Medienbericht EZB prüft Anleihekäufe von einer Billion Euro im Jahr

In einem Modell hat die EZB die Effekte von Wertpapierkäufen von einer Billion Euro im Jahr berechnen lassen. Der EZB-Rat soll auf der Sitzung am Donnerstag aber noch nicht über Details möglicher Käufe gesprochen haben.
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EZB-Chef Mario Draghi. Quelle: dpa

EZB-Chef Mario Draghi.

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Zur Abwehr von Deflationsgefahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) einen Wertpapier-Ankauf im großen Stil offenbar bereits konkret durchgespielt. Dafür wurde laut Vorabbericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagausgabe) ein Kaufvolumen von einer Billion Euro veranschlagt, das innerhalb eines Jahres im Kampf gegen eine gefährlich abflauende Inflationsrate eingesetzt würde.

Die Überlegungen führten demnach zu sehr unterschiedlichen Resultaten. Im schwächsten Szenario habe die Krisenmaßnahme die Inflationsrate nur um 0,2 Prozentpunkte erhöht. Eine andere Simulation komme hingegen auf ein Anheizen der Teuerung um 0,8 Prozentpunkte. Die Europäische Zentralbank (EZB) lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Die Teuerung in den Euro-Ländern war zuletzt auf 0,5 Prozent gefallen und lag damit weit unter dem Ziel der EZB von knapp zwei Prozent. Auf breiter Front fallende Preise gelten als besonders gefährlich, weil eine solche Deflationsspirale die Konjunktur abwürgen kann.

Wenn Firmen und Haushalte auf weiter sinkende Preise spekulieren, konsumieren und investieren sie immer weniger. EZB-Chef Mario Draghi hatte jedoch nach der jüngsten Zinssitzung betont, der Euroraum stehe nicht am Rande einer Deflation.

Dennoch bestehe kein Grund zur Sorglosigkeit. Die EZB könne sich bei Bedarf mit unkonventionellen Maßnahmen gegen eine zu lange Phase niedriger Inflation wappnen. Dazu gehöre auch ein Wertpapier-Kaufprogramm. Mit entsprechenden Instrumenten hatten bereits die Notenbanken der USA, Japans und Großbritanniens gearbeitet.

Der EZB-Rat hat laut Notenbank-Vizepräsident Vitor Constancio bei seinem jüngsten Treffen noch keine Details eines möglichen umfangreichen Wertpapierkaufprogramms diskutiert. „Dafür war das Umfeld nicht entsprechend“, sagte Constancio dem Fernsehsender CNBC.

Es sei am Donnerstag nicht über die Frage gesprochen worden, ob die EZB Staatsanleihen oder private Schuldtitel kaufen könnte. Vielmehr sei es vor allem darum gegangen, einen grundsätzlichen Konsens unter den Mitgliedern des Rats herzustellen, dass Wertpapierkäufe – im Fachjargon Quantitative Easing genannt – als Mittel im Kampf gegen eine drohende Deflation in der Euro-Zone eingesetzt werden könnten. „Diese Einigkeit herzustellen war sehr wichtig“, sagte Constancio.

Entscheidende Frage: Wie entwickelt sich die Teuerung?
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  • 3% p.a. mit Aktien in den letzen Jahren? Ich kann ja nichts dafür, wenn Sie Commerzbank und Solarworld im Depot haben. Kleiner Zonk...

  • @herrkkon Gold und Silber zu kaufen, war eine sehr gute Idee. Seit 2003 ist der Goldpreis von 300 USD pro Unze auf 1'300 USD pro Unze gestiegen. Es hat die Aktien und Anleihemärkte ganz klar geschlagen. 300% Gewinn in 10 Jahren. Hut ab, da kann der Goldanleger nicht meckern.

  • Deutschland gehört nicht in den Euro. Der Rest ist doch schlecht.

  • @deltaone Argumentieren Sie doch bitte. Entkräften Sie die Argumente mit Gegenargumenten, wenn sie es können. Anstatt den Bordteilnehmern zu suggerieren, dass sie Nettorenditen oberhalb von 5% erwirtschaften. Oder haben sie vor 10 Jahren etwa Gold gekauft. Denn mit Aktien haben sie in den letzten Jahren bestenfalls 3% pro Jahr erzielen können.

  • "Deflation ist nichts Schlechtes. Deflation ist gut.Man kann sich dann für dasselbe Einkommen mehr Waren und Dienstleistungen kaufen."

    Als BeamterInn (LehrerInn, ParteimitgliedInn der Grünen z.B.) mit Festgehalt und Unkündbarkeit freut man sich mit Sicherheit über deflationäre Zeiten.

  • Für Deutschland besteht kein Handlungsbedarf. Man sagt, dass in der EU die Wirtschaft langsam anzieht. In Wirklichkeit ist die Lage in Frankreich, Italien,Spanien usw. desolat: Arbeitslosigkeit nimmt immer zu (nicht zu reden von der Jugendarbeitslosigkeit), die Kompetitivität dieser Länder ist schlecht. Der EURO ist für diese Länder zu stark, meine Herren. Früher gab es für die Währungen dieser Länder Abwertungen. Wann begreifen verschiedene Dickköpfe das nicht? Oder will man das nicht begreifen? Austerität und landesinnere Abwertung (Lohnkürzungen) im Namen des allerwertesten EURO sind die Lösungen nicht. Verschiedene Länder gehören einfach nicht in den EURO. Basta! Amen.

  • Es geht in meiner Antwort nur um den Saldo und der ist 0
    und nicht Unfug.

  • so ist so langsam jedes versprechen nach Mauerfall und € einführung hinfällig....

  • @deltaone Sie sollten sich und die Notenbanker nicht zu ernst nehmen, zumal das sie nach einer durchdachten Strategie handeln. Die Notenbanker agieren nicht mehr, sie reagieren nur noch. Und zwar einzig mit dem Ziel, dass das Geldsystem nicht zusammenklappt. Was Draghi und Yellen treibt ist das Tagesgeschäft. Sie hangeln sich von einer fehlgeschlagenen Intervention bis zur nächsten. Und das exponentielle Steigen der Staatsschulden in astronomische Höhen verleitet zu immer weiteren Verzweiflungstaten und erratischen Vorgehen. Die Märkte reagieren doch kaum noch auf die Verlautbarungen der Notenbanker. Zinssenkungen? Von 0,25% auf 0,00% Einfach nur noch lachhaft. Okay, drucken wir doch mal eben 1'000'0000'000'000,00 EUR. Der DAX quittiert es mit Steigerungen von 0,7%. Warum? Weil man die Clowns schon nicht mehr ernst nimmt. Und in der Bevölkerung brodelt es. Der politische Widerstand formiert sich in allen europäischen Ländern.

  • Na, beten die Mietnomaden in der Fuggerei auch heute noch täglich für ihren Stifter, den edlen Herrscher ohne kapitalistischen Bezug?

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