Medienbericht
Draghi fordert Nachbesserungen bei der Bankenunion

Im Interview mit der „Neuen Züricher Zeitung“ kritisiert EZB-Chef Draghi die Beschlüsse zur europäischen Bankenunion. Änderungen fordert er beim geplanten Abwicklungsfonds für Banken.
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EZB-Chef Mario Draghi fordert Nachbesserungen beim geplanten gemeinsamen Abwicklungsfonds für Banken in der Eurozone. „Der jetzige Vorschlag muss in den kommenden Wochen weiterentwickelt werden“, sagte Draghi im Interview mit der Neuen Züricher Zeitung. Die Euro-Finanzminister hatten sich im Dezember auf die Einführung eines Abwicklungsfonds von 55 Mrd. Euro über die nächsten zehn Jahre verständigt, der von der Finanzbranche finanziert werden soll. „Es dauert zehn Jahre, bis der gemeinsame Abwicklungsfonds gefüllt ist, das ist natürlich zu lang“, kritisierte Draghi.

Gleichzeitig sieht der EZB-Chef jedoch „enorme Fortschritte“ bei der Bankenregulierung. „In Europa ist allein in den vergangenen drei Jahren etwa eine halbe Billion Euro an zusätzlichem Kapital in den Bankensektor geflossen, die Hälfte davon aus privaten Quellen.“ Auch damit allerdings sei die Gefahr einer neuerlichen Bankenkrise nicht gebannt.

Im November übernimmt die EZB die Oberaufsicht über alle 6000 Banken in der Euro-Zone. Zuvor will sie die europäischen Großbanken einem Stresstest unterziehen. Die Ergebnisse von Bilanzprüfung und Stresstest sollen im Oktober veröffentlicht werden. Von ihnen hängt ab, ob bestimmte Banken in der Eurozone rekapitalisiert werden müssen.

Falls dies nötig wird, sieht Draghi im Notfall die Regierungen und Steuerzahler in der Pflicht einzuspringen. Die Regierungen hätten sich dazu verpflichtet, sagte Draghi der NZZ. Zudem gebe es inzwischen Regeln, um auch die Gläubiger der Banken stärker heranzuziehen.

Neue Risiken durch den Stresstest bei den Banken sieht Draghi hingegen nicht. „Falls es in Europas Bankensektor Probleme gibt, sind sie da, egal, ob wir sie aufdecken oder nicht.“ Generell sei im Finanzsystem Licht immer besser als Dunkelheit. Nur durch die Aufdeckung von Schwächen im Bankensektor könnten Maßnahmen zu deren Behebung ergriffen werden.

In Deutschland gibt es neben den großen Instituten wie der Deutschen Bank oder der Commerzbank zahlreiche Geldhäuser, die „anders“ sind. In diesem Dossier finden Sie die Geschichten dazu – von der ältesten Bank, der Fugger Bank, die 1486 gegründet worden ist, bis zur kleinsten Bank, die von nur einem Mitarbeiter betrieben wird. 


Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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