Historische Niedrigzinsen
EZB treibt Sparer in die Verzweiflung

Die EZB hat den Zins im Euroraum auf ein Rekordtief gesenkt. Die Leidtragenden der Politik des billigen Geldes sind die Sparer. Sie müssen sich mit mickrigen Zinsen abfinden. Doch sie sind nicht die einzigen Verlierer.
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Die Märkte hatten es schon vorher eingepreist. Als der EZB-Rat sich am Donnerstag dazu durchrang, die Leitzinsen auf den Rekordtiefstand von 0,75 Prozent zu senken, reagierten sie mit Kursabschlägen. Dabei profitieren die Aktien eigentlich von Zinssenkungen: Je niedriger der Zins, desto attraktiver werden alternative Anlageformen wie Aktien.

Ganz anders sieht es für die Sparer aus. Sie sind die Leidtragenden niedriger Zinsen. Seit Jahresbeginn sind beispielsweise die Zinsen für das als kurzfristiger Geldparkplatz gedachte Tagesgeld bei Banken und Sparkassen um gut ein Fünftel gesunken. Viele Institute sind offenbar nicht auf das Kapital vor allem privater Anleger angewiesen, weil sie billiges Geld von der Zentralbank bekommen.

Und mit den 1,38 Prozent Zinsen, die die Frankfurter Finanzberatung FMH aktuell durchschnittlich errechnet, dürfte der Boden noch nicht erreicht sein. Denn in der Regel passen die Geschäftsbanken bei einer Leitzinssenkung auch ihre Konditionen für das Tagesgeld an, wie Sigrid Herbst von FMH sagt: „Vor allem Sparkassen und Volksbanken nehmen Zinssenkungen gern mit."

Zwar zahlen die Tagesgeld-Anbieter mit den höchsten Zinsen immer noch 2,5 Prozent im Jahr - rund fünfmal so viel, wie der Deutsche im Durchschnitt auf dem Sparbuch bekommt. Doch gehören die Sparer immer stärker zu den Verlierern der Geldpolitik.

Denn mit diesen Renditen verlieren sie Jahr für Jahr Geld. Ungefähr vier Prozent müssen ihre Anlagen nominal einbringen, damit sie nach Abzug von Kosten und Steuern sowie unter Berücksichtigung der Inflationsrate den Wert ihres Sparkapitals erhalten.

Die allermeisten der Millionen von Sparern hierzulande, die nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank 1,9 Billionen Euro auf Konten liegen haben, dürften also - real - immer mehr Geld verlieren.

Kommentare zu " Historische Niedrigzinsen: EZB treibt Sparer in die Verzweiflung"

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  • Es dürfte reichen, wenn 10 Prozent der Bevölkerung mitmachen.

  • Sie sprechen mir aus dem Herzen!

  • 'der an und für sich guten Sache'. Nennen sie eine einzige gute Sache. Was ist denn gut daran, wenn der ehrliche, steuerzahlende, arbeitende Bürger, einmal erfahren muss, dass sein Erspartes Geld weginflationiert ist, dass er durch den Wahnsinns Experiment Euro durch die Bankenunion nun für die maroden Banken im Süden mitbürgt, dass er mehr steuern zahlen muss, damit die Menschen in Frankreich mit 60 in Rente gehen können...

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