Kurzlaufende Geldmarktpapiere
Bills statt Bonds - die neue Idee der Euro-Retter

Euro-Bonds sind mit Deutschland nicht zu machen. Das haben die Befürworter einer gemeinsamen Schuldenaufnahme der Euro-Zone eingesehen - und propagieren für den kommenden EU-Gipfel eine neue Idee.
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Die Befürworter einer gemeinsamen Schuldenaufnahme der Euro-Länder wagen einen neuen Vorstoß. Dabei wollen sie es eine Nummer kleiner versuchen als mit den lange diskutierten Euro-Bonds - Gemeinschaftsanleihen aller Euro-Länder, die Krisenländern wie Spanien oder Italien eine günstigere Finanzierung ermöglichten. Beim EU-Gipfel am kommenden Wochenende soll ein Konzept für gemeinsame Euro-Bills - also Geldmarktpapiere mit Laufzeit von bis zu einem Jahr - diskutiert werden.

Vor allem Frankreichs Präsident Francois Hollande hofft auf die Einführung der Euro-Bills im Kampf gegen die Schuldenkrise. "Euro-Bonds kann es nicht so schnell geben", sagte ein Mitarbeiter Hollandes am Dienstag. "Aber es gibt Mechanismen, die leichter umgesetzt werden können, sofern der politische Wille dazu da ist - dazu gehören Euro-Bills." Sie würden nur eine Laufzeit von drei Monaten haben und deshalb geringere Garantien erfordern als Bonds mit mehrjähriger Laufzeit. Damit hoffe man, die deutsche Seite zu überzeugen.
Der Charme, aber auch die Gefahr der Lösung: Die gemeinschaftlichen Garantien wären zeitlich überschaubarer als bei einer längerfristigen Schuldenaufnahme. "Die Einführung von Euro-Bills wäre der logische erste Schritt vor einer Einführung von Euro-Bonds", meinen deshalb Anleiheexperten wie Steven Major von HSBC.

Gemeinschaftlich finanziert werden könnten über kurzfristige Schulden zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Länder und damit 900 Milliarden Euro. Griechenland, Portugal und Irland, die für ihre langfristige Refinanzierung auf Hilfen der anderen Euro-Länder angewiesen sind, wären vom Konzept ausgenommen.

Not herrscht indes nicht. Auch Länder wie Griechenland können noch kurzfristige Geldmarktpapiere ausgeben, die beim jüngsten griechischen Schuldenschnitt außen vor blieben. Die Griechen zahlen dafür aber relativ viel und boten zuletzt für Sechsmonatspapiere Renditen von 4,7 Prozent. Italien musste Investoren vergangene Woche für Zwölfmonatspapiere mit knapp vier Prozent Rendite locken.

Major von HSBC erwartet, dass Investoren für gemeinsame Kurzläufer der Euro-Zone Renditen zwischen 0,5 und 0,8 Prozent fordern würden. Zum Vergleich: Deutschland zahlte für Sechsmonatspapiere nur 0,007 Prozent.

Ob Euro-Bills schneller kommen als Euro-Bonds oder der ebenfalls auf eine gemeinsame Refinanzierung zielende Schuldentilgungsfonds, ist ungewiss. Aus Deutschland zumindest kam eine harsche Abfuhr: "Euro-Bills sind die kleinen Brüder der Euro-Bonds und damit nichts anderes", sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

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Euro-Bonds „durch die Hintertür“

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  • Euro-bonds, Euro-bills, Schuldentilgungsfonds, Vergemeinschaftung der Einlagensicherungsfonds - die Schnapsideen mit denen uns die Knoblauchzonisten in die Tasche fassen wollen werden immer toller.

    Auf diese schamlose Bettelei kann es nur eine Antwort geben:

    Ein schallendes NEIN.

    Die Geduld auch proeuropäischer Deutscher erschöpfen sie mit ihren Schnorrversuchen zusehendst.

    Monti und Hollande sollte sich das langsam 'mal merken.

    In Griechland macht ja schon jetzt kein vernünftiger Mensch mehr Urlaub.

    Italien und Frankreich legen anscheinend auch keinen wert mehr auf deutsche Touristen.

    Diese Typen begreifen leider nicht wann Frechheit zur Unverschämtheit wird.

  • Schulden sind absolutes Gift für unsere Gesellschaft. Dadurch, dass wir die Schulden vergemeinschaften haben wir ja noch keinen einzigen Euro zurückgezahlt! Da sitzt man wirklich vor dem Bildschirm und lacht sich kaputt.

    Wie bescheuert sind Hollande und seine Kumpel eigentlich? Ich weiss nur eins: mehr Europa ja, aber nicht wenn in Frankreich die Kommunisten an der Macht sind. Kaviarfressende Linke. Wir sollten vier Jahre Pause machen, und dann sehen, ob der nächste Präsident in Frankreich etwas realitätsnäher regieren kann.

    Hollande erinnert mich ein bisschen an Papandreou, der hat seinem Volk auch das Blaue vom Himmel versprochen, MEHR GELD FÜR ALLE war doch der Slogan im Wahlkampf?! Das ist schon ein starkes Stück, dass die Franzosen jetzt von uns verlangen, dass wir ihre verkorkste Wirtschaftspolitik und ihr vollkommen marodes Bildungs- und Sozialsystem durch eine Schuldenverteilung schultern. Dann sollten sie im Gegenzug den Mumm haben zuzugeben, dass sie bis jetzt grandiose Scheisse gebaut haben.

    Denn eins kann ich ganz bestimmt sagen: Euro-Bonds heisst für mich, dass es im Prinzip egal sein muss, welcher Hampelmann in Paris im Elysee-Palast sitzt. Dann UND NUR DANN können wir über Euro-Bonds reden. Aber solange die nationalen Regierungen und Parlamente noch autonom Schulden machen können, so lange brauchen wir über Bonds oder Bills nicht zu reden. Da sollen die sich mal ne blutige Schnauze holen.

  • Alles nur Ablenkungsmanöver, und im Hintergrund nimmt der ESM an Fahrt auf...

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