenschaftler jedoch auch Feinde auf dem Campus und warf 2006 entnervt das Handtuch.

Bernanke hatte das Amt vom legendären Alan Greenspan übernommen, der die Notenbank fast 20 Jahre führte. Bernanke steuerte die Notenbank durch die schwerste Finanzkrise seit den 1930er-Jahren und blähte dabei die Bilanz der Fed durch massive Geldspritzen zum Ankurbeln der Konjunktur auf. Die Erholungstendenzen in der Wirtschaft und insbesondere am Arbeitsmarkt lassen der Fed nun voraussichtlich bald Spielraum, die Konjunkturhilfen zurückzufahren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Heftiger Gegenwind“: Summers zieht Kandidatur als Fed-Chef zurück"

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  • Mit Yannet Yellen geht´s weiter wie bisher, nur noch einmal ein bißchen agressiver. Der Rückzug von Summers ist der Tütöffner für Yellen.

    Fazit, den Aktionären wird nichts "böses" angetan. Bernakes Geldpolitik wird nicht zurückgefahren sondern intensiviert, die Party geht weiter.


    Man kann "beruhigt" US-Aktien kaufen!

  • ...bleibt alles in "einer Hand".

  • Die Reaktion der Finanzmärkte ist mehr als eindeutig und zeigt eindrucksvoll, was wirklich wichtig ist: Bedingungsloser Kotau unter die debile Pseudolehre des Neo-Keynesianismus (NK), der eigentlich nur die peinliche Antithese zu jeglicher ernsthafter und ernst zu nehmender Volkswirtschaftslehre ist !
    Und dafür steht eben Janet Yellen ohne Wenn und Aber, noch einmal deutlich mehr als Ben Bernanke.

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