Konjunkturprogramm
So gut fühlt sich „Helikoptergeld“ an

Geld drucken und es wie aus einem Hubschrauber abgeworfen an jedermann verteilen – das Gedankenspiel hat Einzug erhalten in die Diskussion über die Geldpolitik. Unser Autor hat etwas Ähnliches schon mal erlebt.
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DüsseldorfAm 21. Juni 2008 – damals noch als Korrespondent in New York – ging ich zum Briefkasten und entdeckte Post vom amerikanischen Finanzamt. Hatte ich etwas falsch gemacht mit der Steuererklärung? Mein erster Gedanke sollte sich als falsch erweisen.

Mein Deutschsein hatte mir einen Streich gespielt: Ein Brief vom Finanzamt muss nicht immer Ungemach bedeuten, lernte ich. Denn in dem Umschlag steckte die Ankündigung eines weiteren Briefes, der in den kommenden Tagen eintreffen solle. Im zweiten Schreiben werde ein Scheck über 600 Dollar stecken. Zur freien Verfügung und zum sofortigen Einsatz.

So funktionierte vor acht Jahren in den USA ein Konjunkturprogramm: 130 Millionen Briefe mit Barschecks werden im ganzen Land verteilt. Die Finanzkrise rüttelte 2008 heftig an der Stabilität des Wirtschaftssystems, eine Rezession hatte begonnen. Das Parlament beschloss daher den Geldsegen, um die Konjunktur in Fahrt zu bringen.

In Europa wird jetzt über eine ähnliche weitreichende Finanzspritze diskutiert. Grund: Die Europäische Zentralbank (EZB) kämpft damit, die Inflation auf das mittelfristige Ziel von knapp unter zwei Prozent hoch zu treiben. Zuletzt allerdings waren die Preise um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen. Für die Notenbanker um den Präsidenten der EZB, Mario Draghi, ist das ein Problem. Denn sie verstehen es als ihre vordringliche Aufgabe, die leichte Preissteigerung von knapp unter zwei Prozent zu erreichen.

Fallende Preise können eine gefährliche Abwärtsspirale auslösen, vor der sich Währungshüter fürchten. Wer beispielsweise davon ausgehen kann, dass ein Neuwagen im kommenden Monat 500 Euro weniger kostet, verschiebt wahrscheinlich die Anschaffung. Die Wirtschaft gerät ins Stocken, Arbeitsplätze sind gefährdet.

Um dieses Szenario zu vermeiden, hat die EZB bereits tief in die Trickkiste gegriffen. Sie hat den Leitzins auf null Prozent gesenkt, kauft für 80 Milliarden Euro im Monat Staats- und Unternehmensanleihen und belegt Einlagen von Banken mit einer Gebühr von 0,4 Prozent. Das alles soll die Kreditvergabe der Banken ankurbeln, was wiederum die Wirtschaft in Fahrt bringen und die Preise antreiben soll. Das sind viele Wenns und Abers auf dem Weg bis zum Geldausgaben. EZB-Ratsmitglieder sagen zwar, eine deutliche Deflation sei so verhindert worden. Doch das eigene Inflationsziel ist eben immer noch in weiter Ferne.

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  • Herr Dowideit hat ganz vergessen zu schreiben, dass das Geld vom amerikanischen Finanzamt kein gespartes Geld war, sondern nur neue Schulden. Werden diese Schulden die amerikanischen Steuerzahler begleichen müssen?
    Übrigens: 100 Milliarden Dollar wurden als Geschenke verteilt. Im Jahr 2009 wurden 1.400 Milliarden neue Schulden gemacht, damit die Wirtschaft in den USA nicht abstürzt. Das waren in jenem Jahr über 10 Prozent des BIP. Sie Wirtschaft stagnierte. Was wäre denn geschehen, wenn die Neuverschuldung nur 1.000 Milliarden Dollar betragen hätte? Wäre die Wirtschaft dann um 4 Prozent gesunken?
    Kann man von Herrn Dowideit eine Antwort erwarten?
    Wieso ist der Kauf von Hausrat eine Investition und kein Konsum? Betreiben sie ein Restaurant oder handelt es sich lediglich um grenzenlose Begriffsverwirrung?

  • Es gibt doch einige Unterschiede zwischen dem US-Heli-Geld von 2008 und dem von der EZB angedachten. Damals wurde das ganze von den europäischen US-Vasallen und den Chinesen finanziert, durch den Kauf von in Weltleitwährung nominierten T-Bonds. Heute wird sich wohl kaum ein Chinese finden, der in z.B in Euro-Spielgeld lautenden italienischen Staatsanleihen investiert.. Das heisst, die ganze Party wird, wie bisher schon auch, durch eine gewaltige Umverteilung vom Nord/Mitteleuropäischen Leistungsträger, nach oben und nach unten finanziert werden

  • Nachtrag:

    Helfen wird das alles nichts.

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