Notenbank
EZB vor personellem Umbruch

Nach dem Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark beginnt das Gerangel um seine Nachfolge. Deutschland beansprucht den Posten.

Deutschland hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Probleme, geeignete Kandidaten für internationale Spitzenpositionen vorzuschlagen. Jüngstes Beispiel ist im August die Besetzung des Chefsessels beim Internationalen Währungsfonds (IWF) durch die französische Finanzministerin Christine Lagarde, als ihr Vorgänger Dominique Strauss-Kahn wegen mutmaßlichen sexuellen Fehlverhaltens über Nacht abdanken musste. Eine deutsche Alternative wurde gar nicht in Erwägung gezogen.

In der Europäischen Zentralbank (EZB) scheiterte im Frühjahr die Kandidatur von Bundesbankpräsident Axel Weber für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der Ende Oktober aus seinem Amt ausscheidet. Weber sah sich nicht mehr auf Linie mit den Ankäufen der EZB von Staatsanleihen. Mangels Unterstützung durch die deutsche Regierung sagte er in letzter Minute ab. Der lachende Dritte war der italienische Notenbank-Gouverneur Mario Draghi, der Trichet Anfang November ablöst.

Frankreich wartet mit den besten Kandidaten auf.

Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass Frankreich die besseren Kandidaten offerieren konnte. So steht an der Spitze der Welthandelsorganisation der Franzose Pascal Lamy. Sein Landsmann Michel Barnier ist seit Anfang vorigen Jahres EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, und seit Sommer 2010 ist Christophe Frankel Finanzvorstand des europäischen Rettungsfonds EFSF - ebenfalls ein Franzose.

Und Frankreich kämpft für eine angemessene französische Repräsentanz. Unvergessen ist jener Sonntag Anfang Mai 1998, als der Niederländer Wim Duisenberg nur deswegen der erste EZB-Präsident werden durfte, weil er sich verpflichtete, vorzeitig zugunsten von Trichet abzudanken.

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