Negativzinsen
EZB-Direktor streitet mit Deutsche-Bank-Chef Cryan

Die Niedrigzinsen im Euro-Raum helfen den Banken mehr als sie schaden, sagt EZB-Direktor Benoit Coeuré. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hält dagegen und warnt vor den Folgen für die Finanzbranche.
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FrankfurtIn Frankfurt prallten heute zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Direktor Benoit Coeuré – auf der anderen die Banken, vertreten durch Deutsche-Bank-Chef John Cryan.

Beide kommen zu höchst unterschiedlichen Urteilen, wenn es um die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB auf die Banken geht. „Wir müssen die Aussage korrigieren, dass die Probleme der Banken vor allem mit der Geldpolitik zu tun haben“, sagte Coeuré. Die extrem niedrigen Zinsen seien durch das verhaltene Wachstum und die Inflation gerechtfertigt. Im Februar waren die Preise in der Euro-Zone nach erster Schätzung um 0,2 Prozent gefallen.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan dagegen warnte: „Wenn die Zinsen negativer werden, dann werden die Verluste [für die Banken] größer.“ Die Finanzinstitute könnten die Verluste jedoch nicht länger tragen. Er sage dies bewusst in Richtung von Coeuré .    

Der Streit auf dem Finanztag der „Süddeutschen Zeitung“ in Frankfurt kommt zu einem pikanten Zeitpunkt. In der kommenden Woche berät der Rat der EZB über eine Anpassung der Geldpolitik. Eine weitere Lockerung gilt dabei als wahrscheinlich. Mögliche Optionen sind: Eine Senkung des Einlagenzinses oder eine Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe der Notenbank.

Schon jetzt liegt der Einlagenzins im Euro-Raum bei minus 0,3 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der Notenbank parken wollen, müssen dafür eine Strafe zahlen. Das sorgt in der Branche für heftige Kritik. Die EZB will mit dem negativen Einlagenzins die Geldhäuser dazu animieren, ihre überschüssige Liquidität für die Kreditvergabe zu verwenden, statt sie bei der Notenbank zu parken.

Das soll die Effektivität ihres Anleihekaufprogramms verbessern. Aktuell kauft die EZB jeden Monat für 60 Milliarden Euro hauptsächlich Staatsanleihen der Euro-Länder. Das dadurch geschaffene Geld landet jedoch hauptsächlich wieder bei der Notenbank, weil die Banken es dort parken.     

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EZB-Direktor streitet mit Deutsche-Bank-Chef Cryan

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Banken könnten Kosten weiterreichen

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  • Coeuré ist ein falscher Fuffziger. Er weiss nur zu genau, daß die Kreditnachfrage viel zu gering ist, als das die Massen an ständig frischen Kapital von den Banken in der realen Wirtschaft untergebracht werden können. Und wo sollen die sonst hin damit, denn Geschäfte auf eigene Rechnung dürfen sie ja nicht mehr betreiben. Coeuré übertüncht mit seiner Aussage nur die Hilflosigkeit der EZB - die andererseits allerdings damit die Südstaaten in der WU mit billigem Geld versorgt. Staatsfinanzierung ist der EZB aber verboten.

  • Sie weist zum Jahresende 2013 ein Volksvermögen von 12,6 Billionen Euro aus – ein neuer Rekord. Gegenüber dem Ausland bestand eine Nettogläubigersituation (Forderungen minus Verbindlichkeiten) von 876 Milliarden Euro – mehr als jemals zuvor in diesem Jahrhundert. Die privaten Haushalte besitzen ein Reinvermögen von 9,7 Billionen Euro.

  • @Rainer von Horn - die momentane preisstabilität ist ein vorteil für den verbraucher und nicht nur für den unternehmer. was nützen hohe einnahmen dem verbraucher oder sparer wenn dies durch die inflationsrate (preissteigerung) wieder zunichte gemacht wird. unser problem sind die enorm hohen staatsschulden in den händen weniger. die umverteilung von einkommen und vermögen stimmt in diesem land nicht mehr und nicht nur in diesem land. dabei haben alle parteien versagt. die grünen ganz besonders. bei dem personal bei den grünen kann an auch nichts anderes erwarten. die roten und die schwarezne haben die bevölkerung über ihr tun ja nie im unklaren gelassen und wurden trotz alledem gewählt. insofern ist der bürger nicht ganz unschuldig an dem ganzen desaster. politik wird von politikern gemacht. auch schlechte politik. leider.

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