Interview Christian Noyer
Frankreichs Notenbank-Chef drängt auf Bankenunion

Der französische Zentralbank-Chef Noyer will die Verbindung zwischen Banken und Staat trennen. Die Europäische Zentralbank könne nicht dauerhaft Staatsanleihen ankaufen oder die Geschäftsbanken mit Liquidität versorgen.
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ParisFrankreichs Zentralbankchef Christian Noyer hält die Schaffung einer europäischen Bankenunion für einen der wichtigsten Ansätze zur Lösung der Euro-Krise. „Wir müssen das Problem an der Wurzel beheben. Die Verbindung zwischen Banken und Staaten muss durchtrennt werden.“ sagte Noyer im Interview mit dem Handelsblatt.

Die Europäische Zentralbank könne nicht auf Dauer Staatsanleihen ankaufen oder die Geschäftsbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten. Damit die Geldpolitik in der Eurozone einheitlich funktioniere, müsse es eine „wirkliche Vereinheitlichung des Bankensystems“ geben. „Was wir brauchen, sind eine einheitliche Bankenaufsicht und Einlagensicherung sowie ein einheitlicher Abwicklungsfonds.“

Der seit 2002 amtierende Chef der Banque der France, der auch dem Rat der EZB angehört, zeigt Verständnis für die Bedenken mancher Deutscher gegen eine gemeinsame Einlagensicherung: „Doch wir müssen gewährleisten, dass es ein integriertes System mit gleichem Niveau an Sicherheit gibt.“ Zunächst könne man einen Fonds als Rückversicherung einrichten, der hinter den nationalen Einlagensicherungen stehe.

Noyer wendet sich gegen Aufforderungen amerikanischer Ökonomen, die EZB solle noch mehr Geld ins Bankensystem pumpen und mehr Inflation zulassen: „Der Wachstumseffekt ist negativ.“ Mit Bundesbank-Präsident Jens Weidmann stimme er da vollkommen überein. Der sei im übrigen in der EZB keineswegs isoliert.

Europas Politiker fordert er auf, „den Willen der Gründungsväter wie Jean Monnet oder Konrad Adenauer wieder (zu) entdecken.“ Sie müssten „der ganzen Welt beweisen, dass sie ein politisches Europa wollen, dass sie in Richtung auf ein föderales System vorangehen wollen.“

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin

Kommentare zu " Interview Christian Noyer: Frankreichs Notenbank-Chef drängt auf Bankenunion"

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  • Marcus Tullius Cicero sagte 55 v.Chr. in Rom:
    Der Staatshaushalt muß ausgeglichen sein
    Die öffentlichen Schulden müssen verringert, die Arroganz der Behörden ,muß gemäßigt und kontrolliert werden.
    Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht bankrott gehen soll
    Die Leute sollen wieder lernen zu arbneiten, statt auf öffentliche Rechnung zu leben!!
    Empfehlung an die deutschen Politiker dies auswendig zu lernen und das deutsche Volk nicht auszubluten, sondern wie
    blumig versprochen, den Wohlstand des deutschen Volkes zu
    mehren, sowie Schaden von ihm zu wenden.

  • Manche Foristen hier urteilen aber wirklich hart, denn, immerhin,
    [Zitat]
    Der seit 2002 amtierende Chef der Banque der France, der auch dem Rat der EZB angehört, zeigt
    Verständnis für die Bedenken mancher Deutscher gegen eine gemeinsame Einlagensicherung:
    „Doch wir müssen gewährleisten, dass es ein integriertes System mit gleichem Niveau an Sicherheit gibt.“
    [/Zitat]
    Na, ist das Nichts?
    Gruß aus Berlin
    Fake_bug

  • Dieser Obermafiosi! Jeder Kleinkriminelle, der eine Handtasche klaut, kommt in den Knast. Dieser Mann will den gesamten deutschen Bankensicherungsfonds rauben und läuft immer noch frei rum!
    Aber unsere Regierung und unsere Opposition begreift ohnehin gar nichts und macht sich zum Helfershelfer dieser Kriminellen.
    Europa ist zu einem kriminellen Sauhaufen verkommen. Raus aus dem Euro - sofort!

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