Mario Draghi und die Zinsen
Die Preise stürzen ab – was macht die EZB?

Die Preise in der Euro-Zone sind im Februar überraschend gefallen. Damit sind die bisherigen Inflationsprognosen der Europäischen Zentralbank Makulatur. Eine weitere geldpolitische Lockerung im März ist wahrscheinlich.
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Frankfurt am MainJens Weidmann hat es schon vorausgeahnt. „Gerade in der ersten Jahreshälfte sind vorübergehend auch wieder Inflationsraten unter Null denkbar“, sagte der Bundesbank-Chef in der vergangenen Woche. Wie schnell sich diese Vorhersage nun erfüllt hat, kam für die meisten Experten dann doch überraschend.

Denn bereits im Februar sind die Preise in der Euro-Zone überraschend gefallen. Sie sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent, wie das Europäische Statistikamt am Montag auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. „Das Inflationsbild der EZB zerbröselt,“ sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Im März stellt die EZB neue Inflationsprognosen vor und will ihre Geldpolitik auf den Prüfstand stellen. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von knapp zwei Prozent an. Senkt die Notenbank ihre Prognosen deutlich, ist eine Lockerung der Geldpolitik sehr wahrscheinlich.

Dafür spricht derzeit viel. Insbesondere der Ölpreisverfall sorgt dafür, dass die Lebenshaltungskosten sinken: Energie verbilligte sich im Februar binnen Jahresfrist um 8,0 Prozent. Doch der Preisverfall beschränkt sich nicht nur auf Energie. Im Februar ist beispielsweise auch die um Energie bereinigte Kernrate nur noch um 0,7 Prozent gestiegen. „Es ist zunehmend unwahrscheinlich, dass die Kerninflation – wie von der EZB erhofft – im Durchschnitt dieses Jahres auf 1,3 Prozent steigt“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer.

Die Frage scheint daher weniger, ob die Geldpolitik gelockert wird als vielmehr wie. Als wahrscheinlich gilt eine Senkung des Einlagenzinses. Dieser liegt schon jetzt bei minus 0,3 Prozent. Das bedeutet: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, müssen eine höhere Strafe zahlen. Das soll sie dazu bewegen, überschüssige Liquidität für neue Kredite zu nutzen, statt sie bei der EZB zu lagern.

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  • Die Preise stürzen ab!!!

    Nicht die des Verbraucherpreisindex (VPI), sondern die Importpreise!
    Destatis gab heute bekannt, dass die Importpreise, gemessen am Krisenjahr 2010 gleich 100 Prozent, auf 96,4 Prozent gesunken , Die Exportpreise sind jedoch gestiegen.

    Dabei haben Erdöl - 30,3 %, Mineraölölerzeugnisse - 23,9 % und Erdgas - 23,4 %
    Preisverfall gezeigt. Sogar Steinkohle ist um - 15,5 % gefallen.
    Metalle : Eisenerz - 30,8 %; Nichteisenmetallerze - 15,4 %; Roheisen und Stahl - 13,8 %; Nickel - 34,9%; Aluminium - 21,8%; Kupfer -16,4 %. Sogar Strom ist, entgegen allem Geschrei, um 4,8 Prozent billiger geworden.
    Was bedeuten diese Preissenkungen für die deutschen Unternehmen, für deutsche Bürger und den deutschen Gesamtstaat? Spart der Bundeshazushalt? Krankenkassen, Polizei, Bundeswehr, ÖPNV, Müllabfuhr, Schulen, Kitas usw.?
    Was will die EZB gegen diesen Preisverfall in Euro des Eurolandes unternehmen? Will sie den Dollar schwächen und den Yen stärken?
    Währungskrieg gegen Preisverfall? Was lehrt denn die Volkswirtschaftlehre der Nobelgedächtnispreisträger? Muss man tatsächlich über 100 ahre zudück schauen, um eine Antwort zu finden? Ist wirklich alles neu oder alles schon mal da gewesen?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Über FED zu GOLDMAN SACHS. Dann in die Social Surviliance Stocks wie Facebook und Google und Apple.

    Dann spenden diese MILLIARDEN zurück an die Stiftungen der Reichen. Clinton, Buffet Soros und Gates.

    Schande ist das !!!

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