Kommentar zur EZB-Ratssitzung
Was auch immer es kostet

Auch eine Konfetti-Attacke kann EZB-Chef Mario Draghi den Tag nicht verderben: Sein milliardenschweres Programm zum Ankauf von Staatsanleihen hat einen guten Start hingelegt. Doch die Gefahren dieser Politik bleiben.
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FrankfurtSichtlich stolz präsentierte Mario Draghi nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Attacke einer Aktivisten schockte ihn nur kurz. Anschließend sprach er über seinen jüngsten Coup. Seit gerade mal sechs Wochen lässt EZB-Chef Staatsanleihen ankaufen. Und selbst die größten Skeptiker würden wohl kaum bestreiten, dass die Effekte des Quantitative Easings (QE) beeindruckend sind.

Der Euro hat drastisch an Wert verloren – und steigert so jenseits des Währungsgebiets zumindest vorübergehend die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen. Die langfristigen Kapitalmarktzinsen, von denen es bereits im vergangenen Jahr hieß, sie könnten unmöglich noch weiter sinken, gaben noch einmal kräftig nach – und erleichtern den hoch verschuldeten Staaten die Refinanzierung. Ja, selbst die Kreditklemme im Süden Europas, aus Sicht Draghis das eigentliche Hindernis für eine Überwindung der Krise, scheint sich zu lösen.

Nicht einmal die größten Optimisten hätten eine solche rasche und drastische Wirkung des Programms erwartet. Hatten die ewigen Kritiker Draghis also doch Unrecht?

Nein, die Risiken und Widersprüche des Programms bestehen fort – und sie werden nicht kleiner dadurch, dass es wirkungsvoller ist, als manch einer erwartet hätte. Im Gegenteil: Natürlich entlasten die niedrigen Zinsen die hoch verschuldeten Staaten und Unternehmen.

Gleichzeitig aber vermindern sie den Anreiz, die Schulden abzubauen. Natürlich hilft die Liquiditätsschwemme den schwachen Banken. Gleichzeitig aber treibt sie diese in riskante Anlagen und legt somit womöglich den Keim für die nächste, vielleicht noch größere Krise.

Eine ernsthafte Bilanz des geldpolitischen Großexperiments Draghis lässt sich erst ziehen, wenn der Exit – also der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik – gelungen ist. Und diesen, auch das hat Draghi einmal mehr klargemacht, wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Seinen Ankauf von Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro monatlich jedenfalls will er durchziehen – whatever it takes.


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  • 5 Millionen auf Pump, und den Rest auf Leasing
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