Kommentar zum Zins-Entscheid der FED
US-Notenbank auf Entenjagd

Fed-Chefin Janet Yellen spricht Klartext. Sie will die Zinsen anheben. Das ist gut so. Doch sie darf damit nicht zu lange warten. Denn die Maßnahme wirkt nicht sofort, sie kommt mit Verzögerung in der Wirtschaft an.
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Notenbanker sind bekanntlich verschwiegen, drücken sich vage aus und wollen sich bloß nicht zu früh auf eine Richtung festnageln lassen. Janet Yellen, die Chefin der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, hat am Mittwoch jedoch Klartext gesprochen. So klar, wie sich Geldpolitiker im Rahmen ihrer Möglichkeiten nur ausdrücken können. „Eine Anhebung in diesem Jahr ist möglich“, sagte Yellen. Und das ist gut so. Sollte sich die US-Wirtschaft wie erwartet entwickeln, dann ist es höchste Zeit, die Phase der Nullzinsen zu beenden, die nun schon seit fast sieben Jahren anhält.

Natürlich – das kann zu Turbulenzen führen. Aber Yellen gibt den Investoren mit ihren klaren Worten genügend Zeit, um sich entsprechend vorzubereiten. Schon seit Anfang des Jahres steht schließlich eine Anhebung er Zinsen im Raum. Es wäre falsch, jetzt leichtsinnig zu werden und darauf zu setzen, dass sie den Schritt auf das nächste Jahr verschieben wird.

Das Risiko ist nicht nur, zu früh zu handeln. Auch zu spät zu kommen, birgt Risiken – das Entstehen von Blasen, zum Beispiel, oder eine Inflationsspirale, in der sich Preise und Löhne gegenseitig hochschaukeln. Und je länger die Fed wartet, desto schärfer wird sie irgendwann die Zügel wieder anziehen müssen – was noch mehr Turbulenzen an den Märkten zur Folge haben wird.

Hinzu kommt: Die Maßnahmen der Notenbanken wirken nicht sofort, sie kommen mit Verzögerung in der Wirtschaft an. „Es ist wie bei der Entenjagd“, hat der ehemalige Präsident der regionalen Notenbank aus Dallas, Richard Fisher, stets gesagt. Man muss vorausschauend Zielen und die Flugkurve der Ente antizipieren. Yellen scheint die geldpolitische Entenjagd zu beherrschen. Zwar sei die US-Wirtschaft im Moment noch nicht bereit für die Wende, sagte sie am Mittwoch. Doch sie hat klar zu verstehen gegeben, dass sie die Flugkurve im Auge und den Finger am Abzug hat.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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  • wenn Banker 'Klartext' reden ist vorsicht geboten. die Warnung die Zinsen anheben zu wollen ist die Ilusion dass die FED den Markt noch regeln könnte - dem aber ist seit langem nicht mehr so - wie die EZB läuft sie den Erosionen hinterher und ist sogar ein Teil des Problems.
    /K

  • Die letzten Enten werden heute auf der Jagd erschossen, weil wir die Kuh nicht von Eis kriegen. Irgendwie sind die politischen Statements momentan etwas blumig.

    Ich bezweifle stark, dass die FED die Zinsen auf absehbare Zeit überhaupt anheben könnte. Und ich gehe davon aus, dass es eine sehr niedrige Schmerzgrenze gibt, wie hoch die Zinsen überhaupt steigen können.

    Bei den Staatsschulden, die die USA so vor sich herschiebt, wird eine Refinanzierung derselben zu höheren Zinsen kaum umsetzbar sein. Und die USA kann die Zinsen nicht anheben, wenn der Rest der Notenbanken das nicht ebenfalls tut.

    Es ist eingetreten, wovor viele gewarnt haben, nämlich der Produktion einer Geldmenge, die der Markt nicht in Wirtschaftskraft umwandeln kann. Damit bleiben die Zinsen der FED niedrig und wir dürfen in den nächsten Jahren einer hoffentlich steuerbaren Inflation ins Auge sehen.

    Insofern wünsche ich unseren Politikern und Notenbankern ein freundliches Halali und

    Petri Heil!

  • Die Niedrigzinsen in den entwickelten Industrieländern sind keine vorübergehende Episode, sondern es wird sogar noch schlimmer kommen.

    Yellen weiß das. Alles was sie sagen möchte ist: Nutzt jetzt noch die niedrigen Zinsen für Konsum und Investitionen. Kurzfristig bringt das was.

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