Jeffrey Lacker
US-Notenbanker stolpert über Analystengespräch

Jeffrey Lacker steht im Visier der Ermittler: Der Chairman der Fed in Richemont sprach vor fünf Jahren mit einem Analysten, der danach streng vertrauliche Informationen besaß. Nun tritt Lacker mit sofortiger Wirkung ab.
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New YorkManchmal holt die Vergangenheit die Menschen ein. Das gilt auch für ranghohe Mitglieder der US-Notenbank Federal Reserve. Jeffrey Lacker hat am Montag überraschend seinen Rücktritt als der Präsident des Fünften Bezirks der Fed in Richmond angekündigt, die für die Bundesstaaten North Carolina, South Carolina, Virginia und West Virginia zuständig ist.

Lacker war bisher zudem Mitglied des mächtigen Ausschusses der Fed, der über Zinsentscheidungen und Geldpolitik entscheidet. Ursprünglich wollte Lacker noch sechs Monate länger im Amt bleiben.

Lacker war in den Fokus von internen Untersuchungen und zuletzt offensichtlich auch externen Ermittlungen geraten, weil ein Analyst von Medley Global Advisors 2012 an streng vertrauliche Informationen der amerikanischen Zentralbank gekommen war. Bisher war unklar, wer ihm diese Informationen gegeben hat. Lacker hat Medienberichten zufolge zugegeben, dass er mit dem Analysten nach dem Fed-Meeting vom September des Jahres 2012 gesprochen hat.

Das Heikle an der Sache: Zentralbanker sind eigentlich für ihre Verschwiegenheit bekannt. Denn sie wissen, dass auch die kleinsten Informationen die Märkte bewegen können. Wenn durchsickert, wie bestimmte politische Optionen innerhalb des Fed-Ausschusses diskutiert wurden, dann ist das für die Marktteilnehmer ein wichtiger Vorteil. Den machen sich vor allem Hedgefonds schnell zu eigen, um Geld zu verdienen. Und die Beratungsfirma Medley Gobal Advisors, die der Financial Times Limited gehört, verkauft ihre Informationen an Hedgefonds und Vermögensverwalter.

Wieviel Lacker dem Analysten gesagt hat, ist unklar. Der Notenbanker stellt sich auf den Standpunkt, dass sein Schweigen fehlinterpretiert wurde. In seinem Rücktritts-Schreiben bestätigt Lacker zwar, dass er mit dem Analysten gesprochen hat. Aber er bestätigt nicht, dass er über den Inhalt des Fed-Treffens gesprochen hat.

„Als Medley den Report des Analysten am nächsten Tag, den 3. Oktober, veröffentlichte, beinhaltete der dieses wichtige Detail über eine der Optionen“, schreibt Lacker, „und ich habe meinen Fehler erkannt, dass meine Ablehnung eines Kommentars zu der Information von dem Analysten als Bestätigung dieser Information interpretiert worden ist.“

Der 61-jährige Zentralbanker ist im August 2004 zum CEO und Präsidenten der Federal Reserve in Richmond ernannt worden und saß damit im entscheidenden Offenmarkt-Ausschuss.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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