Liveblog zum Zinsentscheid „Natürlich wären Zinserhöhungen eine gute Nachricht“

Mario Draghi hat die heutige Entscheidung verteidigt, in der Geldpolitik alles beim Alten zu lassen. Grundsätzlich stimme ihn die wirtschaftliche Entwicklung Europas aber positiv, sagte der Zentralbank-Chef.
Update: 14.12.2017 - 15:51 Uhr 13 Kommentare
EZB bleibt bei ihrer Null-Zinspolitik Quelle: Reuters
Mario Draghi

Der Chef der Europäischen Zentralbank erklärt den Zinsentscheid.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/DüsseldorfSo hat die Europäische Zentralbank entschieden:

- Der Leitzins bleibt unverändert bei null Prozent.

- Der Einlagezinssatz für Banken bleibt unverändert bei minus 0,4 Prozent.

- Das Kaufprogramm für Staatsanleihen bleibt bei monatlich 60 Milliarden Euro bis Dezember 2017. Ab Januar 2018 wird es wie im Oktober angekündigt auf 30 Milliarden Euro halbiert und läuft auf diesem Niveau zunächst bis September weiter.

- Die EZB ist weiterhin bereit, das Anleihenkaufprogramm im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer jederzeit auszuweiten.

+++ Geldpolitik und wirtschaftliche Entwicklung +++
Hat sich die Geldpolitik in Europa von der Wirtschaftsentwicklung entkoppelt? Mario Draghi schüttelt den Kopf und stellt noch einmal klar, dass sich das Mandat der Europäischen Zentralbank ausschließlich auf die Preisstabilität beziehe. Die EZB sei nicht damit beauftragt, das Wirtschaftswachstum zu stärken oder die Arbeitslosigkeit zu senken. Alles Handeln der Zentralbank stehe daher unter dem Ziel, die Preisstabilität sicherzustellen. Ein Aufschwung am Arbeitsmarkt, steigende Löhne wirkten hier unterstützend. Mit dieser Antwort endet die Pressekonferenz.

+++ Inflationsausblick +++
Auf die Frage, welche Risiken für den Inflationsausblick bestehen, äußert sich Draghi wie folgt: „Die Gefahren für den Inflationsausblick sind verschwunden, das können wir klar sagen.“ Darüber hinaus könne er aber keine Aussagen zur weiteren Inflationsentwicklung treffen, schiebt der EZB-Chef nach.

+++ Zinserhöhungen zum Ende der Amtszeit? +++
„Natürlich wären Zinserhöhungen eine gute Nachricht“, antwortet Draghi auf die Frage, ob er analog zur US-Kollegin Janet Yellen nicht eine Zinserhöhung zum Ende seiner Amtszeit ins Auge fassen wolle. Diese wären ein Anzeichen dafür, dass man auf dem richtigen Weg sei.

+++ Fiskalpolitik +++
Mario Draghi ruft die Staaten der Euro-Zone erneut auf, alle Möglichkeiten der Fiskalpolitik auszunutzen, also in der aktuell guten wirtschaftlichen Lage Defizite abzubauen und finanzielle Puffer für schlechte Zeiten aufzubauen.

+++ Steinhoff-Turbulenzen +++
Die EZB hat Bonds des Möbelhandelskonzerns Steinhoff gekauft, die Firma ist nun in schwerem Fahrwasser. Frage von Handelsblatt-Korrespondent Mallien: Wird die EZB die Entscheidung überdenken? Draghi antwortet, dass es immer Verluste bei großen Zentralbank-Kaufprogrammen gebe. Andere Zentralbanken machten ihre Kaufprogramme jedoch nicht so transparent wie die EZB. Bisher habe man sehr erfolgreich gehandelt, aber werde das Programm noch einmal an diesem Punkt überprüfen. Die in einzelnen Berichten genannten Verlustsummen seien um den Faktor zehn übertrieben. Sie sind laut Draghi im Vergleich zur Gesamtsumme des Ankaufprogramms sehr klein.

+++ Auswirkungen der US-amerikanischen Zinsentscheidung +++
Handelsblatt-Korrespondent Jan Mallien fragt Mario Draghi nach dem definitiven Ende des Ankaufprogramms. Draghi betont, dass der Rat der EZB das weiterhin offen gehaltene Ende beibehalten wolle, also sich über den September 2018 hinaus nicht festlegen wolle. Zwar baue sich in den europäischen Volkswirtschaften derzeit ein positives Momentum auf, dieses benötige aber weiterhin geldpolitischer Unterstützung.

+++ Auswirkungen der US-amerikanischen Zinsentscheidung +++
Draghi sieht laut eigener Aussage deutliche Unterschiede zwischen dem europäischen und dem US-amerikanischen Währungsraum. Daher könne die Entscheidung der US-Zentralbank Fed, die Zinsen erneut zu erhöhen, nicht einfach auf den europäischen Fall übertragen werden. In den USA habe sich beispielsweise der Arbeitsmarkt besonders gut entwickelt.

+++ Stärke der wirtschaftlichen Erholung +++
Auf die Frage eines Journalisten erklärt Mario Draghi, dass ihn die gute Entwicklung des europäischen Arbeitsmarkts positiv stimme. Diese sollte die Löhne und damit auch die Inflation im Euro-Raum weiter anheizen. Man sehe bei der EZB eine breite wirtschaftliche Erholung. Dennoch müssten sich weitere Fundamentaldaten verbessern, bevor sich der Aufschwung auch ohne EZB-Eingriffe selbst trage.

+++ Zukunft des Anleihekaufprogramms +++
Draghi betont, dass es mit der heutigen Entscheidung keine Veränderung am Anleihekaufprogramm gibt. Die Inflationsrate habe sich bereits verbessert und werde sich weiter verbessern. Dennoch fehle ein dauerhafter Aufwärtstrend bei den wichtigsten Preistreibern. Der bisherige Plan, das Programm bis September weiterzuführen, notfalls auch darüber hinaus, werde beibehalten.

+++ Bankenunion +++
Der Wachstumspfad der europäischen Volkswirtschaft sehe gut aus, sagt Mario Draghi. Generell gehe die Entwicklung in die richtige Richtung, was ihn positiv stimme. Offen lässt Draghi jedoch, ob die prognostizierte Inflationsrate von 1,7 Prozent im Jahr 2020 vor dem Hintergrund des EZB-Inflationsziels in seinen Augen ausreichend wäre.

+++ Bankenunion +++
Der EZB-Präsident ruft die Regierungschefs der Euro-Staaten dazu auf, die Vollendung der europäischen Bankenunion weiter voranzutreiben. Im Anschluss wird die Pressekonferenz für die Fragen der Journalisten geöffnet.

+++ Weitere Maßnahmen nötig +++
Draghi hält weitere expansive geldpolitische Maßnahmen für nötig, auch aufgrund der nach wie vor nur moderat anziehenden Inflation. Der EZB-Chef nimmt auch die Regierungschef der Euro-Staaten in die Pflicht, den eingeschlagenen Reformkurs fortzusetzen. Insbesondere müssten die Staatsschulden stärker abgetragen werden.

+++ Inflationsaussichten +++
Die Inflationsraten werden sich laut den Analysten der EZB auch in den kommenden Jahren nur langsam dem EZB-Ziel von annähernd zwei Prozent annähern. Laut Draghi werden sie 2017 voraussichtlich bei 1,5 Prozent, 2018 bei 1,4 Prozent, 2019 bei 1,5 Prozent und 2020 bei 1,7 Prozent liegen. Das BIP-Wachstum in der Euro-Zone schätzen die Analysten für dieselben Jahre auf 2,4 Prozent, 2,3 Prozent, 1,9 Prozent und 1,7 Prozent.

+++ Gute Aussichten +++
Die wirtschaftlichen Aussichten für 2018 haben sich laut Draghi deutlich verbessert. Die europäischen Exporte ziehen an, auch andere Fundamentaldaten stimmten positiv. Dies könnte die Inflation weiter antreiben, auch unabhängig von der Entwicklung der Energiepreise. Die bisherigen geldpolitischen Maßnahmen hätten sich bewährt.

+++ Draghi sieht die Geldpolitik bestätigt +++
Die gute Entwicklung der europäischen Volkswirtschaften ist laut Draghi durch zahlreiche Trends gedeckt. So seien beispielsweise die Profite der europäischen Unternehmen gestiegen, hätten die Hauspreisen angezogen. Die Arbeitslosigkeit sei fast überall in Europa weiter gesunken.

+++ Draghi erläutert die Beschlüsse +++
Der EZB-Chef trägt die bereits schriftlich veröffentlichte Entscheidung des EZB-Rats vor. Die Leitzinsen bleiben demnach unverändert, auch das Anleihekaufprogramm wird auf dem geplanten Niveau fortgeführt. Draghi äußert sich jedoch optimistisch: Die inflationstreibenden Fundamentaldaten, darunter Profite und Löhne, zeigten nach oben. Die gute Wirtschaftsentwicklung der Euro-Zone lasse für die Zukunft hoffen.

+++ Die Pressekonferenz beginnt +++
Mario Draghi wirkt gelöst. Er hat eine dunkelrote Krawatte an, die derjenigen vom Oktober auf erstaunliche Weise gleicht. Auch ansonsten wird der EZB-Chef heute kaum Veränderungen verkünden. Zur Eröffnung wünscht Draghi allen Anwesenden frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.

+++ Warten auf die Pressekonferenz +++
Der Druck auf die Europäische Zentralbank wächst. Derzeit kauft die EZB für monatlich 60 Milliarden Euro Anleihen der Euro-Länder. Ab Januar soll das Kaufprogramm mit 30 Milliarden Euro pro Monat weitergeführt werden. Die Zinsen bleiben unverändert. Anders sieht die Entwicklung in den USA aus: Die US-Notenbank Fed hat am Mittwoch die Zinsen zum dritten Mal in diesem Jahr angehoben und will die Zügel weiter straffen. Die Fed setzte den Schlüsselsatz um einen Viertelpunkt nach oben auf die neue Spanne von 1,25 bis 1,50 Prozent. 2018 sollen drei weitere Anhebungen folgen. Die mächtigste Notenbank der Welt reagiert damit auf die brummende Wirtschaft in den USA.

Den EZB-Ratsmitgliedern lagen zur Sitzung neue Konjunktur- und Inflationsprognosen der hausinternen Volkswirte für die Euro-Zone vor, die erstmals auch das Jahr 2020 einschlossen. Sowohl Gegner als auch Befürworter der jahrelangen Geldschwemme erhofften sich dadurch bessere Argumente für ihre Forderungen. Entscheidend ist dabei, wie nah die Europäische Zentralbank ihrem Ziel einer Teuerung von knapp zwei Prozent kommen wird. Auf der Pressekonferenz wird sich EZB-Präsident Mario Draghi ab 14.30 Uhr äußern müssen.

Mit der vor allem in Deutschland umstrittenen ultralockeren Geldpolitik versucht die Notenbank seit Jahren, Konjunktur und Inflation anzuschieben. Die Wirtschaft im Euroraum wächst mittlerweile robust.

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13 Kommentare zu "Liveblog zum Zinsentscheid: „Natürlich wären Zinserhöhungen eine gute Nachricht“"

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  • Was mag Menschen motivieren, in ein politisches Diskussionsforum einfach nur Witze hineinzuschreiben?

    Man wird das Gefühl nicht los, dass es sich um bezahlte Aktivisten handelt, die eine gewisse Quote von disruptivem Unsinn erfüllen müssen. Immer geht es gegen die EU. Immer gegen Merkel. Und immer sind die Äusserungen pro Trump, pro Putin, pro AfD. Manchmal sogar mit eindeutiger Verherrlichung der NS Zeit von 1933.

    So sieht die "Neue Rechte" aus. Es ist eine Revolution von oben, die von reichen Oligarchen für die Superreichen durchgeführt wird. Mit den Mitteln der Desinformation soll plumpe Stimmung gegen die EU gemacht werden.

  • Der Baron ist zurück! :)

    Er schätzt die mondäne Welt sogar mehr als Mario Draghi. HaHaHaHa :)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Zuviel Schulden/Vermögen zuwenig Wachstum. Deswegen Zinsen bei 0 Sonst fällt Kartenhaus zusammen...

  • <<Mario Draghi schüttelt den Kopf und stellt noch einmal klar, dass sich das Mandat der Europäischen Zentralbank ausschließlich auf die Preisstabilität beziehe.>>

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Kleinsparer zahlen die Zeche ! Viele KLeinrenter fallen in die Grundsicherung , melden sich aber nicht weil sie erst ihr Erspartes aufbrauchen müssen das meisten weniger unter 30T € liegt . Die Masse der Kapitalisten .

  • @ Herr Tomas Maidan:
    Ich bin nicht gegen die EU.
    Es ist aber für mich eine Schande, dass die Ersparnisse der meisten EU Bürger über die Jahre der Nullzinspolitik abgeschmolzen werden, um ein paar "Anstandslose" zu retten oder fördern.

  • Mal wieder ziemlich viel disruptives Blabla hier im Kommentarbereich. Haben die Anti-EU-Trolle niemals Feierabend?

  • @ Herr Lothar Bitschnau: Das müssen Sie auch nicht. Sie müssen nur Ihre von Jahr zu Jahr höheren Steuern zahlen, für die steigenden Energie-, Lebensmittel- und ggf. Immobilienpreise aufkommen.

    Alle 4 Jahre können Sie "wählen" gehen, müssen jedoch nicht.
    Wenn Sie es tun, haben Sie das falsche gewählt. Wenn Sie es nicht tun, haben Sie sich nicht optimal verhalten.

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