Interview Thomas Jordan
Schweizer Notenbank begrüßt Gipfel-Beschlüsse

Der Schweizer Notenbankchef Thomas Jahn geht gnädig mit den EU-Staats- und Regierungschefs ins Gericht. Im Interview lobt er eine Bankenunion als möglichen Ausweg aus der europäischen Staatsschuldenkrise.
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BerlinDer Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, hat die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels als einen Schritt in die richtige Richtung begrüßt. Eine mögliche Stoßrichtung zur Lösung der Euro-Krise, über die auch am EU-Gipfel diskutiert worden sei, sei die Abhängigkeit zwischen Staaten und Banken durch eine Bankenunion zu vermindern. „Damit könnte man die Rekapitalisierung der wichtigsten Institute in der Euro-Zone in einem gemeinschaftlichen Schritt vollziehen. Über eine Bankenunion könnte man am schnellsten eine vertiefte Integration erreichen“, sagte Jordan in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Jordan räumte aber ein, dass die Bankenhilfe als Freibrief missverstanden werden könne. „Deshalb ist es so zentral, dass für die Hilfe die notwendigen Bedingungen gestellt werden und die Kontrolle durch die europäischen Institutionen und nicht nur durch die Staaten erfolgt“, sagte der Notenbanker. Jordan ließ zugleich keinen Zweifel, dass er den Mindestkurs des Frankens gegenüber dem Euro mit allen Mitteln verteidigen werde. „Wir sind bereit, den Mindestkurs wenn nötig mit unbegrenzten Devisenkäufen durchzusetzen.“

Mit 1,20 Franken für den Euro sei die Schweizer Währung noch immer „eine sehr stark bewertete“ Währung. „Der faire Wert liegt deutlich oberhalb dieses Mindestkurses“, sagte Jordan. Sollte sich die Krise weiter verschärfen, wollte der Notenbanker auch Kapitalverkehrskontrollen und Negativ-Zinsen nicht ausschließen. „Ich möchte aber dabei betonen, dass wir weder mit einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone noch mit einem Zusammenbruch der Währungsunion rechnen“, sagte er

Der SNB-Chef verteidigte die Aufforderung an die Schweizer Großbank Credit Suisse, ihre Kapitalvorsorge rasch zu verbessern: „Wir haben die Empfehlung jetzt vielleicht etwas deutlicher formuliert, da sich das Umfeld verschlechtert hat. Die Kursreaktion auf unsere Empfehlung erachte ich als übertrieben, zumal wir ausschließlich bereits publizierte Informationen für unsere Analyse verwendet haben. Die Nationalbank hat in keiner Weise die Credit Suisse destabilisiert.“

Das vollständige Interview lesen Sie am Dienstag in der gedruckten Ausgabe des Handelsblatt.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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  • Wetten dass.....
    - der Aktienmarkt bald wieder gen Sueden geht
    - bald wieder unverhersehbare Ereignisse weitere Milliarden fordern
    - der ganze Laden der EU weiter dem Untergang entgegen geht
    - die Durchhalteparolen und Luegen der Politiker weitergehen, um den Endsieg icht zu gefaehrden
    Endet diesen Wahnsinn!!!

  • Eine Bankenunion in Europa bedeutet für 13 Mio. Mitglieder von Genossenschaftsbanken in Deutschland, dass diese für die Fehler europäischer Banken und überschuldeter Staatshaushalte haften sollen, obwohl die Genossenschafts-banken selbst ein eigenes Sicherungssystem über 150 Jahre aufgebaut haben und nie Unterstützung Dritter gebraucht haben oder bekommen würden, weil sie nicht"systemrelevant" sind. Die Kleinen sollen wieder mal die Großen stützen. Die Haftung der Deutschen Sparkassen in einer Bankenunion trifft die öffentlichen Haushalte und damit die Steuerzahler in Deutschland mittelbar und die Mitglieder der Genossenschaftsbanken über diesen Weg ein zweites Mal. Wieder wird das Pferd von Hinten aufgezäumt. Vor einer gemeinsamen Währung, vor der Bankenverbände ohne klare Regeln gewarnt hatten, wird nun eine Bankenunion erzwungen, obwohl es zunächst eine politische Union braucht, zu der die Politik aber offensichtlich nicht willens oder fähig ist.Statt dessen gibt es nach Maastricht einen neuen (Fiskal)Pakt, an den sich dann wieder keiner hält.

  • Sofort entlassen, zum wohle der Schweizer Bürger!!!

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