Nach Brexit-Entscheidung

Finanzaufsicht warnt vor laxeren Regeln bei Derivaten

Die EU-Finanzmarkaufsicht ESMA warnt vor laxeren Regeln bei Derivategeschäften. Indes befeuert der Brexit eine Diskussion über die Abwicklung von Euro-Geschäften. Diese wurden bis dato meist in London abgewickelt.
Kommentieren
Blick in den Handelssaal der Börse Stuttgart, in der mit Derivaten gehandelt wird. Quelle: dpa
Börse Stuttgart

Blick in den Handelssaal der Börse Stuttgart, in der mit Derivaten gehandelt wird.

(Foto: dpa)

FrankfurtDeutschland und Frankreich sollen nach dem Willen der EU-Finanzmarktaufsicht ESMA im Zuge des Brexit nicht mit laxeren Regeln um Derivategeschäfte aus London buhlen. „Es ist in Ordnung, wenn Finanzzentren mit ihrer Leistungsfähigkeit um Geschäft werben“, sagte ESMA-Chef Steven Maijoor der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag am Rande einer Branchenkonferenz in Frankfurt. Aber sie sollten nicht mit laxen regulatorischen Vorschriften werben. Schließlich müsse die Stabilität des gesamten Finanzmarkts gewährleistet bleiben.

Wegen des Brexit gibt es in der Politik und der Finanzbranche eine Debatte über die Abwicklung von Euro-Geschäften (Clearing), die bisher größtenteils in London stattfindet. Politiker und Finanzmarktaufseher in Deutschland und Frankreich sind der Ansicht, dass das Euro-Clearing nach dem Brexit von London in EU-Staaten verlagert werden muss. Gute Chancen rechnen sich vor allem Frankfurt mit der Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing und Paris mit der LSE-Tochter Clearnet SA aus. Laut LSE-Chef Xavier Rolet hängen vom Euro-Clearing in Großbritannien mindestens 100.000 Arbeitsplätze ab – bei den Banken etwa im Risikomanagement und in der Verwaltung.

Philippe Guillot von der französischen Finanzmarktaufsicht AMF geht davon aus, dass künftig mehr Geschäfte an verschiedenen europäischen Standorten abgewickelt werden. „London war das Modell eines zentralen Dreh- und Angelpunkts“, sagte er auf der Konferenz des Weltbörsenverbands WFE. Künftig werde es mehrere Zentren geben, die eng zusammenarbeiten müssten.

David Wright von der Beratungsgesellschaft Flint Global plädiert dagegen wie viele angelsächsische Finanzmanager für ein Festhalten am Abwicklungs-Zentrum London. Bei einer Fragmentierung in Europa würden die Kosten für alle Beteiligten steigen, warnte der Brite. Zudem würden dann viele Geschäfte in die USA oder nach Asien abwandern. „Dieses Thema ist von enormer Bedeutung.“ Das Euro-Clearing könne allerdings nur in London bleiben, wenn es sich dort auch dem Brexit von der EU-Finanzmarktaufsicht kontrollieren lasse. Vorbild dafür ist aus Sicht von Wright die Abwicklung von Dollar-Geschäften in London, die auch von der US-Aufsichtsbehörde CFTC überwacht wird.

Die attraktivsten Städte für Londoner Banker
Wohin zieht es die Banken nach dem Brexit?
1 von 11

Es werden immer mehr Stimmen laut, dass sowohl englische als auch ausländische Banken Arbeitsplätze nach Paris oder Frankfurt verlagern werden. Doch eine Studie von Movinga zeigt: Für Banker sind die beiden europäischen Metropolen keinesfalls die attraktivsten Städte. Die Online-Umzugsplattform hat anhand verschiedener Kriterien – unter anderem Abgabenhöhe, Englisch-Freundlichkeit, Mieten, Kosten für den Lebensunterhalt und Flugminuten nach London – die lebenswertesten Städte für Londoner Banker zusammengestellt.

Platz 10: Mailand
2 von 11

Die zweitgrößte Stadt Italiens ist für Londoner Banker im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen eher unattraktiv: Das liegt der Studie zufolge vor allem an der 130-minütigen Flugstecke, den hohen Mieten für Top-Wohnungen – fast 3000 Euro im Mittel – und dem geringen Anteil englischsprachiger Bewohner der Stadt.

Platz 9: Paris
3 von 11

Manche Finanzexperten prophezeien zwar, dass die französische Hauptstadt nach dem Brexit zum neuen Finanzzentrum Europas wird. Im Preis-Leistungsverhältnis schneidet Paris aber deutlich schlechter als andere europäische Metropolen ab, was insbesondere an dem enorm hohen Einkommensteuersatz von 49 Prozent und an den horrenden Lebenshaltungskosten liegt. Das obere Mietpreissegment beträgt fast 3.400 Euro im Monat, für die Mitgliedschaft in einem Luxus-Fitnessstudio werden mehr als 100 Euro monatlich fällig und für einen Cocktail am Abend im Mittel zwölf Euro.

Platz 8: Madrid
4 von 11

In der spanischen Hauptstadt müssen Londoner Banker weniger tief ins Portemonnaie greifen. Für eine Top-Wohnung zahlen sie in Madrid etwas mehr als 2.400 Euro, der maximale Einkommensteuersatz beträgt 42 Prozent. Allerdings müssen die Banker bei einer Flugzeit von 155 Minuten mehr als doppelt so viel Zeit einplanen, wenn sie Freunden und Bekannten in der ehemaligen Heimat London einen Besuch abstatten möchten.

Platz 7: Hamburg
5 von 11

Die deutsche Hansestadt könnte für einige Banker aus London zur neuen Heimat werden: Dort sprechen – im Vergleich zu Madrid, Paris und Mailand – laut Untersuchung deutlich mehr Menschen Englisch, die deutsche Metropole ist nur 90 Flugminuten von London entfernt und die durchschnittlichen Mieten für Top-Wohnungen sind vergleichbar mit denen in der spanischen Hauptstadt. Mit fast 48 Prozent ist in Hamburg der maximale Einkommensteuersatz allerdings vergleichsweise hoch.

Platz 6: Frankfurt
6 von 11

Noch lebenswerter für Banker als Hamburg ist Frankfurt. Dennoch schafft es die ohnehin schon weltweit als deutsche Finanzmetropole bekannte Großstadt nicht unter die Top fünf der attraktivsten europäischen Städte für Londoner Banker. Der Grund: hohe Abgaben, hohe Mieten und Lebenshaltungskosten. Für eine Hausreinigung werden schon mal 144 Euro fällig, für eine Mitgliedschaft im Luxus-Fitnessstudio 99 Euro und für einen Cocktail am Abend neun Euro.

Platz 5: Brüssel
7 von 11

Der Hauptsitz der europäischen Politik kann trotz eines hohen Einkommensteuersatzes vor allem mit der Nähe zu London (70 Flugminuten) und vergleichsweise geringen Mieten für Top-Wohnungen punkten. Im Schnitt betragen diese in Brüssel etwa 1.500 Euro monatlich.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Nach Brexit-Entscheidung - Finanzaufsicht warnt vor laxeren Regeln bei Derivaten

0 Kommentare zu "Nach Brexit-Entscheidung: Finanzaufsicht warnt vor laxeren Regeln bei Derivaten"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%