Lockere Geldpolitik

Fed setzt Anleihekäufe fort

Ben Bernanke setzt weiter auf die ultralockere Geldpolitik. Der Chef der US-Notenbank gibt Monat für Monat weiter 85 Milliarden Dollar für die Besserung der Konjunktur. Und auch der Leitzins bleibt unverändert.
Update: 31.07.2013 - 21:42 Uhr 9 Kommentare
Fed-Chef Ben Bernanke: Die US-Geldpolitik bleibt unverändert. Quelle: ap

Fed-Chef Ben Bernanke: Die US-Geldpolitik bleibt unverändert.

(Foto: ap)

WashingtonTrotz einer Wachstumsbelebung hält die US-Notenbank noch an ihren Konjunkturspritzen fest. Bis zu einer nachhaltigen Besserung will sie monatlich weiter 85 Milliarden Dollar in die Wirtschaft pumpen, wie die Federal Reserve am Mittwoch in Washington mitteilte. Sie kann die Käufe aber bei Bedarf verringern oder verstärken. Die Wirtschaft habe sich im ersten Halbjahr nur in mäßigem Tempo erholt, und die Arbeitslosigkeit bleibe zu hoch, erklärte die Notenbank.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte angekündigt, das Programm zum Kauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren bis Mitte 2014 auslaufen lassen zu wollen. Wann die Fed mit dem Ausstieg beginnt, ist weiter offen. Ihren Leitzins beließ die Zentralbank wie erwartet bei null bis 0,25 Prozent.

Die Aktienmärkte reagierten weitgehend unbeeindruckt auf den Text zur Sitzung des Offenmarktausschusses, da er kaum Neues bot. "Die Fed verschafft sich weiterhin maximale Flexibilität bei ihrer lockeren Geldpolitik", sagte Ökonom Joseph Trevisani von Worldwidemarkets. Wenn die Fed tatsächlich den Fuß vom Gas nehmen sollte, werde Bernanke dies persönlich bekanntgegeben.

Die nächste Gelegenheit bietet sich am 18. September, wenn der Fed-Chef den Zinsbeschluss wieder vor der Presse erläutert. Der Chef der Allianz -Tochter Pimco, Mohamed El-Erian, hofft, dass Bernanke dann zumindest mehr darüber sagt, wann und wie der Einstieg in den Ausstieg kommt. "Es ist verständlich, dass die Fed noch abwartet, da die erste Erwähnung des Themas am Markt zu Turbulenzen geführt hatte."

Dabei lief die US-Wirtschaft zuletzt besser. Das Bruttoinlandsprodukt legte aufs Jahr hochgerechnet im zweiten Quartal um 1,7 Prozent zu und überraschte damit Experten. Zu Jahresbeginn waren es nur 1,1 Prozent. Die Fed, die auch Vollbeschäftigung fördern soll, darf zumindest auf eine weitere Besserung am Jobmarkt hoffen. Der Umfrage der privaten Arbeitsvermittlung ADP zufolge lag das Stellenplus der US-Firmen im Juli bei 200.000. Der am Freitag anstehende offizielle Arbeitsmarktbericht, der auch den öffentlichen Dienst umfasst, dürfte ebenfalls einen Hoffnungsschimmer bieten: Experten rechnen mit 184.000 neuen Stellen. Die Arbeitslosenquote soll auf 7,5 Prozent sinken.

Doch Bernanke hatte jüngst im Kongress klargemacht, das der Arbeitsmarkt noch lange nicht über den Berg ist. Die Quote muss demnach erst auf etwa sieben Prozent fallen, bevor die Fed ihre Anleihenkäufe zur Stützung der Wirtschaft beenden kann. Das bedeutet aber nicht, dass dann auch die Leitzinsen wieder steigen. Hier hatte sich Fed festgelegt, dass der Leitzins so lange bei null bis 0,25 Prozent bleibt, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. Händler rechnen mittlerweile nicht vor Anfang 2015 mit einer Zinserhöhung.

  • rtr
  • dpa
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9 Kommentare zu "Lockere Geldpolitik: Fed setzt Anleihekäufe fort"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • ..Was zum Teufel macht Hypo Real Estate in Detroit....

    Weil Tante Erna und unser so geschätzter Onkel Albert Kapitalböcke schossen und weitreichende Entscheidungen treffen, achten Sie mal auf die baldige Blase Bankgeschäfte Hype Alpe Adria und Konsorten Raum Südeuropa. Ähnliche Dimension. Holla die Waldfee.

    Barroso-Capitano sowie El Presidente der "EU-Parlamentengang" Martin Schulz üben sich schon im stillen Gebet. Die tauchen schlichtweg krisenmässig ab.

  • @ BudEkins

    Habe die Zahlen bezüglich der Verschuldung zusammen:

    Monatlich zwischen 40-45 Mrd. US-Dollar Handelsbilanzdefizit.

    Monatlich 85 Mrd. US-Dollar über Ausgabe neuer Anleihen.

    Das sind jährlich mindestens 1540 Mrd. US-Dollar Neuverschuldung.

    Da sind mehr als 9% der Wirtschaftsleistung.
    D.h. die Amis verschulden sich derzeit mit fast 400% bezogen auf das Wirtschaftswachstum.

    Die Verschuldung der Bundesstaaten ist hier gar nicht berücksichtigt. Sollte es aber! Siehe z.B. die Stadt Detroit/Bundesstaat Michigan.

    http://www.format.at/articles/1329/931/363137_s1/detroit

    "In Deutschland ist nach einem Bericht des "Handelsblatts" die Bad Bank der kollabierten Hypo Real Estate von der Pleite Detroits betroffen. Die FMS Wertmanagement halte Anleihen der Stadt in Höhe von 200 Millionen Dollar, teilte deren Sprecher mit."

    Und was zum Teufel macht die Hypo Real Estate in Detroit ???

  • Das FED betreibt diese riskante Expansionsgeldpolitik nunmehr seit rund 5 Jahren; die Erfolge bezüglich des BIP sind jedenfalls nicht sonderlich hoch, hinsichtlich des Arbeitsmarktes sogar unbefriedigend. Mittlerweile sollte nun auch endlich Bernanke erkennen, daß seine Methode nicht zu den Erfolgen führt, die man den Amerikanern andauernd verspricht.

    Wie wäre es, wenn Obama und Bernanke sich endlich etwas anderes einfallen lasen?


  • Sie beschreiben die US Situation sehr treffend.
    HB Redakteure ist in der Tat zu empfehlen, kritischen US Stimmen ein Ohr abzuzüsseln.
    Ansonsten rumpelt HB erneut wie 2007 in die nächste Krise. Seinerzeit war ja nur eine englische Wochenzeitschrift frühzeitig auf der Warnseite.

    Dass monatlich tausende Banker-/Anlagedeppen an Bernankes Lippen hängen, ist mir pers. unverständlich, jedoch mit Schafstrieben leicht erklärbar..

    Man möge nur ungedeckte US Pensionslasten bzw. Mittelbeschaffung US Städte näher betrachten.
    Oder die eigentliche US-Industrieproduktion lupenhaft analysieren.

    "Autoverkäufe und Bretterhuetten" als wesentlicher Stabilisator der US Pimp-Wirtschaft.

  • Jeder Depp in Deutschland, der irgendwas über Wirtschaft studiert, bekommt im ersten Semester in VWL beigebracht:

    Wenn man einen 1 € in die Wirtschaft pumpt, wird daraus (wegen der geometrischen Reihe) Pi mal Daumen eine Wirtschaftsleistung von 3 € in 10 Jahren generiert (Liquiditätsfalle wird ausgeschlossen - im aktuellen Fall ist es aber trotzdem irrelevant, denn es geht letztendlich um die Verschuldung bzw. um die Zinsen, die gezahlt werden müssen).

    Habe nun mal nachgerechnet und komme zu dem Ergebnis, dass das Wirtschaftswachstum der Amis, entsprechend der obigen Faustformel, bestenfalls bei 0,0% bzw. eher im negativen Bereich liegen würde, würden die sich nicht so unglaublich verschulden.

    Dass Bernanke was für die Konjunktur tut, das ist ein Witz. Denn die US-Infrastruktur zerfällt. Der Bernanke tut bestenfalls etwas, um den Staatsbankrott zu beschleunigen.
    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Der Chef der US-Notenbank gibt Monat für Monat weiter 85 Milliarden Dollar für die Besserung der Konjunktur."

    Was ist das für ein Wirtschaftsjournalismus ?! Vollkommener Schwachsinn der vorne und hinten nicht stimmt. Bestenfalls Boulevardjournalismusniveau.

    Richtig muss es heißen:

    "Neben der Auslandsverschuldung, verschulden sich die USA monatlich mit 85 Mrd. US-Dollar zusätzlich bei der US-Zentralbank FED. In den letzten 10 Jahren ist die Staatsverschuldung der USA jährlich mindestens 300% schneller gewachsen als das Wirtschaftswachstum. Wobei die Verschuldung seit 2008 fast verdoppelt wurde. Wird die US-Staatsverschuldung in solchem Ausmaß weiter betrieben, werden die USA in 5 Jahren mit 200% der aktuellen Wirtschaftsleistung verschuldet sein. Es zeichnet sich bisher nichts ab, was diesem Szenario entgegen stehen könnte."

    So. Das ist das Mindeste, was ich von einer Wirtschaftszeitung erwarte.

    Wenn Ihr dann noch die Studie von Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart erwähnt und auf obigen Sachverhalt eine entsprechende Schlussfolgerung ableitet, dann würde ich anfangen zu überlegen, Euer Geschreibsel zu kaufen.

    Denn Schreiberlinge. Überlegt doch mal!
    Wenn man jährlich 1,2 Billionen US-Dollar in die Wirtschaft pumpt und die Wirtschaftsleistung liegt bei 15 Billionen US-Dollar. Würden die 1,2 Billionen US-Dollar ganz ankommen, um wie viel würde die Wirtschaftsleistung wachsen ?

    Um 8% pro Jahr.
    Wie viel sind es tatsächlich ? 2,5% pro Jahr.
    D.h. gut 1 Billion US-Dollar verschwindet jährlich im Nirvana. Aber die Zinsen werden trotzdem fällig.
    Wisst Ihr was das bedeutet ?

    Bei solch einem "Konjukturmotor" wird die Staatspleite nicht mehr lange auf sich warten lassen.

    Wenn die Arbeitslosenquote jährlich um 0,5% fällt, dann steigt sie real jährlich um 2%, wenn so viel Kohle verpulvert werden muss, um die paar Arbeitsplätze zu schaffen.

  • Die Zeiten des Wirtschaftsbooms sind vorbei. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. BERNANKE kann froh sein, wenn er die Abeislosigkeit stabilisiert. In Europa wird sich die Wirtschaft auf einen gemässigten Kurs einstellen (Deutschland, Niederlande,Finnland....) während sie in Südeuropa durch den durch die FED verursachten starken EURO untergehen wird, was immense Spannungen innerhalb der EU verursachen wird.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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