Neue Kredite von der EZB

Banken bekommen Geld zum Nulltarif

Die Europäische Zentralbank will Geldinstitute dazu bewegen, Unternehmen mehr Kredite zu geben. Ab Freitag können Banken deshalb zinslose Langfristdarlehen abrufen. Für die Eifrigsten gibt es sogar noch ein Sahnehäubchen.
Am Freitag startet die Zuteilung der ersten von vier EZB Kreditlinien für Geschäftsbanken. Quelle: dpa
500-Euro-Scheine

Am Freitag startet die Zuteilung der ersten von vier EZB Kreditlinien für Geschäftsbanken.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat den Startschuss für eine Serie von supergünstigen Langfristkrediten für Geschäftsbanken gegeben. Die Währungshüter kündigten am Mittwoch in Frankfurt die erste von vier derartigen Kreditlinien (TLTRO II) an und luden Institute zu Geboten ein.

Die dicken Geldsalven sind Teil des im März beschlossenen umfassenden Maßnahmenbündels, mit dem die EZB unter anderem die Kreditvergabe im Währungsraum anheizen will. Geschäftsbanken erhalten die neuen Darlehen zum Nulltarif: Denn bei ihnen wird der Leitzins veranschlagt und der liegt derzeit bei 0,0 Prozent.

Zudem winkt den Instituten eine Prämie von bis zu 0,4 Prozent, wenn sie nachweislich mehr Darlehen an die Wirtschaft ausreichen. Die Zuteilung dieses ersten neuen vierjährigen Langfristgeschäfts ist für Freitag geplant, die Abwicklung dann kommenden Mittwoch.

Laut früheren Angaben von Insidern stellt sich die EZB darauf ein, dass die Institute vor allem die mehr als 420 Milliarden Euro an ausstehenden Krediten aus einem Vorgänger-Programm (TLTRO I) in die neuen, noch günstigeren Darlehen umtauschen werden. Darüber hinaus würden wahrscheinlich nur mehrere zehn Milliarden Euro an neuen Geldern abgefragt.

Banken hatte bei der ersten großen Geldspritze im Vorgänger-Programm im September 2014 rund 83 Milliarden Euro abgerufen.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

  • rtr
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