Notenbanker uneinig
EZB-Streit über das Ende der Anleihenkäufe

Wann und wie endet die Zeit des billigen Geldes, das die EZB derzeit in den Markt pumpt? Bei der Notenbank herrscht Uneinigkeit über die Art und Weise, um aus dem Programm auszusteigen. Viel Zeit bleibt jedoch nicht.
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FrankfurtDie Top-Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) sind Insidern zufolge uneins, ob sie im Oktober ein Enddatum für ihre Anleihenkäufe nennen sollen. Im EZB-Rat prallten unterschiedliche Vorstellungen aufeinander, erfuhr Reuters am Dienstag von mehreren Gewährsleuten, die nicht genannt werden wollten.

Demnach streben einige Vertreter im EZB-Führungsgremium an, für das auf rund 2,3 Billionen Euro angelegte Programm ein verbindliches Abschlussdatum festzulegen. Andere dagegen setzten darauf, eine Reduzierung des Volumens der monatlichen Käufe anzukündigen und den Zeitpunkt der Beendigung offenzulassen.

Eine sehr flexible Herangehensweise hätte den Vorteil, dass die EZB leichter auf Überraschungen reagieren könnte. Derzeit macht vielen Ratsmitgliedern der Notenbank vor allem der starke Euro Sorgen. Seit Jahresbeginn hat die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar um etwa 14 Prozent aufgewertet. Der starke Euro macht Waren europäischer Firmen auf dem Weltmarkt teurer und verschlechtert ihre Wettbewerbsfähigkeit - zugleich macht er Importe billiger und drückt so die Inflation.

Notenbankchef Draghi hat nach der EZB-Ratssitzung Anfang September klar gemacht, dass die Notenbank die Entwicklung des Euro-Kurses in ihren Planungen berücksichtigt. Seither hat die Gemeinschaftswährung Euro zunächst nicht weiter aufgewertet. Ein langsamerer Ausstieg würde tendenziell den Euro-Kurs etwas schwächen.

Ein anderer wichtiger Faktor ist die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Sie tagt am Mittwoch und könnte dann beschließen, ihre Bilanz zu schrumpfen, indem sie von ihr gehaltene und auslaufende Anleihen nicht mehr ersetzt. Geht die Fed bei der Schrumpfung schnell vor und verzichtet stattdessen auf weitere Zinserhöhungen, könnte das den Euro gegenüber dem US-Dollar weiter stärken.

Einige Notenbanker argumentieren daher, dass die EZB viel Flexibilität bewahren sollte. Ein klares Ausstiegsdatum hätte allerdings den Vorteil, dass dies die Unsicherheit an den Märkten über den weiteren geldpolitischen Kurs reduzieren würde.

Denkbar wäre daher bei der Sitzung am 26. Oktober auch eine Kompromisslösung: Diese könnte bedeuten, dass sich das Gremium entweder nicht auf ein in Stein gemeißeltes Enddatum einlässt oder aber einen Teil des Beschlusses auf Dezember verschiebt.

Das Wertpapier-Programm ist momentan das schärfste Schwert der Währungshüter im Kampf gegen die niedrige Inflation. Die Käufe im monatlichen Volumen von aktuell 60 Milliarden Euro sollen den bisherigen Planungen zufolge nur noch bis Ende 2017 laufen. Der Euro-Notenbank bleibt somit nur noch relativ wenig Zeit, um zu beschließen, was danach passieren soll.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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