Konjunkturflaute
EZB-Ratsmitglieder würden Zinsen weiter senken

Die EZB wird bei Bedarf den Leitzins auch unter das aktuelle Rekordtief senken. Das kündigte der Notenbanker Jozef Makuch an. Sogar ein negativer Einlagezins ist in Ratskreisen offenbar kein Tabuthema mehr.
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BratislavaAngesichts der Konjunkturflaute in der Euro-Zone denken EZB-Notenbanker laut über niedrigere Leitzinsen nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach den Worten ihres slowakischen Ratsmitglieds Jozef Makuch zumindest noch Spielraum, den Schlüsselzins unter das gegenwärtige Rekordtief von 0,75 Prozent zu senken. Diesen werde sie bei Bedarf auch ausschöpfen, betonte Makuch am Dienstag. Die EZB werde ihre weiteren Schritte von der Beurteilung der aktuellen Lage und dem Konjunkturausblick abhängig machen.

"Es ist sinnlos, darüber zu spekulieren, ob dies im Oktober, November, Dezember sein wird", sagte Makuch mit Blick auf eine mögliche Zinssenkung. Auch habe die Europäische Zentralbank kein Problem mit einem negativen Einlagezins. Es gebe aber auch hier keinen Grund, derzeit darüber zu spekulieren.

Zuvor hatte bereits das belgische Ratsmitglied Luc Coene mit der Bemerkung aufhorchen lassen, der EZB stehe zur Linderung der Schuldenkrise eine ganze Reihe von Instrumenten zur Verfügung - darunter auch eine Zinssenkung.

Die EZB, die primär der Geldwertstabilität verpflichtet ist, muss bei ihrer Zinsentscheidung stets die Entwicklung der Verbraucherpreise und die Konjunkturaussichten mit ins Kalkül ziehen. Das teure Öl hat die Inflation in der Euro-Zone im August gefährlich angeheizt und die Jahresteuerung auf 2,6 Prozent getrieben. Dieses Niveau ist weit höher als der EZB lieb sein kann, die stabile Preise bei einer Teuerungsrate von rund zwei Prozent gewährleistet sieht.

Zugleich kann es die EZB nicht kalt lassen, wenn die Konjunktur aus dem Tritt gerät. Die Volkswirte der Zentralbank erwarten, dass die Wirtschaft der Eurozone dieses Jahr schrumpfen oder bestenfalls leicht wachsen wird. Die EZB hatte die Zinsen Anfang Juli auf 0,75 Prozent gesenkt und zugleich den Einlagezins für das Parken von Geld bei der Zentralbank auf null gesetzt. Es lohnt sich damit für die Banker nicht mehr, überschüssige Liquidität bei der EZB zu hinterlegen. Sollte der Depotzins weiter gesenkt werden, würde ein 'Strafzins' fällig, falls die Banken Geld bei der EZB in Sicherheit bringen wollen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mein Gott...was haben unsere Politiker mit dem Euro an uns nur verbrochen! Leider wird sie niemand zur Rechenschaft ziehen.

  • Bald wird die geisteskranke Politkdartsteller noch dafür sorgen, dass die Banken Prämien bekommen, wenn sie das bunte Draghi Papier nur nehmen!

  • Also doch mit Riesenschritten in die Hyperinflation.

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