Notenbank Fed
Bernanke stellt Ende der Geldflut in Aussicht

Die Fed hält an ihrer lockeren Geldpolitik fest und will weiterhin 85 Milliarden Dollar pro Monat in den Markt pumpen. Fed-Chef Bernanke deutet jedoch klarer als sonst einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik an.
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WashingtonNun hat das Rätselraten ein Ende: Die US-Notenbank bleibt bei einer lockeren Geldpolitik - jedenfalls vorerst. Der Leitzins bleibt bei 0 bis 0,25 Prozent, die Ankäufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren in Höhe von insgesamt 85 Milliarden Dollar pro Monat gehen weiter. Notenbank-Chef Ben Bernanke bemühte sich in seiner Rede, seine Politik noch einmal zu erklären. Und dabei fielen ihm vor allem Formulierungen ein, die darauf hindeuteten, dass es zunächst einmal so weiter geht. Oder dass es zumindest keinen abrupten Kurswechsel geben wird.

So sagte er: „Wenn es angebracht ist, werden wir nicht bremsen, sondern den Fuß vom Gas nehmen.“ Außerdem betont er mehrfach: „Wenn bestimmte Ziele, etwa auf dem Arbeitsmarkt, erreicht sind, heißt das nicht automatisch, dass wir die Geldpolitik verschärfen.“ Die Arbeitslosigkeit in den USA etwa hat sich zwar verringert und liegt zurzeit bei 7,6 Prozent, die Notenbank hält aber erst einen Wert von 6,5 Prozent für akzeptabel.

"Die meisten Mitglieder im Ausschuss - dem FOMC - halten Vollbeschäftigung bei Werten zwischen fünf und sechs Prozent für gewährleistet. Die 6,5 Prozent sind also ein Punkt für eine weiche Landung", sagte Bernanke am Mittwoch. Für den Zeitpunkt, zu dem die Anleihekäufe enden könnten - also Mitte kommenden Jahres - rechnet der Fed-Chef immer noch mit einer Arbeitslosenquote von sieben Prozent.

Die Fed muss sich per Mandat nicht nur wie andere Notenbanken um stabile Preise kümmern, sondern soll zudem Vollbeschäftigung erreichen. Meistens stehen diese beiden Aufgaben in einem für die Geldpolitik nicht so einfach lösbaren Zielkonflikt.

In den letzten Wochen hatten Sorgen vor einem Schwenk der US-Geldpolitik vor allem den Anleihemarkt unter Druck gesetzt und für einen Anstieg der Renditen gesorgt. In der Folge war es auch zu Verkäufen von Papieren der Schwellenländer und zu einer steigenden Nervosität an den Aktienmärkten gekommen. Experten wie der US-Chef-Ökonom Harm Bandholz wiesen allerdings darauf hin, dass die Märkte einige Bemerkungen Bernankes aus dem Zusammenhang gerissen und überbewertet hatten.

Nach Veröffentlichung des Fed-Statements kommentierte Bandholz, die wirtschaftliche Entwicklung werde relativ positiv dargestellt, die Sorgen wegen einer möglichen Inflation seien aber eher noch gesunken sind: zwei Effekte, die sich gegenseitig aufheben.

Die Aktienmärkte hatten in den vergangenen Tagen zugelegt, in Erwartung einer Klarstellung der Fed. Wie zu erwarten setzten kurz nach Veröffentlichung der Fed-Beschlüsse Gewinnmitnahmen ein. Die Anleihemärkte gaben ebenfalls nach, weil - sollten Bernankes Worten Taten folgen - die Fed als sicherer Käufer von Bonds ausfallen würde. Der Dollar legte allerdings zu: Der Devisenmarkt hatte auch in den vergangenen Wochen im Vergleich zu Anleihemärkten auch schon mit entgegengesetzter Tendenz reagiert.

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  • 20.6.13 Ende der Geldflut ein Trick? Die Wege der Diva "FED" waren schon immer wenig durchschaubau. Dass die US-Notenbank mit dem Stopp von Anleihekäufen dem zusätzlichen Druck von Dollarscheinen ein Ende bereiten will, ist unwahrscheinlich, könnte nur ein verbaler Test für die Aktienmärkte sein. Damit die Kurse nicht ins Uferlose schießen, versuchen sich Notenbanken gerne mit einem psychologischen Wording-Test, um überschießende Kurse auszubremsen. Meist gelingt dies nur vorübergehend. Der Raubeinkapitalismus kennt viele Täuschungsmanöver. Tatsache ist, dass sich die Federal Reserve (FED) einen Stopp nicht ohne weiteres leisten kann, weil der US-Haushalt derzeit nur noch mit der Notenbank finanziert wird. Die Steuereinnahmen der USA sollen gerade ausreichen, um 50 Prozent der staatlichen Ausgaben abzudecken. Würden nun die US-Zinsen aufgrund einer Einstellung der Anleiheaufkäufe steigen, müsste die Notendruckmaschinerie einen weiteren Gang zulegen, um die zusätzlichen Zinslasten im US-Staatsschuldenhaushalt zu schultern. Die Geldentwertungspolitik würde eine neue Dimension erklimmen. Oder steigt der Notenbankchef auf andere Instrumente der wundersamen Geldvermehrung um? Egal, jeder Renditeanstieg im Geleitzug würde die Zinsen weltweit anheben. Fatal auch für die überschuldeten Zitronenländer Südeuropas. Der EZB-Chef Draghi sprach denn kürzlich auch noch von einer weiteren Zinssenkung. Ich denke, FED-Chef Bernanke will die Reaktion der Aktienmärkte testen. Der US-Arbeitsmarkt jedenfalls gibt noch kein grünes Licht für steigende Zinsen. Und auch die US-Konjunktur läuft noch nicht wirklich rund. Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn

  • Ich stimme Ihnen zu.
    Wie Sie schon sagten, viele Dinge sind für die Welt danach, weil der Mensch leider nur durch Fehler lernt, die ihm Schmerzen bereiten.

    Das Problem von heute ist leider, dass sich im anglo-amerikanischen Raum eine Bankensystem entwickelt hat, das mit dem eigentlichen Sinn einer Bank nicht mehr viel zu tun hat. Geld von Vermögenden verzinst anlegen und denen die es brauchen in Form von Krediten leihen. Und nebenbei noch die Zahlungsabwicklung.
    Zockerei und Co gehören nicht dazu.

    Hier müsste es klare Regeln geben, wie Banken mit Geldern verfahren, die sich nicht für die Kreditvergabe benötigen.
    Das würde eine Menge Geld aus der Börsenwirtschaft in die Realwirtschaft zurückschicken.

  • Wachstumszwang entsteht durch Zinseszins, das ist mathematisch zwingend, jedenfalls solange Geld verliehen wird und ohne Geldverleih ist eine moderne Volkswirtschaft nicht vorstellbar. Das Zinseszins-System ist jahrtausende alt, ich sehe keine Chance für eine Welt ohne

    Nebenbei ist das Verleihen von Geld durch die Geldschöfpungsinstanz überhaupt nicht zwingend, der Geldschöfpungsgewinn muss dem Volk gehören, nicht den Geschäftsbanken, so wie heute. Aber das Weiterverleihen wird ohne Zins und Zinseszins nicht funktionieren.

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