Internationaler Währungsfonds
IWF-Chefvolkswirt warnt vor Ende der Geldflut

Der IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld rät der Europäischen Zentralbank, ihre aktuell lockere Geldpolitik beizubehalten. Am Donnerstag kommen die europäischen Währungshüter zusammen, um über die Zinsen zu beraten.
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FrankfurtIWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld hat die Europäische Zentralbank (EZB) wenige Tage vor ihrer Zinssitzung vor einem voreiligen Ausstieg aus ihrer extrem laxen Geldpolitik gewarnt. „Die EZB sollte jetzt Kurs halten und im Gegenteil sogar vorbereitet sein, mehr zu tun, falls das nötig werden sollte“, sagte Obstfeld der „Börsen-Zeitung“ in einem am Montag vorab verbreiteten Interview. Die EZB solle eine Festigung der positiven Stimmung abwarten.

Die Ratsmitglieder der Euro-Notenbank kommen an diesem Donnerstag in Frankfurt zu ihrer Zinssitzung zusammen. Zuletzt waren vor allem aus Deutschland die Rufe nach einem Ende der ultralockeren Geldpolitik wieder lauter geworden. „Wenn die EZB die Zinsen voreilig anhebt, riskiert sie, die positive Entwicklung abzuwürgen,“ sagte Obstfeld der Zeitung. Allgemein riet der oberste Ökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) Zentralbanken dazu, lieber etwas zu lange die Geldschleusen weit offen zu lassen.

„Nach vielen Jahren, in denen wir uns Sorgen über Deflation gemacht haben, sollten die Zentralbanken jetzt lieber etwas zu spät als etwas zu früh aussteigen – das gilt für die Fed genauso wie für die EZB“, sagte der Volkswirt. Unter einer Deflation verstehen Fachleute eine gefährliche Abwärtsspirale bei Preisen, Löhnen und Investitionen. Diese ist mit geldpolitischen Mitteln kaum zu bekämpfen.

Die EZB hält ihre Leitzinsen schon seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Banken müssen zudem Strafzinsen bezahlen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank Geld parken. Des Weiteren pumpen die Euro-Wächter seit mehr als zwei Jahren über den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem der Euro-Zone, um die Kreditvergabe anzuregen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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