Mario Draghi
Der Unverstandene

Mario Draghi wird 70 Jahre alt. Für viele Europäer gilt der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) als Retter der Euro-Zone. In Deutschland dagegen ist seine Politik extrem umstritten. Das hat verschiedene Gründe.
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Frankfurt/MainEr wohnt in Frankfurt und ist hier doch nicht zu Hause: Mario Draghi und die Deutschen führen keine Liebesbeziehung. Während er in weiten Teilen Europas hoch geschätzt wird, hat der Präsident der Europäischen Zentralbank in Deutschland ein Image-Problem. Das schwierige Verhältnis zwischen Draghi und den Deutschen hängt mit weit verbreiteten Missverständnissen zusammen, aber auch mit der Persönlichkeit Draghis und seinen Stärken und Schwächen.

Wer verstehen will, wie schwer sich Draghi und die Deutschen tun, muss die Geschichte mit der Pickelhaube kennen. Als Draghi vor sechs Jahren den Franzosen Jean-Claude Trichet als EZB-Chef ablöst, kocht der deutsche Boulevard. "Ausgerechnet ein Italiener," schreibt die "Bild"-Zeitung - und fasst so in Worte, was viele denken. Um Draghi an preußische Sparsamkeit zu erinnern, schenkt ihm die Zeitung eine "original-preußische Pickelhaube von 1871". Dabei ist diese in vielen Ländern Europas vor allem ein Symbol dafür, wie deutscher Militarismus Tränen und Angst über den Kontinent brachte.

Der Notenbankchef nimmt das Geschenk an - dabei führt er die Zentralbank aller Euro-Staaten und kein Regiment der preußischen Armee. Die Quittung lässt nicht lange auf sich warten. Als Draghi später mit dem massiven Kauf von Staatsanleihen liebäugelt, um ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu verhindern, fordert die "Bild" von Draghi: "Kein deutsches Geld mehr für Pleitestaaten" - sonst wolle man "die Pickelhaube zurück".

Die Vorwürfe gegen Draghi sind vielschichtig und beruhen oft auf Missverständnissen. Zu Beginn seiner Amtszeit heißt es, Draghi würde eine große Inflation auslösen. „Mamma mia, bei den Italienern gehört Inflation zum Leben wie Tomatensoße zur Pasta!“, schreibt zum Beispiel die Bild-Zeitung.

Tatsächlich war die Inflation in Deutschland selbst zu Bundesbank Zeiten nie länger so niedrig wie in der Amtszeit von Mario Draghi. Die meisten internationalen Ökonomen würden sich sogar wünschen, dass die Preise im Euroraum stärker steigen würden.

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