Interessenkonflikt: Notenbanker denken über Rückzug aus Troika nach

Interessenkonflikt
Notenbanker denken über Rückzug aus Troika nach

In den Reihen der Europäischen Zentralbank wird über einen Austritt aus der internationalen Gläubiger-Troika nachgedacht. Die Notenbanker beklagen den Einfluss der Politik. Sie wollen wieder unabhängiger agieren.
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Die Beteiligung der Europäischen Zentralbank (EZB) an der sogenannten Troika führt intern zunehmend zu kritischen Diskussionen. Nach Informationen des Handelsblatts (Dienstagausgabe) wächst bei einigen Notenbankern das Unbehagen, dass man zusammen mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die Euro-Krisenländer überwacht. Man werde diskutieren müssen, ob die Zentralbank sich weiterhin an der Troika beteiligen solle, hieß es. Andere Notenbanker wiesen den Vorstoß zurück. Die EZB lehnte einen Kommentar ab.

Auch die "Süddeutsche Zeitung" und die "Welt" berichteten von Überlegungen innerhalb der EZB, aus der sogenannten Troika der Euro-Retter auszusteigen.

"Ich habe keine Ahnung, wovon Sie sprechen", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel angesprochen auf die Berichte. Man arbeite "sehr konstruktiv" mit EZB-Chef Mario Draghi und den anderen Troika-Partnern zusammen. Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem antwortete auf die Frage, ob Draghi oder EZB-Direktor Jörg Asmussen die Möglichkeit eines Troika-Austritts erwähnt hätten: "Nein." Bei der EZB war zunächst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Das Hadern innerhalb der Notenbank mit der Rolle in der Troika habe zwei gravierende Gründe, berichtete die "Welt" unter Berufung. Zum einen nehme der Einfluss der Politik über die Teilnahme der EZB an der Troika auf die unabhängige Notenbank zu, hieß es dem Bericht zufolge. Es sei demnach inzwischen ganz selbstverständlich, dass sich die EZB an den Rettungsaktionen für wackelige Euro-Staaten mit eigenem Geld beteilige. Im Gegenzug steige zum anderen aber auch der Einfluss der Notenbank auf die europäische Politik. Gemeinsam mit IWF und EU verordne die EZB europäischen Staaten riesige Anpassungs- und Reformprogramme, was aber nicht Aufgabe der Notenbank sei, habe ein Notenbanker beklagt.

Zwar nimmt nach Informationen des Handelsblatts das Unbehagen unter den Notenbankern wegen der Troika-Rolle zu. Über einen Rückzug aus dem Gremium soll aber nur eine kleine Minderheit nachdenken. Einen solchen Schritt werde es nicht geben, heißt es innerhalb der Zentralbank. Die Expertise der EZB sei in der Troika unerlässlich.
Das sieht man auch in der Bundesregierung so. Eine Diskussion um einen Rückzug der Zentralbank aus der Troika könne man nicht gebrauchen, hieß es in Berlin.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Interessenkonflikt: Notenbanker denken über Rückzug aus Troika nach"

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  • "Notenbanker denken über Rückzug aus Troika nach"

    Sie hätten besser vorher statt nachher gedacht. Aber die Schlagzeile beschreibt das gedankliche Niveau, auf dem sich die EZB bewegt vortrefflich.

    Letztlich ist es nicht überraschend. Wer 1 + 1 addieren konnte, musste zum Ergebnis kommen.

  • Notenbanker denken über Rückzug aus Troika nach - nachgedacht ist keine Vollendung.

    Jeden den ich Frage, korrupte Politiker sind ausgeschlossen, will den Euro nicht mehr haben. Für den Ausstieg aus dem Euro gibt es dafür unzählige Gründe. Ein Grund soll erwähnt werden:

    Durch die Bereitstellung der Rettungsschirme wird der Bundeshaushalt für die Umsetzung der sozialen Marktwirtschaft permanent belastet. Es bleibt immer weniger für die Kommunen übrig. Die Kommunen kauen schon auf dem Zahnfleisch. Rentenkürzungen und Sozialkürzungen mit dem Rasenmäherprinzip sind an der Tagesordnung.

    Um Europa wettbewerbsfähiger zu gestalten, müssen die nationalen Währungen, zumindest in den Südländern, wieder eingeführt werden.

    Dafür ist die Partei „Alternative für Deutschland“. Wer den Euro so nicht mehr haben will, sollte die „Alternative für Deutschland“ im Herbst 2013 und bei der Europawahl 2014 wählen.

  • "Das größte und erfolgreichste Land der EU muss sich von einem rumänischen Underdog den Mund verbieten lassen! "

    Tja, was erwarten Sie von einem LAnd, welches Rumänen und Co. demnächst HArtz4 für nichts und wieder nichts in Aussicht stellt und nebenbei schon so weit ist, dass man Fleisch allen ernstes von dort importiert. Das ist alles nur noch krank.

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