Nun noch bei 0,25 Prozent
Draghi senkt Leitzins auf Rekordtief

Die Inflation in der Euro-Zone ist im Oktober deutlich gefallen. In einigen Krisenländern drohen sinkende Preise. Die Europäische Zentralbank fackelt nicht lange – und senkt den Leitzins.
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DüsseldorfDie EZB senkt den Leitzins auf den historischen Tiefstand von 0,25 Prozent. Sie reagiert damit auf die überraschend schwache Preisentwicklung im Euro-Raum. Im Oktober stiegen die Preise nur um mickrige 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr – Ökonomen hatten mit einer Inflation von 1,1 Prozent gerechnet.

Die niedrige Inflation setzte die Europäische Zentralbank (EZB) unter Zugzwang. Ihr vorrangiges Ziel ist die Gewährleistung von Preisstabilität – so steht es in ihrem Mandat. Laut eigener Definition versteht die EZB darunter einen Preisanstieg von „unter, aber nahe zwei Prozent.“ Sprich: Die Preise sollen nicht zu stark steigen – sie sollen aber auch nicht zu langsam steigen oder gar sinken. Im Moment fürchtet die EZB eher sinkende als steigende Preise. Deshalb sah sie sich zum Handeln gezwungen. In Griechenland beispielsweise sind sinkende Preise bereits seit März Realität. Auch Irland, Portugal, Spanien und Zypern sind bedrohlich nahe an der Schwelle zu sinkenden Preisen, also Deflation.

„Es ist nicht überraschend, dass die EZB handelt - sondern dass sie schon heute gehandelt hat,“ sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Sie habe nicht auf die Veröffentlichung der Inflations- und Konjunkturprognosen ihrer Ökonomen gewartet. „Das bestätigt, wie ausgeprägt die Neigung im EZB-Rat ist, die Zinsen zu senken.“

Krämer sieht dies kritisch. „Für Deutschland sind die Zinsen viel zu niedrig. Gerechtfertigt wäre ein Niveau von 3,0 bis 3,25 Prozent. Investitionen und Häuserpreise werden weiter steigen. Das Risiko einer Immobilienpreisblase sehe ich aber kurzfristig nicht." Der Chefvolkswirt der KfW Jörg Zeuner begrüßte hingegen den Schritt. „Dies ist die richtige Reaktion auf die zu niedrige Inflation im Euroraum. Mittlerweile ist die Inflationsrate weit von der EZB-Zielmarke entfernt.“

Die Perspektive sinkender Preise klingt aus Sicht der Verbraucher auf den ersten Blick verlockend. Schließlich erhöht sich dadurch ihre Kaufkraft. Gesamtwirtschaftlich aber birgt Deflation große Risiken. Wenn Verbraucher und Unternehmer sinkende Preise erwarten, droht ein Teufelskreis: Die Wirtschaftsakteure verschieben dann ihre Investitionen immer weiter in die Zukunft. Das schwächt die Wirtschaft und drückt das Preisniveau noch mehr. Wie fatal eine langanhaltende Deflation sein kann, zeigt das Beispiel Japans, wo in den 1990er Jahren die Preise sanken. Heute sprechen die Japaner von einem verlorenen Jahrzehnt.

Damit in der Eurozone keine japanischen Verhältnisse einkehren, hatten Politiker und Ökonomen im Vorfeld der heutigen Ratsitzung die EZB zum Handeln aufgefordert. Am deutlichsten wurde der italienische Finanzminister Fabrizio Saccomanni. „Wir denken, dass die Europäische Zentralbank alle notwendigen Instrumente zur Verfügung hat, um zu einem europäischen Vorstoß für stärkeres Wachstum beizutragen“, sagte er am Dienstag.

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  • (Nag Hammadi Library / Die Schrift ohne Titel / Über die Bäume des Paradieses) Und der Baum des ewigen Lebens, wie er in Erscheinung getreten ist durch den Willen Gottes, befindet sich im Norden des Paradieses, sodass er die Seelen der Reinen unsterblich mache, die hervorkommen werden aus den Gebilden der Armut zum Zeitpunkt der Vollendung des Äons. Die Farbe des Baumes des Lebens aber gleicht der Sonne. Und seine Zweige sind schön. Seine Blätter gleichen denen der Zypresse. Seine Frucht gleicht einem Bund von Weintrauben, wobei sie weiß ist. Seine Höhe geht hinauf bis in den Himmel.
    Und neben ihm befindet sich der Baum der Erkenntnis, wobei er die Kraft Gottes hat. Seine Herrlichkeit gleicht dem Mond, wenn er sehr leuchtet. Und seine Zweige sind schön. Seine Blätter gleichen Feigenblättern. Seine Frucht gleicht guten, appetitanregenden Datteln. Dieser nun befindet sich im Norden des Paradieses, sodass er die Seelen aus dem Schlaf der Dämonen erwecke, damit sie zum Baum des Lebens kommen und von seiner Frucht essen und so die Mächte und ihre Engel verurteilen.

    Auch die Zypresse und der Feigenbaum sind nur Symbole, denn in Schöpfungsmythen geht es nicht um natürliche Gewächse, sondern um kulturelle:

    Paradies = freie Marktwirtschaft
    Früchte tragende Bäume = Gewinn bringende Unternehmungen
    Baum des (ewigen) Lebens = Geldkreislauf
    Baum der Erkenntnis = Geldverleih
    Frucht vom Baum der Erkenntnis = Urzins
    Gott = künstlicher Archetyp "Investor"

    (Lutherbibel 1984 / Genesis_3,22) Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.

    Nachdem er "aus dem Paradies vertrieben" wurde, d. h. die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Marktwirtschaft und Privatkapitalismus (Erbsünde) verloren hat, will also der Mensch den "großen Investor" spielen. Darum kann er die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) nicht verstehen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/10/wohlstand-fur-alle.html

  • Die Enteignung der Sparer geht in die nächste Runde
    ———-
    Jeder, der etwas für seine Altersvorsorge angelegt hat, wird von der Banka d’Italia enteignet. Graf Draghila begündet es mit der Deflationsgefahr. Damit schließt er sich der Geldpolitik der fed an.
    Die “Märkte” jubeln, dort knallen die Sektkorken, der Normalbürger schaut – wie immer – in die Röhre.
    Und die Esperantowährung, aka Euro, fällt und fällt!
    Das mag zwar gut für den ClubMed sein, ist aber schlecht für Deutschland.
    Aber Deutschland war/ist ja schon immer der natürliche Feind der Eurokraten. Es ist wirtschaftlich zu stark, exportieren zu viel, und überhaupt …
    Und ob das dem ClubMed wirklich hilft, ist fraglich. Dadurch werden sie wirtschaftlich auch nicht stärker; eher im Gegenteil.
    Wenn das Geld immer billger wird, werden die Reformbemühungen sinken.
    Und damit geht die Abwärtspirale weiter.

  • ...hab ich auch gar nicht gemeint.

    Aber ich habe eine Lösung für dieses Problem-Monster

    :-D

    Wir haben doch unsere deutschen Kammerberufe?

    Ich tausche einen riesen Haufen Target-2-Salden gegen ein EU-Netzwerk von Kammerberufen!


    Ich denke, wir brauchen ein bürgerliches, in die gerade
    entstehende EU-Regierungs-Cloud integriertes, #EUDataP und #ConnectedContinent konformes, europaweites Netzwerk der föderal aufgebauten und demokratisch
    gewählten Kammerberufe, und der berufsständischen Organisationen.

    Erstes gemeinsames Ziel sollte sein, dieses Kammerberufe-Netzwerk in die Planung für die Regierungs-Cloud der EU zu implementieren.

    Wir brauchen dafür eine mehrsprachige Plattform, um ein europäisches Netzwerk der demokratisch gewählten Berufsvertretungen der freien verkammerten Berufe (Kammerberufe) und der berufsständischen Organisationen aufzubauen.

    Wer gibt eine allgemeine Regel vor, mit der man die neu entstehenden Büros all dieser Berufsvertretungen in Brüssel, in die seit +-1950 bestehenden Strukturen der Kammerberufe einflechten kann?

    Wer organisiert das Mehrsprachen-Tool, mit dem man die Kammerberufe mit deren Fachwissen innerhalb der EU genauso vernetzen kann, wie die Regierungen?

    Welchen Stellenwert im Zusammenhang zur Lobbyarbeit hat ein Beschluss, oder eine Entscheidung der demokratisch gewählten Berufsvertretungen innerhalb der deutschen, und EU-weiten politischen Kommunikationsprozesse und Entscheidungsfindung?

    Wie wird dieser Einfluss quantifizierbar?

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