Heiliges Grün in Frankfurt
Die Rasenmäher-Methode der Bundesbank

Als öffentliche Institution muss die Bundesbank wichtige Aufträge öffentlich ausschreiben. Besonders pingelig ist sie bei der Pflege des Rasens vor ihrer Zentrale. Eine Kostprobe aus dem Bürokratie-Alltag.

FrankfurtDie Deutsche Bundesbank ist ein strenger Verfechter klarer Regeln. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann stichelt gerne mal gegen die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Es wäre doch schön, könnte die EZB die bestehenden Regeln enger auslegen.

Doch manchmal gibt es auch Druck, wenn die Behörde es vermeintlich nicht genau genug meint. Ein Thema: die Goldbestände der Notenbank. Sind es wirklich so viele Tonnen wie angegeben? Prüfer schwärmten aus, zählten nach, der Bundesbank-Präsident ließ sich mit Goldbarren ablichten. Edelmetall wird aus anderen Städten nach Frankfurt geordert, um den Zugriff zu erhöhen.

Die gebotene Exaktheit gilt aber nicht nur für die Geldpolitik oder Goldbestände, sondern sogar für die Rasenpflege rund um die Zentrale der Notenbank – eine Beton-Trutzburg aus den 1970er-Jahren. Als Teil der öffentlichen Verwaltung muss die Bundesbank Aufträge ab einer bestimmten Preisgrenze öffentlich ausschreiben. So auch die Grünflächenpflege rund um die Zentrale in Frankfurt. Doch man darf schon die Frage stellen, wie weit es mit der Exaktheit gehen muss.

Zum Beispiel sollen genau „583,00 Quadratmeter Buchshecken auf eine Höhe von ca. 0,60 m“ geschnitten werden sowie „360,00 Quadratmeter Hainbuchenhecke auf eine Höhe ca. 2,50 m“, wofür die Bundesbank „zwei Arbeitsgänge pro Jahr“ veranschlagt. Auch die zu säubernden befestigten Fläche in der Wilhelm-Epstein-Str. 14 hat sie ganz genau abgemessen: Es sind insgesamt 22.073,50 Quadratmeter, wie der Ausschreibung der Bundesbank zu entnehmen ist. Für die Düngung von 497,00 Quadratmeter Rasenflächen veranschlagt sie drei Arbeitsgänge pro Jahr.

Die Details der Ausschreibung in voller Schönheit:

Für alle Gartenbaubetriebe: Der Auftrag „beginnt am 1.2.2016 und hat eine Laufzeit von zunächst 1 Jahr (Mindestvertragslaufzeit) bei einer max. Laufzeit von insgesamt 4 Jahren.“

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
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