Notenbank Fed

Bernanke stellt Ende der Geldflut in Aussicht

Die Fed hält an ihrer lockeren Geldpolitik fest und will weiterhin 85 Milliarden Dollar pro Monat in den Markt pumpen. Fed-Chef Bernanke deutet jedoch klarer als sonst einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik an.
Update: 19.06.2013 - 22:47 Uhr 34 Kommentare

US-Notenbank pumpt weiter Geld in Märkte

WashingtonNun hat das Rätselraten ein Ende: Die US-Notenbank bleibt bei einer lockeren Geldpolitik - jedenfalls vorerst. Der Leitzins bleibt bei 0 bis 0,25 Prozent, die Ankäufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren in Höhe von insgesamt 85 Milliarden Dollar pro Monat gehen weiter. Notenbank-Chef Ben Bernanke bemühte sich in seiner Rede, seine Politik noch einmal zu erklären. Und dabei fielen ihm vor allem Formulierungen ein, die darauf hindeuteten, dass es zunächst einmal so weiter geht. Oder dass es zumindest keinen abrupten Kurswechsel geben wird.

So sagte er: „Wenn es angebracht ist, werden wir nicht bremsen, sondern den Fuß vom Gas nehmen.“ Außerdem betont er mehrfach: „Wenn bestimmte Ziele, etwa auf dem Arbeitsmarkt, erreicht sind, heißt das nicht automatisch, dass wir die Geldpolitik verschärfen.“ Die Arbeitslosigkeit in den USA etwa hat sich zwar verringert und liegt zurzeit bei 7,6 Prozent, die Notenbank hält aber erst einen Wert von 6,5 Prozent für akzeptabel.

"Die meisten Mitglieder im Ausschuss - dem FOMC - halten Vollbeschäftigung bei Werten zwischen fünf und sechs Prozent für gewährleistet. Die 6,5 Prozent sind also ein Punkt für eine weiche Landung", sagte Bernanke am Mittwoch. Für den Zeitpunkt, zu dem die Anleihekäufe enden könnten - also Mitte kommenden Jahres - rechnet der Fed-Chef immer noch mit einer Arbeitslosenquote von sieben Prozent.

Die Fed muss sich per Mandat nicht nur wie andere Notenbanken um stabile Preise kümmern, sondern soll zudem Vollbeschäftigung erreichen. Meistens stehen diese beiden Aufgaben in einem für die Geldpolitik nicht so einfach lösbaren Zielkonflikt.

In den letzten Wochen hatten Sorgen vor einem Schwenk der US-Geldpolitik vor allem den Anleihemarkt unter Druck gesetzt und für einen Anstieg der Renditen gesorgt. In der Folge war es auch zu Verkäufen von Papieren der Schwellenländer und zu einer steigenden Nervosität an den Aktienmärkten gekommen. Experten wie der US-Chef-Ökonom Harm Bandholz wiesen allerdings darauf hin, dass die Märkte einige Bemerkungen Bernankes aus dem Zusammenhang gerissen und überbewertet hatten.

Nach Veröffentlichung des Fed-Statements kommentierte Bandholz, die wirtschaftliche Entwicklung werde relativ positiv dargestellt, die Sorgen wegen einer möglichen Inflation seien aber eher noch gesunken sind: zwei Effekte, die sich gegenseitig aufheben.

Die Aktienmärkte hatten in den vergangenen Tagen zugelegt, in Erwartung einer Klarstellung der Fed. Wie zu erwarten setzten kurz nach Veröffentlichung der Fed-Beschlüsse Gewinnmitnahmen ein. Die Anleihemärkte gaben ebenfalls nach, weil - sollten Bernankes Worten Taten folgen - die Fed als sicherer Käufer von Bonds ausfallen würde. Der Dollar legte allerdings zu: Der Devisenmarkt hatte auch in den vergangenen Wochen im Vergleich zu Anleihemärkten auch schon mit entgegengesetzter Tendenz reagiert.

Arbeitslosenquote sinkt
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34 Kommentare zu "Notenbank Fed: Bernanke stellt Ende der Geldflut in Aussicht"

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  • 20.6.13 Ende der Geldflut ein Trick? Die Wege der Diva "FED" waren schon immer wenig durchschaubau. Dass die US-Notenbank mit dem Stopp von Anleihekäufen dem zusätzlichen Druck von Dollarscheinen ein Ende bereiten will, ist unwahrscheinlich, könnte nur ein verbaler Test für die Aktienmärkte sein. Damit die Kurse nicht ins Uferlose schießen, versuchen sich Notenbanken gerne mit einem psychologischen Wording-Test, um überschießende Kurse auszubremsen. Meist gelingt dies nur vorübergehend. Der Raubeinkapitalismus kennt viele Täuschungsmanöver. Tatsache ist, dass sich die Federal Reserve (FED) einen Stopp nicht ohne weiteres leisten kann, weil der US-Haushalt derzeit nur noch mit der Notenbank finanziert wird. Die Steuereinnahmen der USA sollen gerade ausreichen, um 50 Prozent der staatlichen Ausgaben abzudecken. Würden nun die US-Zinsen aufgrund einer Einstellung der Anleiheaufkäufe steigen, müsste die Notendruckmaschinerie einen weiteren Gang zulegen, um die zusätzlichen Zinslasten im US-Staatsschuldenhaushalt zu schultern. Die Geldentwertungspolitik würde eine neue Dimension erklimmen. Oder steigt der Notenbankchef auf andere Instrumente der wundersamen Geldvermehrung um? Egal, jeder Renditeanstieg im Geleitzug würde die Zinsen weltweit anheben. Fatal auch für die überschuldeten Zitronenländer Südeuropas. Der EZB-Chef Draghi sprach denn kürzlich auch noch von einer weiteren Zinssenkung. Ich denke, FED-Chef Bernanke will die Reaktion der Aktienmärkte testen. Der US-Arbeitsmarkt jedenfalls gibt noch kein grünes Licht für steigende Zinsen. Und auch die US-Konjunktur läuft noch nicht wirklich rund. Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn

  • Ich stimme Ihnen zu.
    Wie Sie schon sagten, viele Dinge sind für die Welt danach, weil der Mensch leider nur durch Fehler lernt, die ihm Schmerzen bereiten.

    Das Problem von heute ist leider, dass sich im anglo-amerikanischen Raum eine Bankensystem entwickelt hat, das mit dem eigentlichen Sinn einer Bank nicht mehr viel zu tun hat. Geld von Vermögenden verzinst anlegen und denen die es brauchen in Form von Krediten leihen. Und nebenbei noch die Zahlungsabwicklung.
    Zockerei und Co gehören nicht dazu.

    Hier müsste es klare Regeln geben, wie Banken mit Geldern verfahren, die sich nicht für die Kreditvergabe benötigen.
    Das würde eine Menge Geld aus der Börsenwirtschaft in die Realwirtschaft zurückschicken.

  • Wachstumszwang entsteht durch Zinseszins, das ist mathematisch zwingend, jedenfalls solange Geld verliehen wird und ohne Geldverleih ist eine moderne Volkswirtschaft nicht vorstellbar. Das Zinseszins-System ist jahrtausende alt, ich sehe keine Chance für eine Welt ohne

    Nebenbei ist das Verleihen von Geld durch die Geldschöfpungsinstanz überhaupt nicht zwingend, der Geldschöfpungsgewinn muss dem Volk gehören, nicht den Geschäftsbanken, so wie heute. Aber das Weiterverleihen wird ohne Zins und Zinseszins nicht funktionieren.

  • Aus dieser Ecke gibt es ja schon länger Initiativen, siehe auch das lesenswerte Buch "End the FED" von Ron Paul. Ich kann mich nur in Respekt vor diesen aufrichtigen Menschen verneigen. Wenn jemand glaubhaft machen kann, dass er sein God's own Country liebt, dann sind es wohl diese. Was man mit dem Goldstandard will bleibt mir allerdings schleierhaft. Die einzig sinnvolle Lösung besteht - neben der Abschaffung von privat oder halbprivaten Unternehmen mit Zentralbankgewalt wie die FED - darin, dass die Geldmengenausweitung an einen ökonomischen Indexkorb/Regelwerk gekoppelt wird und nicht der Willkür und vor allem Gewinn- oder Profitstreben von (ggf. noch privat verpflichteten) Notenbankern oder privatwirtschaftlichen Geschäftsbanken überlassen wird. Letztere erschaffen ca. 90% der Geldmenge. Auch das System des Fractional Reserve Banking, die Wurzel allen Übels, wäre dann nicht mehr notwendig, es gibt sehr alte Ansätze, das 100%-Geld oder neuer Vollgeld, mit denen man die F-Bombe zuverlässig und endgültig entschärfen kann. Aber nachdem wir in einer Phase sind, in der die Notenbanken noch nicht mal mit dem Auge zucken können ohne zu riskieren, das System über den Abgrund zu stoßen sind das alles Konzepte für die Welt danach

  • Sie haben die Kernaussage nicht verstanden.

    Warum muss die Wirtschaft immer wachsen?

    In Deutschland werden Lebensmittel weggeworfen und anderswo verhungern Menschen.

    Ich bin kein Tagträumer, aber wenn die ganze Fachwelt inklusive der Politiker den Kopf darüber zerbricht, wie man die aktuellen Probleme löst und in Zukunft verhindert, dann sollte man nicht immer nur an Stellschrauben drehen, sondern irgendwann mal das GEsamtkonzept überdenken.

  • Das ist der Plan ! Eine schleichende Vernichtung/Entwertung/Entschuldung; es wäre der Preis, um eine schlagartige Vernichtung der überschüssigen Geldmenge/Verschuldung mit globalen, nicht absehbaren Folgen zu umgehen

    Nur ist die Eintrittswahrscheinlichkeit für das erste Szenario sehr klein geworden.

    Lesetipp "Diesmal ist alles anders, Acht Jahrhunderte Finanzkrisen", Reinhart & Rogoff

  • Alles eine Frage des Vertrauens. Solange das Vertrauen in den Dollar als Papiergeld vorhanden ist, wird man ihn als Zahlungs-und Tauschmittel akzeptieren.
    Wenn das Vertrauen futsch ist, eben nicht mehr.
    Übrigens würde man auch Schweizer Käse, sogar dann, wenn er nur aus Löchern bestehen sollte, akzeptieren, falls das Vertrauen in eine soche "Währung" bestände.
    Wäre das Vertauen im Idealfall unbegrenzt, würde man sogar alles an Werten und Waren erhalten auf ein bloßes Versprechen, einen Gegenwert zu leisten.
    So werden "Geschäfte" in transzendenten, immateriellen außerterrestischen Bereichen getätigt, also im Bezirk der reinen platonischen Idee unter Wesen, die allerdings ebenfalls nur "vorgestellt" sind. LOL

  • "Man geht davon aus, durch das Überangebot an Geld sind die Preise für die Güter niedriger und die Menschen kaufen/investieren eher"

    http://de.wikipedia.org/wiki/Quantit%C3%A4tsgleichung

    Deflation bedeutet ich kann für mein Geld morgen mehr kaufen als heute. Also warte ich mit dem Kauf -> Nachfrage sinkt -> Preise sinken, Beschäftigungs sinkt -> Deflation verstärkt sich, Deflationsspirale

  • Ich wundere mich immer, warum man Bernanke und Obama getrennt betrachtet. Vielleicht sollte man beide mal bekannt machen :-))))

  • ch habe jetzt schon häufiger gehört, Deflation sei schlecht für die Wirtschaft.
    Hat mal jemand diese Theorie hinterfragt?

    Meiner Meinung nach könnte die bisher allgemein anerkannte Theorie, das eine geringe Inflation das Wirtschaftswachstum fördert auch nur Schönfärberei sein.

    Inflation bedeutet, die Geldmenge wächst schneller als die Gütermenge. Also steht einer Gütermenge x eine größere Geldmenge y gegenüber.
    Man geht davon aus, durch das Überangebot an Geld sind die Preise für die Güter niedriger und die Menschen kaufen/investieren eher.

    Bei der Deflation ist das genau umgekehrt.

    Mein Ansatz: Wenn bei einer annähernd gleichmäßigen Verteilung der Güter, eine Inflation nötig ist, um einen Kaufanreitz zu schaffen, dann wird aus eine vorhandene Überproduktion an Gütern eine Güterknappheit gezaubert und unser Wirtschaftssystem behält seine Darseinsberechtigung.

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