Notenbanker
EZB-Zinskorridor wird nicht verengt

Die EZB denkt nicht über eine Verengung des Leitzinskorridors nach. Auch eine Wiederaufnahme der umstrittenen Staatsanleihenkäufe sei nicht geplant. Dies sagte ein Notenbanker am Rande einer Konferenz in Wien.
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WienDie Europäische Zentralbank (EZB) denkt nach Darstellung des slowakischen EZB-Ratsmitglieds Jozef Makuch nach der jüngsten Zinssenkung nicht über eine Verengung des Leitzinskorridors nach. „Darüber gibt es keine Debatte“, sagte der Chef der slowakischen Notenbank am Donnerstag am Rande einer Konferenz in Wien. Auch eine Wiederaufnahme der vor allem in Deutschland umstrittenen Staatsanleihenkäufe sei nicht geplant.

Der sogenannte Leitzinskorridor rund um den eigentlichen Leitzins besteht einerseits aus dem unter dem Schlüsselzins liegenden Einlagesatz, den Banken von der EZB bekommen, wenn sie Geld bei ihr parken. Über dem Leitzins liegt der so genannte Spitzenrefinanzierungssatz, den die Institute zahlen müssen, wenn sie sich kurzfristig Geld bei der Zentralbank borgen. Eine Verengung dieser Spanne würde die Rahmenbedingungen am Geldmarkt verändern und Notkredite der EZB für Banken verbilligen.

Die EZB hatte vergangene Woche erstmals ihren Leitzins auf 0,75 Prozent gesenkt und darüber hinaus den Einlagesatz auf null Prozent gekappt. Ziel dieser Maßnahme ist es, den Geldhandel zwischen Banken wiederzubeleben, der wegen der Vertrauenskrise so gut wie nicht stattfindet. Der Spitzenrefinanzierungssatz liegt bei 1,5 Prozent. Damit beträgt der Abstand zwischen den Zinssätzen jeweils einen dreiviertel Prozentpunkt. EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Montag vor dem Europäischen Parlament in Brüssel weitere Zinssenkungen nicht ausgeschlossen.

Makuch äußerte sich in Wien auch zur Zukunft des seit gut vier Monaten nicht mehr benutzten Staatsanleihenkaufprogramm der Währungshüter. „Wenn nötig, wird die EZB Maßnahmen nutzen, die sie bereits verwendet hat oder auch neue Instrumente. Im Moment ist die Lage nicht so, es gibt darüber keine Debatte (im EZB-Rat).“ Die EZB hält Staatsanleihen überschuldeter Länder in einem Volumen von rund 200 Milliarden Euro in ihren Büchern.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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