Jürgen Stark

Stark kritisiert die EZB hart

Der Widerstand gegen Pläne der EZB, Staatsanleihen von Krisenstaaten zu kaufen, wird lauter. Ex-EZB-Chefökonom Jürgen Stark meldet sich mit harter Kritik an den Ex-Kollegen zu Wort - und findet prominenten Widerhall.
Update: 28.08.2012 - 17:29 Uhr 57 Kommentare
Ex-EZB-Chefökonom Jürgen Stark. Quelle: Reuters

Ex-EZB-Chefökonom Jürgen Stark.

(Foto: Reuters)

BerlinIm Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise hat die EZB nach Überzeugung ihres früheren Chefvolkswirts Jürgen Stark „wiederholt rote Linien überschritten“. In einem Kommentar für das Handelsblatt wirft Stark der Notenbank die verbotene Finanzierung von Staatshaushalten vor. Auch nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts hat die EZB bereits ihre Befugnisse überschritten. „Auch ich habe den Eindruck, dass die EZB ihr Mandat überdehnt hat“, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen Handelsblatt Online mit Blick auf die Kritik von Stark. „Die kürzlich erfolgte, indirekte Zwischenfinanzierung Griechenlands über ELA-Kredite ist das jüngste Beispiel dafür“, betonte Carstensen.

Hintergrund ist, dass die EZB Griechenland indirekt vor dem Bankrott rettet, indem sie den Banken des Landes Geld leiht. Dies tut sie, indem sie die Aufstockung griechischer Kurzfrist-Anleihen („Emergency Liquidity Assistance“; kurz: ELA) billigte. Käufer der kurzlaufenden Schuldverschreibungen des Staates waren zuletzt vor allem griechische Banken. Diese reichen die Papiere wiederum im Rahmen der ELA-Kreditlinie bei der griechischen Notenbank ein und erhalten frisches Geld. Das ELA-Geld wird von der griechischen Zentralbank bereitgestellt, die auch dafür haften soll. Die Ausfallgefahr liegt formal beim Staat - doch der hängt am Tropf internationaler Geldgeber. Deshalb tragen diese letztlich auch das Risiko.

Ifo-Ökonom Carstensen warnte die Zentralbank vor weiteren Mandats-Überschreitungen. Wenn die EZB nun noch ihre Hilfe in Form von Staatsanleihekäufen von finanzpolitischen Voraussetzungen abhängig machen sollte, etwa der Konsolidierung von Haushalten oder dem Eintritt unter den Rettungsschirm, habe sie „die rote Linie zur Finanzpolitik endgültig überschritten“. Risikoaufschläge für Staatsanleihen seien doch nicht die Zielgröße der EZB, unterstrich Carstensen.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, unterstützt Stark ebenfalls in seiner Einschätzung der EZB-Krisenpolitik. „Stark hat Recht, wenn er beklagt, dass die EZB de facto Staatsausgaben der Problemländer finanziert.“

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57 Kommentare zu "Jürgen Stark: „Verbotene Staatsfinanzierung“"

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  • HÜTCHENSPIELE

    ...EZB, ESM, Staatsnaleihen, target2 ... was soll das alles?

    Die Schulden werden von Rechts nach links geschoben oder anders gelabelt.

    Ich will endlich mal eine Übersicht sehen wer wo verschuldet ist. WER sind die Netto-GLÄUBIGER? .. Rothschild und Co. vielleicht ? ...trust in Steueroassen?

    Warum lassen wir uns ausrauben von der internationalen Hochfinanz?

  • "Dass die gemessene Inflationsrate nur mit Verzögerung über den Vermögenseffekt steigt - wie bei einer ausgedehnten langjährigen Assetblase - also Konsumnachfrage wird, ist jedem klar. Aber die Blasen sind dennoch schädlich und alles andere als stabilitätsfördernd." schreibt @dotti

    ####

    Ja und wenn sich der Reichtum konzentriert und in den Konsum geht, was dann? Glauben Sie die Reichen kaufen dann die Welt oder jeden Monat ein Auto? Ja wenn schon, das bringt keine Inflation. Viel wahrscheinlicher ist, dass das ganze Geld dann im Derivatemarkt herumdümpelt und eben nicht den Weg in die Realwirtschaft findet. Das heißt es wird immer noch kein Nachfrageboom generiert, der die Preise hochtreibt und Inflation bewirkt.

  • ...Bravo, sehr gute Ergänzung meiner Ausführungen. Gäbe es nur mehr aufgeklärte Leute wie Sie, die nicht auf diesen Blödsinn der politischen und medialen Meinungsmache hereinfallen...

  • Gute Analyse zur Inflation!

    Das "alte Gespenst" spuckt schon lange nicht mehr! Inflation ist nämlich vorerst ein BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHER PROZESS (Unternehmen müssen in der Lage sein, Preissteigerungen an den Markt weiterzugeben; in einer Rezession klappt das i. d. R. nicht) und dann erst ein VOLKSWIRTSCHAFTLICHER PROZESS (Geldmenge höher als Gütermenge).

    Übrigens: Lt. Bundesbankbericht ist die Geldmenge INNERHALB EINES MONATS um 3,4% gestiegen, die Preis steigen aber "nur" um 1,8% inner halt EINES JAHRES.

    Das sollte eigenlich reichen, um diesen Schwachsinn zu widerlegen!

  • Jungs... ereifert euch nicht so!

    Die EZB druckt Geld... - und das ist auch gut so! Die Zeiten der "drögen, alten Bundesbank" sind längst Geschichte!

    Wir haben kein Schuldenproblem sondern ein Problem der Schuldenfinanzierung (ach ja, wieso das denn?). Na weil die Staaten sich bei Geschäftsbanken Geld leihen. Können die Staaten nicht mehr zurückzahlen, gehen die Geschäftsbanken pleite und die Staaten, die nicht mehr zahlen können, müssen die Geschäftsbanken dann retten... - is doch klar!

    Das kann nunmal nicht funktionieren. Und - bis auf Griechenland - haben alle Staaten die momentan am Pranger stehen große Probleme mit ihrem Bankensektor, insbesondere Irland und Spanien. In z. B. Portugal ist es eher ein "verschlafen der Wettbewerbsfähigkeit".

    Also: Die EZB haut künftig die Kohle bis zu 60% des BIP (oder machen wir gleich 300% des BIP, dann läuft es unbürokratsicher...) zu 0,000% Zinsen raus!!! Alle sind glücklich... die Steuern sinken, die Renten steigen... alle Flachzangen gehen zur Wahl...- wunderbar!!!

    Bezahlen?? Wer?? SIE?? Wohl im Leben nicht!! Eher unsere Kinder... und die haben bestimmt auch keinen Bock! Also was soll's! Einfach den guten Namen (nennen wir es "AAA") nehmen und drauflos schwelgen.

    Mal ganz davon ab:

    In ca. 35 Jahren gibt es kein Öl mehr! Welche dann nicht mehr existierende Wirtschaft soll die Steuern erwirtschaften, mit denen der Staat (egal welcher!) seine Schulden zurückzahlen will...??????????

    Haut die KOHLE RAUS... SOLANGE ES NOCH GEHT!!!!!!!

  • Der zentrale Einwand der Befürworter einer Einmischung der EZB per Geldgedrucke ist immer der gleiche : es gäbe ja keine Inflation aktuell. Das sieht man ja an der FED -Politik oder auch in GB/Japan.

    Was dabei aber immer verschwiegen wird, ist, dass die Liquiditätsblase immmer grösser wird und ein immer grösseres Risiko erzeugt wird, dass neue Assetblasen enstehen, die dann schockartig zu Deflation in der Realwirtschaft führen, wenn die Liquidität wieder unkontrollierbar und in Panik eingesammelt wird von den globalen Spielern. Um das aber zu verhindern, tritt dannn wieder die Notenbank auf und pumpt noch mehr rein. Und wieder mit dem gleichen Argument, es gäbe ja keine Inflation, wir leiden aktuell unter Deflationsrisiken in dieser Krise der Unsicherheit.

    Dass die gemessene Inflationsrate nur mit Verzögerung über den Vermögenseffekt steigt - wie bei einer ausgedehnten langjährigen Assetblase - also Konsumnachfrage wird, ist jedem klar. Aber die Blasen sind dennoch schädlich und alles andere als stabilitätsfördernd.

    Und der getriebene EZB-Chef verschweigt die Risiken seiner Geldpolitik, obwohl er es ganz genau weiss, behaupte ich mal.

  • @ReDeProSa
    Das ist ja gerade der Mist.
    Jeder will, dass der ANDERE den Aufruf verbreitet.
    Alle haben offenbar Angst, etwas Wichtiges zu verlieren.
    Ich auch.
    Was machen wir denn bloß.
    gibt es denn keine Helden mehr?


  • wozu rechnen ? das ist alles seit Jahrhunderten von langer Hand geplante, moderne Sklaverei

    die Weltherrschaft der dunklen starken Macht des "Mammons"
    an die die meistenvon uns ja leider selbst auch glauben .....!!!!

    Macht wirkt subtil, unterbewußt, feinstofflich quantenphysikalisch messbar (!!!)
    im Raum und Weltraum,

    Das Unterbewußtsein der Schafe wird durch die Medien beeinflusst ........
    denn das Dunkle weiss ehr wohl viel über diese Energien !


    Dagegen gibt es nur 1 Mittel für diese Erde ............. ? ! tja, wenn wir das vergessen haben , sind wir halt verloren

  • @Rechner schreibt:

    "Denn die Chance die PIGS zur Vernunft zu bringen ist durchaus vorhanden. Man muß Ihnen klar machen, daß sie außer Sparen oder Austritt keine reellen Optionen haben. Daß damit verbundene Gequieke ignoriert man am besten."

    ######

    Das ist chauvinistischer Unflat und fernab jeder ökonomischen Vernunft. Auch wenn Sie sich in diesem Forum die Finger wund schreiben, das Meiste ist unausgegoren und schlicht falsch. Leute wie Sie erwecken den Eindruck etwas von der Materie zu verstehen, weil sie ihren Gesinnungsschund eloquent vortragen. Inhaltlich ist "außer Spesen nichts gewesen". Im Übrigen beschreiben Sie mit ihren Modellrechnungen Entwicklungen/Sachverhalte, die nur unter der Voraussetzung gelte, dass die Rahmenbedingungen ansonsten gleich sind (also ceteris paribus). Nun ändern sich in der realen Welt die Rahmenbedingungen aber stetig. Insoweit ist ihr Gegrunze weder zielführend noch sinnstiftend.

  • Die Behauptung, es drohe Inflation durch die Aufkäufe, ist völliger Quatsch. Dass Interventionen und Staatsanleihenkäufe die Inflation in Krisenzeiten nicht anheizen, ist zudem empirisch belegbar. Sowohl die amerikanische FED als auch die britische Bank of England betätigen sich bereits seit längerem als Staatsfinanzierer, ohne dass dies nennenswerte Auswirkungen auf die jeweilige Inflation hätte.

    Solange sich die europäische Konjunktur im freien Fall befindet und die Privathaushalte durch die Wirtschaftskrise und die allgegenwärtige Austeritätspolitik immer weniger Geld zur Verfügung haben, kann es auch keine nennenswerte Inflation geben. Wie denn auch? Egal ob man die Nachfrage- oder die Angebotsseite betrachtet, entdeckt man selbst am Horizont keinen Grund dafür, warum die Preise flächendeckend stärker steigen sollten. Die Austeritätspolitik sorgt dafür, dass die Nachfrageseite nicht nur kurz-, sondern auch mittel- bis langfristig geschwächt wird, die Unternehmen keine Investitionen vornehmen und keine neuen Mitarbeiter einstellen, sondern stattdessen ihr Personal abbauen.

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