Liveblog – EZB-Sitzung
„Unsere Geldpolitik ist wirksam“

Die EZB hält ihre Leitzinsen unverändert und will das noch lange so lassen. EZB-Chef Mario Draghi gibt sich überzeugt von seinen Maßnahmen: Über eine Ausweitung der lockeren Geldpolitik werde nicht gesprochen.
  • 29

DüsseldorfGroßes hatte kaum ein Anleger von der EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag erwartet. Mario Draghi aber schaffte es, sogar diese Erwartungen zu enttäuschen: Weil er auf eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms verzichtete, sank der Dax nach der Veröffentlichung der Zinsentscheidung um 13.45 Uhr. Die Ergebnisse im Überblick:

  • Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Notenbankgeld bleibt bei 0,0 Prozent.
  • Die Strafzinsen für Banken, der sogenannte Einlagezins, liegt weiterhin bei minus 0,4 Prozent.
  • Die monatlichen Ankäufe von Vermögenswerten im Umfang von 80 Milliarden Euro erfolgen bis Ende März 2017 oder wenn nötig darüber hinaus.

+++ Draghi konnte Märkte nicht überzeugen +++

Die Pressekonferenz ist vorbei. Der Dax ist mittlerweile wieder leicht gestiegen, aber immer noch 1,32 Prozent im Minus. Die Märkte konnte Draghi mit seinem Stillstand in der Geldpolitik nicht überzeugen. Eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms blieb aus, zudem zeigte sich Draghi in der Pressekonferenz besonders überzeugt von der Wirkung seines Handelns. Er betonte, dass noch nicht einmal darüber diskutiert wurde, ob man weitere Schritte diskutieren solle.

+++ „Die Zinsen müssen heute niedrig sein“ +++
Draghi ist heute gut gelaunt, er scherzt immer wieder. In der Sache bleibt er aber hart: „Die Zinsen müssen heute niedrig sein, damit sie in Zukunft wieder steigen können.“

+++ „Wir haben einfach nicht darüber gesprochen“ +++
Draghi wird erneut gefragt, warum Aktienkäufe und Helikoptergeld noch nicht diskutiert wurden. Was sei mit „noch“ gemeint? Draghis Antwort: „Wir haben nicht darüber diskutiert, ob wir darüber diskutieren sollen. Wir haben einfach nicht darüber gesprochen.“

+++ „Wir sehen nicht, dass mehr Bargeld gehortet wird“ +++
Draghi erklärt weiter, warum er von seiner Geldpolitik überzeugt ist. „Wir sehen nicht, dass mehr Bargeld gehortet wird“. Es gebe zwar Geschichten darüber, aber die hätten keine Relevanz. Auch weitere ökonomische Indikatoren seien auf seiner Seite, etwa, dass Unternehmensentscheidungen ausbleiben, weil der Wettbewerb hart sei und nicht aus Risikoaversion.

+++ Dax bricht ein +++
Anleger scheint Draghi mit seinen Antworten nicht überzeugen zu können. Mittlerweile ist der Dax 1,5 Prozent im Minus, den Großteil der Verluste machte er seit Beginn der Pressekonferenz.

+++ Ähnliche Formulierungen +++
Wie auch bei seinen bisherigen Sitzungen antwortet Draghi auf vielen Fragen mit den immer gleichen Formulierungen. Teils aus der aktuellen Zinsentscheidung, teils aus seinen bisherigen Pressekonferenzen.

+++ „Geldpolitik ist wirksam“ +++
Warum die EZB noch nicht gehandelt habe, wird gefragt. Draghi sagt, die Veränderungen in der Wirtschaft seien nicht substantiell und die Geldpolitik sei wirksam, ja sogar „fully effective“, betont er.

+++ QE-Ausweitung kein Thema +++
Jetzt beginnen die Fragen, der eigentlich spannende Teil. Erste Frage: Wann wird QE ausgeweitet? Draghi antwortet nur, das sei nicht diskutiert worden.

+++ Auch Politik gefordert +++
Draghi fordert die Politik zu Strukturreform auf. Der Fokus solle darauf liegen, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Schon zuvor hatte sich Draghi schon dahingehend geäußert, dass Geldpolitik alleine nicht ausreichen werde, um die Wirtschaft in der Eurozone zu stabilisieren.

+++ Prognosen bleiben kaum verändert +++
Die neuen Daten seit der vergangenen Sitzung sind jetzt da. Sowohl die Wachstumsprognosen als auch die Inflationserwartung haben sich seit dem Brexit leicht gesenkt. Im Detail erläutert er nur die verschiedenen Ergebnisse: 2017 und 2018 soll etwa die Inflation wie auch in den vorherigen Prognosen wieder über ein Prozent liegen. „Das Bruttoinlandsprodukt dürfte moderat, aber stetig wachsen", sagte er. „Die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone dürfte gedämpft werden von der schwachen ausländischen Nachfrage, die teilweise mit den Unsicherheiten durch das Ergebnis des Referendums in Großbritannien zusammenhängt.“

+++ Es geht los +++
Draghi ist da und sortiert seine Unterlagen. Zunächst ließt er die Zinsentscheidung der EZB vor, die wir schon kennen.

+++ Draghi tritt vor die Presse +++
Um 14.30 Uhr will Draghi die Entscheidung der EZB erklären. Noch warten alle auf den Präsidenten der Zentralbank.

+++ Der Euro verteuert sich nach Entscheidung +++
Der Euro hat nach der EZB-Zinsentscheidung seine Gewinne ausgebaut und die Marke von 1,13 Dollar geknackt. Er verteuerte sich um bis zu 0,7 Prozent auf 1,1315 Dollar. Der Dax rutschte im Gegenzug weiter ins Minus und verlor bis zu 0,8 Prozent auf 10.670 Punkte.

+++ Inflationsziel weit entfernt +++
Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik will die EZB eigentlich die Inflation im Euro-Raum anfachen, um Preisstabilität zu erreichen. Die Notenbank sieht diese bei einer Preissteigerung von knapp zwei Prozent gewährleistet. Davon ist sie jedoch weit entfernt: Im August stiegen die Verbraucherpreise im Euro-Raum wie schon im Juli nur um 0,2 Prozent. Bei zu geringen Preissteigerungen sieht die EZB die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Deflation, also einer Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang.

Julian Trauthig
Julian Trauthig
Handelsblatt / Deskchef Finanzen

Kommentare zu " Liveblog – EZB-Sitzung: „Unsere Geldpolitik ist wirksam“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Herr Harald Trautmann

    >> Ich meine, wir leben aktuell in einer Scheinsicherheit, die so bald nicht mehr länger Bestand haben wird >>

    Diese Ihre Aussage trifft den Nagel voll auf den Kopf !

  • Da hat doch Super-Mario endlich mal wieder für Bewegung im Markt gesorgt. Über 200,0 Punkte-Tagesrange im FDAX und knapp 100K Lots momentan hatten wir ja schon wochenlang nicht mehr, und sind fast eingeschlafen.

    Hatte mich schon gefragt, ob diese lustige Handelsmaschine mit den Micro-Sekundenlatenzzeiten überhaupt noch Stromzufuhr hat .....

  • @ Vinci „
    Wenn aber demnächst auf Grund dieser Zinslospolitik die Versicherungen, Rentenfonds, etc. anfangen zusammenzubrechen, gibt's eine REVOLTE ! “

    Deshalb ja auch die aktuelle „Zivilschutzkampagne der Bundesregierung“ und die Aufforderung zur Einlagerung von Wasser und Lebensmitteln für mindestens 10 Tage.
    Das passt alles zusammen, wenn man es logisch betrachtet. Ich denke wir stehen kurz vor einem Kollaps des Finanzsystems, weil die weltweite Überschuldung zu hoch ist, um von den Schuldnern, sprich den Bürgern und Steuerzahlern der Staaten noch länger gegenfinanziert zu werden. Einem nackten Mann kann man schließlich nicht mehr in die Taschen greifen. Es wird Geld gedruckt ohne Ende (60 Milliarden Euro monatlich) und bald wird zudem Bargeld abgeschafft (um bankruns zu verhindern) und von den Banken Negativzinsen eingeführt. So wird es kommen und zwar alternativlos, weil dies der einzig noch mögliche Weg ist, das jetzige System eine Weile länger am Laufen zu halten. Ich bin wahrlich kein Experte, wie z. Bsp. unsere Besserwisser-Ökonomen, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass wir in den letzten Zügen liegen und man nur noch durch finanzpolitische Manipulation, Tricksereien und Staatsfinanzierungen durch die Notenbanken den weltweiter Zusammenbruch hinauszögern kann. Die Frage ist jetzt nicht mehr ob, sondern wann das (Schuld)Geldsystem, damit die Zombie-Banken, einhergehend mit der Wirtschaft kollabiert. Was natürlich auch mit der Zerfall der Gesellschaften einhergehen wird. Es bedarf nur 3-4 Tage von Versorgungsengpässen, um aus einer einst friedlichen Gesellschaft eine Anarchische zu machen. Wenn es um's nackte Überleben geht, ist sich jeder selbst der Nächste, also wenn es so richtig hart auf hart kommt. Ich meine, wir leben aktuell in einer Scheinsicherheit, die so bald nicht mehr länger Bestand haben wird, was leider zu Bedauern ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%