Notenbank-Protokolle
Die Fed und das Rätsel um die Inflation

Eine Zinserhöhung Mitte Dezember gilt als wahrscheinlich, wie aus der Mitschrift der vergangenen Zentralbanksitzung hervorgeht. Doch die Fed sorgt sich um den geringen Preisanstieg.
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New YorkWas ist nur los mit der US-Wirtschaft? Bei einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent herrscht quasi Vollbeschäftigung. Und doch ziehen die Löhne kaum an und die Inflationsrate verharrt weiterhin unterhalb der Zwei-Prozent-Marke, die die US-Notenbank Federal Reserve als Ziel anvisiert. Die führenden Notenbanker des Landes sind sich unsicher, wie sie das deuten sollen. Bei der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses vor drei Wochen wurde darüber intensiv diskutiert, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichen Sitzungsprotokoll hervorgeht.
„Viele Teilnehmer stellten fest, dass trotz eines anziehenden Arbeitsmarktes die Inflationsraten anhaltend niedrig sind. Das könnte nicht nur vorübergehende Gründe haben, sondern auch durch Entwicklungen beeinflusst werden, die sich als dauerhaft erweisen“, heißt es in dem Dokument.

Fed-Chefin Janet Yellen hatte die niedrige Inflation am Abend zuvor bei einem Auftritt in New York als „Rätsel“ bezeichnet. In den vergangenen Jahren habe es durch die Krise in Europa, den niedrigen Ölpreis und durch den starken Dollar immer temporäre Gründe für eine niedrige Inflation gegeben. Nun sei dies jedoch anders. „Wir müssen das weiter genau beobachten“, sagte Yellen, die im Februar aus der Fed ausscheiden wird, sobald ihr Nachfolger übernimmt.
Für einen Anstieg der Zinsen bei der kommenden Fed-Sitzung am 12. und 13. Dezember stehen die Chancen jedoch weiter gut. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses, der die Zinsentscheidungen trifft, halten die US-Wirtschaft für grundsätzlich robust. Zudem ist die Inflationsrate in den USA zuletzt etwas gestiegen, was einige Mitglieder zur Bedingung für eine weitere Anhebung in diesem Jahr gemacht haben.
Die Fed schaut bei ihren Analysen besonders auf die Preisveränderungen bei den persönlichen Verbraucherausgaben. Der Index lässt die Kosten für Energie und Nahrungsmittel außen vor. Er stieg im Oktober auf 1,8 Prozent. Diese Zahl wurde jedoch erst nach der vergangenen Fed-Sitzung bekannt, die am 1. November zu Ende ging.

„Eine Zinserhöhung im Dezember ist immer noch sehr wahrscheinlich“, stellt Ökonom Michael Feroli von der US-Großbank JP Morgan klar. Er wundert sich über die vorsichtigen Töne, nachdem sich Yellen bei ihrer Pressekonferenz im September noch zuversichtlich über die Lage der Wirtschaft geäußert hatte. Die Notenbank hatte zuletzt im Juni den Leitzins auf eine Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent angehoben, ihn seit dem jedoch unverändert gelassen.

Nancy Tangler, Investment-Chefin vom Vermögensberater Heartland Financial vermutet, dass neue Technologien die Wirtschaft verändern – etwas, was in den Modellen der Fed-Ökonomen offenbar noch nicht eingearbeitet ist. „Man muss sich nur einmal Amazon anschauen. Der Online-Riese kauft Whole Foods und senkt dann die Preise“, sagt Tangler. Auch solche Entwicklungen müsse man berücksichtigen. Sie geht davon aus, dass geringere Inflationsraten die neue Norm sein werden und rechnet mit weniger Zinsanstiegen im kommenden Jahr.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Korrespondentin New York

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