Janet Yellen und die Finanzmärkte
Fed in Fesseln

Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank, macht sich zu sehr abhängig von Entwicklungen im Ausland und an den Märkten. Das zeigt ihre jüngste Rede in New York. Eine Analyse.

New YorkSchon nach der März-Sitzung der US-Notenbank (Fed) hatten die Märkte aufgeatmet und die Äußerungen von Janet Yellen als Ausdruck einer weichen Geldpolitik gedeutet. In einer neuerlichen Rede am Mittwoch in New York hätte die Fed-Chefin die Chance gehabt, diesen Eindruck zu korrigieren.

Stattdessen sprach Janet Yellen viel von Risiken aus dem Ausland und wehrte sich gegen die Kritik, die Inflationsgefahr zu gering einzuschätzen. Damit hat sie den Märkten abermals das gegeben, was sie gerne hören wollten. Entsprechend fielen die Reaktionen aus, der Dollar war schwächer, Aktien liefen gut.

An der Wall Street galt lange die Weisheit, dass die Märkte am Ende immer dahin laufen, wo die Fed sie haben will. Nun stellt sich jedoch die Frage, ob sich nicht umgekehrt die Märkte gegen Yellen durchgesetzt haben.

Die Fed-Chefin hatte im Dezember mit der ersten Zinserhöhung seit der Finanzkrise die Normalisierung der US-Geldpolitik eingeleitet. Im Januar und Februar kam es dann zu Turbulenzen an den Märkten, die offensichtlich den Rückenwind der Geldpolitik vermissten. Danach beruhigten die Märkte sich wieder, und spätestens seit Mitte März bekommen die Kurse de facto wieder die gewohnte Unterstützung der Geldpolitik.

Die Frage ist, wie weit das trägt. Denn die Kurserholung der US-Aktien ist nur von sehr dünnen Umsätzen getragen. Nach Meinung von Experten kommt darin ein spürbares Misstrauen der Investoren gegenüber der Kurserholung zum Ausdruck.

Die Märkte sind aber nicht die einzige Fessel der Fed. Hinzu kommt, dass sie stärker denn je ins Ausland schaut. Torsten Slok von der Deutschen Bank weist dies sogar nach, indem er nachgezählt hat, wie häufig die Notenbank Begriffe wie Dollar und China benutzt. „Es wird sich zeigen, ob dies der richtige Ansatz ist“, schreibt er.

Slok hatte immer wieder betont, dass die US-Konjunktur relativ robust gegenüber Einflüssen aus dem Ausland sei. Eine neue Analyse des JP Morgan Institute zeigt, dass vor allem junge Leute und Amerikaner mit niedrigen Einkommen zuletzt den recht robusten Konsum gestützt haben, während ältere und reichere Leute sparsamer sind.

Michael Feroli von JP Morgan glaubt zudem, dass Yellen bei ihren jüngsten, vorsichtigen Äußerungen den Dollar-Kurs noch mehr im Blick hat, als sie selber zugibt.

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