Mario Draghi
„Wir sind bereit, im Juni zu handeln“

Der starke Euro sei Anlass für „schwerwiegende Besorgnis“, sagt EZB-Chef Draghi – und bereitet die Märkte auf eine weitere Aktion im Juni vor. Denkbar seien etwa großangelegte Wertpapierkäufe.
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Die EZB fühlt sich zunehmend unwohl mit dem starken Euro. Der Anstieg des Wechselkurses sei im Zusammenhang mit der geringen Inflation ein Grund zu schwerwiegender Besorgnis, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag nach der auswärtigen EZB-Ratssitzung in Brüssel. Der Rat habe über das Thema gesprochen. Draghi wandte sich zugleich gegen eine französische Forderung nach einer aktiven Steuerung des Euro-Wechselkurses. "Wir sind unabhängig", betonte der Italiener. Es könne die Glaubwürdigkeit der EZB untergraben, wenn die Unabhängigkeit gefährdet sei. Die EZB habe kein Wechselkursziel.

„Der EZB-Rat ist uneingeschränkt bereit, im Kampf gegen eine zu lange Phase niedriger Inflation auch unkonventionelle Instrumente einzusetzen“, sagte Draghi. Denkbar seien etwa großangelegte Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen. Wenn nötig, könne die EZB ihre Geldpolitik schnell lockern. Im Juni legt die EZB neue Schätzungen zur langfristigen Entwicklung der Inflation im Euroraum vor. Der EZB-Rat sei „bereit beim nächsten Mal zu handeln,“ falls nötig, so Draghi.

Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, sieht dies aber noch nicht als Vorentscheidung für Anleihekäufe. „Ein massiver Ankauf von Staatsanleihen ist unwahrscheinlich,“ sagt Schmieding. Bei kleinen Anpassungen der Inflationsprognose seien derartige Notmaßnahmen unwahrscheinlich. Dafür müsse es schon einen starken Einbruch der Stimmungsindikatoren in der Eurozone geben.

Der Kurs des Euro war in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen und liegt derzeit bei rund 1,39 Dollar. Die EZB sieht die Aufwertung mit Sorge, weil dies nicht nur die Exporteure belastet, sondern auch über sinkende Importpreise das Preisniveau niedrig hält. Denn die Inflation ist mit zuletzt 0,7 Prozent viel zu niedrig für den Geschmack der Notenbanker.

Versuche Draghis und anderer Zentralbanker, die Euro-Stärke verbal zu stoppen, waren zuletzt nicht erfolgreich. Der neue französische Regierungschef Manuel Valls hatte die EZB jüngst dazu aufgefordert, den Euro-Höhenflug mit den Mitteln der Geldpolitik zu dämpfen. Die Bundesregierung lehnt dies ab.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mario Draghi: „Wir sind bereit, im Juni zu handeln“"

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  • Ich bin mir nich nicht sicher, warum sich die Medien nach jeder Pressekonferenz einlullen lassen. Die EZB hat gar nichts gesagt. Kein einziges konkretes Wort. Bisher handelt sich nur um Phrasen und Absichten. Es lohnt sich gar nicht darüber zu diskutieren.

    das passt: http://www.start-trading.de/2014/05/09/ezb-herr-draghi-erzaehlt-maerchen/

  • Eine gemeinsame Währung mit Ländern unterschiedlcher Wirtschaftsstärken ist nicht möglich! Entweder ein grosses Europa (ich bin aus verschiedenen Gründen dagegen) oder es muss möglich sein das Krisenländer die EU Zone verlassen.
    Es geht NICHT anders. Selbstverständlich müssten sie abwerten können. Warum der Euro so stark ist habe ich erklärt.
    Alleine die Target II Salden die nicht beglichen werden ist Hohn Spott an der Deutschen Bevölkerung.
    Nur leider ist das Deutsche Volk desinteressiert nd das weiss Merkel nur zu genau. Deshalb kann sie schalten und walten wie sie will, ohne Widerstand aus der Bevölkerung.

  • Auch für Deutschland ist der Euro zurzeit zu stark.
    Logisch wenn mann jetzt nach Asien verkaufen geht.
    Daher regen sich auch so gut wie ALLE
    deutschen grossen Konzerne über den starken Euro auf.

    "Die anderen Länder müssten abwerten können um ihre Produkte
    wieder im Ausland verkaufen zu können."

    Das ist kompletter Schwachsinn den fast alle EU-Länder würden
    von einem schwächeren Euro im Verhältniss zum USD profitieren.
    Und man kann im Zweifel auch immer noch den Preis ändern.

    Die Währung ist nur ein weiterer Faktor zur Preisbildung der
    eben der sogenannten Geldpolitik unterworfen ist.

    Die meisten Industrieländer könnten mit der gleichen
    Währung bezahlen und das werden sie vermutlich auch in
    Zukunft verstärkt machen.

    Es war zu erwarten das 0,25% p.a. Leitzinsen nicht reichen
    werden um die Inflation wieder in die Höhe zu treiben.
    Die Märkte wollen das was die Fed getan hat eben neues
    Geld für Anleihen. Zumal so selektiver etwas getan werden
    kann um für mehr Liquidität zu sorgen. Und somit die
    Investitionsbremse zulockern.

    Die die jetzt wieder sagen: "Ich habe negative Realzinsen."
    Haben 1. keine Ahnung von der Geldanlage und sind 2.
    einmal bei der falschen Bank Kunde.

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