IWF zur Geldpolitik
Gefangen in der Zwickmühle

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IWF: Risiken im chinesischen Finanzsystem

Verschärft werden diese Sorgen durch die wachsende Schuldenlast in der Welt. In den Volkswirtschaften der G20-Staatengruppe liege die Verschuldung außerhalb des Finanzsektors inzwischen höher als vor Ausbruch der Finanzkrise, rechnet der IWF vor. Dieser Anstieg habe zwar das Wachstum gestützt, gleichzeitig aber die Anfälligkeit des privaten Sektors gegenüber steigenden Zinsen verstärkt. Sollte es den Notenbanken nicht gelingen, die Balance zwischen Wachstumsförderung und Blasengefahr zu finden, könnte der Anstieg der Verschuldung zusammen mit zu hohen Bewertungen an den Märkten zu einer Vertrauenskrise führen.

Der IWF hat ein Szenario mit stark steigenden Renditen, einem Kursverfall an den Märkten und einem Rückzug der Investoren aus den Schwellenländern durchgerechnet. Ergebnis: Die weltweite Wirtschaftsleistung würde um 1,7 Prozent im Vergleich zum erwarteten Basisszenario schrumpfen, die USA müssten die langsame Verschärfung ihrer Geldpolitik zurückdrehen, und in der Euro-Zone würde sich die Normalisierung weiter hinausschieben.

Besondere Risiken sieht der IWF im chinesischen Finanzsystem, in dem die Bilanzsumme der Banken auf 310 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen ist. 2012 lag dieser Wert noch bei 240 Prozent. Weltweit habe sich die Stabilität des Bankensystems aber verbessert, lobt der IWF. Allerdings mit der wichtigen Einschränkung, dass einige der weltgrößten Banken noch immer nicht genug verdienen und noch immer auf der Suche nach einem tragfähigen Geschäftsmodell sind. Nach den Berechnungen des IWF betrifft dieses Problem ein Drittel der als bedeutend für das Weltfinanzsystem eingestuften Geldhäuser mit einer Bilanzsumme von insgesamt 17 Billionen Dollar.

Zu diesen Geldhäusern dürfte auch die Deutsche Bank zählen, deren Einnahmen in diesem Jahr geschrumpft sind. Allerdings hat sich das Frankfurter Geldhaus aus der tiefen Vertrauenskrise, die es im Herbst 2016 überschattet hatte, wieder herausgekämpft. Das erkennt auch der IWF an, zumindest indirekt. 2016 hatte der Finanzmarktexperte des Fonds, Peter Dattels, noch explizit das Geschäftsmodell der Deutschen Bank kritisiert, in diesem Jahr kommt das Institut nur in einer Fußnote vor.

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  • Der Grat zwischen Zinshöhe und Platzen der Blasen, insbes. der Schuldenblase, ist leider so schmal, dass man aus der Zwickmühle nicht mehr herauskommen wird, ohne dass es gewaltig crasht.

  • Die Welt braucht KEINE lockere Geldpolitik, sondern ein neues Geldsystem.
    Wenn das BLUT der Wirtschaft, das Geld, nicht marktwirtschaftlich, sondern VOLLSOZIALISTISCH ist, kann die Wirtschaft selber nicht marktwirtschaftlich sein. Wir leben also genau genommen überhaupt nicht im Kapitalismus.
    Wir haben nämlich:
    1. ein monopolistisches. staatliches Zwangsgeld und kein freies Marktgeld
    2. ein zentralplanwirtschaftliches ZINSDIKTAT durch die Zentralbanken, womit der Preis des Geldes, der Zins, überhaupt nicht vom Markt festgelegt werden kann
    JEDE Form von Sozialismus führt zwangsläufig und immer zu Wohlstandsvernichtung - also auch der Geldsozialismus der Zentralbanken.
    Sie glauben nicht, dass die Zentralbanken zentralplanwirtschaftlich-sozialistisch agieren? Doch, mit ihnen wird sogar eine zentrale Forderung aus dem Kommunistischen Manifest von Marx /Engels 1:1 umgesetzt:
    "5) Centralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."
    https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_(1848)

  • Wachstum ist nicht unendlich. Die Preise werden auch wieder fallen, wenn sie niemand mehr bezahlt.

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