Höchster Stand seit 2013
Inflation in der Euro-Zone klettert auf 1,1 Prozent

Die Inflation in der Euro-Zone hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt – höheren Preisen für Öl und Gas sei Dank. Für den EZB-Chef Mario Draghi bedeutet das mehr Druck. Politiker fordern höher Zinsen.
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Frankfurt/BerlinDie jährliche Inflation in der Euro-Zone ist zum Jahreswechsel auf 1,1 Prozent geklettert gegenüber 0,6 Prozent im Vorjahr – und damit auf den höchsten Stand seit September 2013. Das teilte die Europäische Statistikbehörde Eurostat in ihrer ersten Schätzung am Mittwochvormittag mit. Ökonomen gingen im Vorfeld der Datenbekanntgabe davon aus, dass sich die Jahresteuerung im Euro-Raum im Dezember auf 1,0 von 0,6 Prozent erhöht.

Inflationsrate in der Euro-Zone
von Dezember 2015 bis Dezember 2016 (gegenüber dem Vorjahresmonat)
in Prozent
Die Inflationsrate bildet Veränderungen der Kosten für einen festgelegten Warenkorb ab, der eine repräsentative Auswahl an Waren und Dienstleistungen enthält. Sie wird aus dem Verbraucherpreisindex (VPI) abgeleitet.

Vor allem die höheren Energiepreise treiben die Teuerung. Statistiker erwarten, dass Energie mit 2,5 Prozent die höchste jährliche Rate aufweist (-1,1 Prozent im November), gefolgt von Dienstleistungen sowie Lebensmitteln, Alkohol und Tabak, die jeweils eine Steigerung von 1,2 Prozent aufwiesen.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist die anziehende Inflation eine gute Nachricht. Denn sie strebt im gesamten Währungsraum stabile Preise an und sieht dies nur bei Inflationsraten von knapp zwei Prozent gewährleistet. Ihr Chef, Mario Draghi, hält am Ziel der zweiprozentigen Jahresteuerung fest, wenngleich er glaubt, dass es erst 2018 oder 2019 erreicht werde. Im März 2016 hatte die Zentralbank beschlossen, die Leitzinsen weiter zu lockern – unter anderem, um die Inflation steigen zu lassen. Es gebe keine Grenzen für das, was die Bank innerhalb ihres Mandats tun werde, um das Ziel zu erreichen, sagte Draghi damals. Im Dezember hat sie Die EZB Wertpapierkäufe um neun Monate bis Ende Dezember 2017 verlängert, allerdings bei einem niedrigeren monatlichen Umfang von künftig nur noch 60 statt 80 Milliarden Euro. Mit dieser Politik sollen die Renditen der Anleihen sinken und Banken dazu bewegt werden, mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Das soll die Inflation ankurbeln.

Die ersten Ökonomen haben bereits auf die Veröffentlichung der Inflationszahlen reagiert – mit gemischten Gefühlen. Besonders optimistisch gibt sich Jörg Zeugner von der KfW. Die Eins vor dem Komma sei „ein Vorgeschmack auf den Januar, wenn sogar die Zwei in Reichweite kommt”, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Skeptischer reagiert dagegen Thomas Gitzel von der VP Bank: „Rechnet man die Energie- und Nahrungsmittelpreisentwicklung heraus, ist der Anstieg minimal”, so der Ökonom. Die Kerninflationsrate steige da nur geringfügig von 0,8 auf 0,9 Prozent, an diesem Sachverhalt werde sich auch in den kommenden Monaten wenig ändern: „Die Teuerungsraten werden aufgrund der im Jahresvergleich höheren Ölpreise weiter steigen, die Entwicklung der Kerninflationsrate bleibt lethargisch.”

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In Deutschland und Frankreich erreichte die Inflation Spitzenwerte

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  • Nachtrag: Der Kommentar scheint noch vorhanden zu sein (zumindest in meinem Browser).

    Wie dem auch sei, es wurden schon soviele Kommentare von mir einfach entfernt (unterschiedliche Zeitungen) obwohl ich nie Hetze etc. betrieben habe. Auf Nachfragen wieso, wurde pauschal mit "bitte bleiben Sie sachlich" oder gar mit einer rhetorischen Frage "Sie wissen bestimmt wieso?".

    Es ist tatsächlich interessant zu beobachten, dass die meisten Zeitungen gar keine Kommentare mehr zulassen und die die es tun filtern auf Hochtouren.

    Das beschreibt man im demokratischen Westen als Freiheit und Demokratie. Man hat also die Freiheit etwas zu sagen, es wird aber nach belieben entfernt. Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun, da regierungsfreundliche Kommentare nicht zensiert werden.

  • @ G. Nampf: Ist halt so. Die Diktatur ist schon hier und wer es noch nicht glaubt sollte mal das Buch "Die smarte Diktatur" von Harald Welzer lesen.

    Nicht umsonst spioniert der BND, die NSA etc uns alle aus (der BND ab 01.01.2017 legal). Die "gefährlichen" sind die Freiheitskämpfer und müssen vom System im Keim erstickt werden.

  • Und wieder ist ein Kommentar (von x y, zwischen 11.45 h und 12.09 h) einfach verschwunden, so als hätte es ihn nie gegeben.

    Kein Wunder, daß die allgemeine Meinung über die Presse unaufhaltsam in den Keller rutscht.

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