Janet Yellen Erneut im Verteidigungsmodus

Fed-Chefin Janet Yellen verteidigt die nach der Finanzkrise eingeführte Regulierung des Bankensektors. Ein sensibles Thema, denn Trump hat dies zuletzt scharf kritisiert. Der Präsident könnte Yellen bald absetzen.
Update: 25.08.2017 - 20:19 Uhr 6 Kommentare
Die Chefin der US-Notenbank warnt vor einer zu lockeren Deregulierung. Quelle: dpa
Janet Yellen

Die Chefin der US-Notenbank warnt vor einer zu lockeren Deregulierung.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDiese Rede könnte ihre letzte gewesen sein: Janet Yellen sprach am Freitag auf der geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole, dem pittoresken Örtchen im Bundesstaat Colorado. Im kommenden Februar läuft ihre Amtszeit als Chefin der US-Notenbank aus.

Neben Yellen seien „zwei bis drei“ Kandidaten im Gespräch, sagte Präsident Donald Trump vor wenigen Wochen im Interview mit dem „Wall Street Journal“. Einer davon ist Gary Cohn, der früheren Nummer Zwei von Goldman Sachs und dem jetzigen Wirtschaftsberater im Weißen Haus. „Ich kenne Gary seit langem, mein Respekt ist in unserer Zusammenarbeit noch stärker geworden“, sagte Trump.

In ihrer Rede verteidigte die Fed-Chefin die nach der Finanzkrise eingeführte Regulierung von Banken. „Die Forschung bestätigt im Großen und Ganzen, dass die Kernreformen, die wir implementiert haben, die Widerstandsfähigkeit nachhaltig erhöht haben, ohne die Kreditverfügbarkeit oder das Wirtschaftswachstum unangemessen zu bremsen“, sagte Yellen.

Mit der Ansprache versuchte sie, Kritik von Trump und anderen Republikanern aufzufangen. Die prangern das 2010 eingeführte Dodd-Frank-Gesetz als Beispiel für Regulierungswut der Demokraten an. „Ich kenne so viele Leute, Freunde von mir, die gute Geschäfte haben“, sagte Trump im vergangenen Februar. „Aber sie können sich kein Geld leihen. Sie bekommen keinen Kredit von den Banken wegen der Regeln und Vorschriften von Dodd-Frank“.

Yellen wählte diese Art der Verteidigung. Viel bleibt ihr auch nicht übrig, schließlich war die Fed maßgeblich an dem neuen Regelwerkt beteiligt. Aber die Fed-Chefin zeigte sich in der Rede auch kompromissbereit. Die Notenbank würde sich verpflichten, sagte sie, zu schauen, ob „Reformen funktionieren und Verbesserungen notwendig sind“. Insgesamt sei „Kredit zu guten Konditionen verfügbar“, die Kreditvergabe würde „weitflächig voranschreiten“. Sie warnte jedoch eindringlich davor, die Lehren aus der Finanzkrise zu vergessen. Die Erinnerung daran würde bereits „verblassen“. Das dürfe nicht geschehen.

Das Verhältnis von Trump und Yellen ist schwer einzuschätzen. Im Frühjahr 2016 lobte er ihre Arbeit, wollte sie aber gleichzeitig nicht im Amt halten. Wenige Monate später – als sich der Wahlkampf zuspitzte – verhärtete sich seine Kritik. Sie würde Zinserhöhungen hinausschieben, um Demokraten zu helfen. „Die Fed ist politischer als Hillary Clinton“, sagte Trump in einer Fernsehdebatte im September 2016.

Als Präsident sieht Trump die Sache wieder anders. „Ich mag sie; Ich mag ihr Auftreten“, sagte er vor wenigen Wochen über Yellen. „Sie ist traditionell niedrigen Zinsen gegenüber freundlich eingestellt“, lobte Trump, der sich explizit niedrige Leitzinsen wünscht. Der politische Druck auf Yellen ist entsprechend groß.

Eine Ablösung wäre höchst ungewöhnlich. Zuletzt bewilligte Präsident Jimmy Carter 1978 dem damals amtierenden Fed-Chef Arthur Burns keine zweite Amtszeit. Yellen steht bereit. Vor wenigen Wochen wurde sie in einer Kongressanhörung gefragt, ob sie für weitere vier Jahr das Amt ausfüllen würde. „Es ist sicherlich etwas, das ich offensichtlich mit dem Präsidenten besprechen würde“, antwortete Yellen.

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6 Kommentare zu "Janet Yellen: Erneut im Verteidigungsmodus"

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  • Der Herr Trump ist an der Macht Herr Maidan, deshalb ist die Reaktion böse, sie geifert seit Monaten und lieber im Bierzelt als Loser ohne Zukunft.

  • Herr Spiegel, Sie sind ein völliger politischer Geisterfahrer - genau wie Trump. Leute wie Sie und Trump gehören ins Bierzelt, oder in den Zirkus. Aber nicht an die Regierung.

  • Ach dieser ewige Sozial-Kommentar, die Pleite gehört in den USA dazu und nicht wie bei den EU-Gangstern, der Steuerzahler zahlt. Regularien für Banken, wie lachhaft,
    absurd wie der Sozialismus selbst.

  • Wollte dieser Immobilien-Unternehmer in den USA, der mit dem langen Schlips, nicht die Regularien für Banken wieder lockern? Damit seine Freunde, die professionellen Pleitegeier, in Ruhe wieder Kredite abzocken können?

  • Endlich Freitag und Sandra Navidi die Augenweide des Handelsblattes live imTV.
    Das Aufbauprogramm für die nächste Woche, neben einem Fläschchen u.s.w.
    Wir Investoren lieben die Notenbanken, versorgen sie uns doch mit Geld und Krisen.
    Krisen sind so wichtig wie Geld. beides sind Geschwister. Ewig sollen die Banken leben, lasst mich einen heben Ha Ha Ha

  • Zudem hätten die Regeln zu einer höheren Disziplin geführt und das altbekannte Problem des „too-big-to-fail“ verringert.


    .........................................

    ABSOLUT RICHTIG !!! UND WICHTIG !!!

    Gerade beim Diesel-Skandal & VW war es dann auch wichtig dem Erdball zu zeigen dann man selbst größeren unternehmen in seine schranken verweisen kann wenn es die Lage es erfordert !!!

    DIE FINANZLAGE DAGEGEN HAT GAR KEINE DISZIPLIN, GERADE IN EUROPA !!!

    SIEHE NEUES SKANDAL WO DIE ITALIENISCHE REGIERUNG GELDER DES STAATES IN ITALIENISCHE BANKEN PUMPT OBWOHL DIESES DEN REGELN IN DER EUROPÄISCHE UNION VOLL UND GANZ WIDERSPRICHT !!!

    UND BRÜSSEL SCHWEIGT DAZU !!! = KORRUPTION ???


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