Lässt Draghi bald Anleihen kaufen?
Schwache Nachfrage nach EZB-Geldspritze

Die EZB stößt mit ihren neuen Langfristkrediten bei den Banken auf schwache Resonanz. Bei der heutigen Auktion brachte sie weniger Geld unter als geplant. Nun steigt die Wahrscheinlichkeit massiver Anleihekäufe.
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FrankfurtDie Banken in der Euro-Zone haben weniger billiges Geld bei der EZB abgerufen als von der Notenbank erhofft. Bei der zweiten großen Kreditlinie der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr sicherten sich die Institute nach Angaben vom Donnerstag 130 Milliarden Euro. Gemeinsam mit der ersten Salve aus dem September sind es damit 213 Milliarden Euro. Die EZB hat aber in etwa doppelt so viel angepeilt. Das Geld fließt im Idealfall in die Kreditvergabe und kurbelt damit die maue Konjunktur in Europa an. Weil sich die Banken zurückgehalten haben, erhöht sich nun der Druck auf die EZB, mit weiteren Maßnahmen gegen die drohende Deflation zu kämpfen.

EZB-Chef Mario Draghi will die Bilanz der Notenbank bis Ende 2016 auf drei Billionen Euro ausweiten. Dieses Ziel erscheint ohne zusätzliche Maßnahmen jedoch kaum erreichbar. „Die EZB muss zusätzliche Maßnahmen anwenden um die beabsichtigte Bilanzgröße bis Ende 2016 zu erreichen“, schreibt EZB-Experte Christian Schulz von der Berenberg Bank in einem aktuellen Kommentar.

Wie die Zentralbank in Frankfurt mitteilte, sicherten sich 306 Institute bei der langfristigen Kreditlinie - im sperrigen Fachjargon TLTRO genannt - insgesamt 129,8 Milliarden Euro. Im September hatten 255 Banken zusammen rund 83 Milliarden Euro abgerufen.

Obwohl die angepeilte Summe für dieses Jahr von 400 Milliarden Euro bei weitem nicht erreicht wurde, hält EZB-Direktor Benoit Coeure das Programm für erfolgreich. Die Geldspritzen seien gut angenommen worden. "Nach den ersten beiden Geschäften können wir klar sehen, dass sich der Zugang der Institute zu langfristig verfügbaren Mitteln verbessert." Zusammen mit den weiteren jüngst beschlossenen Maßnahmen der Notenbank - dem Kauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen - würden die Bedingungen zur Vergabe von Krediten verbessert.

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"Auf Deutschland zielte das ja auch nicht ab"

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  • Diese Herren von der EZB (wie viele Politiker) haben völlig den Blick für die Realität verloren. Oder sie wollen einfach nicht wahr haben dass dieses System das auf Kreditvergabe der Besitzenden (und damit Ausdruck von Gier) am Ende angekommen ist, zumal durch die dadurch eingeleitete Kapitalumverteilung keine Geldmittel bei der großen Bevölkerung mehr vorhanden sind. Daher sind selbige auch nicht mehr Kreditwürdig und eine weitere Kreditvergabe an sie keine Bank der Welt verantworten kann. Zumal sie davon aus gehen kann selbigen gleich abschreiben zu können. Jede Maßnahme (man kann hier schon von großangelegter Insolvenzverschleppung sprechen) seitens der Politik und der Zentralbanken, die letztendlich nur darauf zielt den Besitzenden ihre Einlagen zu schützen und, bei Ausfall, zu decken, verschlimmert nur die Situation. Durch immer mehr Geld, welches für die Deckung dieser Ausfälle gedruckt wird, wird es, zumal gleichzeitig durch den Konsumzusammenbruch Werte vernichtet werden, langfristig zu Geldentwertung kommen.

  • Die Euro-Zone ist krank, und Draghi weiß es. Deshalb werden auch immer mehr extreme Maßnahmen von den Herren in Frankfurt in Erwägung gezogen. Allein: Helfen wird es dauerhaft wohl nicht. Der schon wieder nachhaltig erkrankte Patient Griechenland wirft seine Schatten auf das, was auch anderen Krisenländern bevorsteht, voraus.
    Es ist der neoliberale Wahn, der alles zerstört: Euro verfrüht eingeführt, weil neoliberale Krise grenzübergreifendes Euro-Spielgeld begehrten. Steuern für Besserverdienende und Wirtschaft etweder zu niedrig
    gehalten oder Massensteuerhinterziehung nicht kraftvoll bekämpft. Dazu noch Ächtung von Arbeitslosen, Geringverdienern und Kleinrentner. Die Eurozone -zumindestens in ihrer jetzigen Zusammensetzung- wird es in 7-10 Jahren nicht mehr geben. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen das selbstgefällige Europa Establishment in Brüssel hassen und die EU somit auch ihre emotionalen Fundamente -die ohnehin nie stark waren- einbüßt.

  • @ bode:

    Doch, weil das nämlich bedeutet, den Euro in je nationale Währungen rückabzuwickeln.
    Nur dann ist eine je nationale eigenständige Geldpolitik möglich.

    Das sollte damit ausgedrückt werden, für Sie vielleicht nicht ganz verständlich.

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