Nutzlose Geldschwemme

Draghis stumpfe Waffe

Die EZB liebäugelt mit groß angelegten Anleihekäufen. Sie gelten als wichtiges Mittel gegen eine mögliche Deflation. Dabei ist ihre Wirkung ungewiss. Denn die Wirtschaft in der Euro-Zone tickt anders als in den USA.
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Schuss ins Leere: Auch mit Anleihekäufen kann EZB-Chef Draghi wenig bewirken. Quelle: Getty Images

Schuss ins Leere: Auch mit Anleihekäufen kann EZB-Chef Draghi wenig bewirken.

(Foto: Getty Images)

Mario Draghi war bislang ein geldpolitischer Hardliner – zumindest wenn man ihn mit anderen Notenbankchefs vergleicht. Zwar hat auch die Europäische Zentralbank (EZB) in der Krise viele unkonventionelle Dinge getan. Doch ein Instrument rührte sie bisher nicht an: massive Anleihekäufe. Andere Notenbanken hatten da weniger Hemmungen. Die USA kauften zeitweise jeden Monat für rund 60 Milliarden Euro eigene Staatsanleihen. Auch die Notenbanken in Japan und Großbritannien haben massive Wertpapierkäufe im Volumen von umgerechnet jeweils einer Billion und von 400 Milliarden Euro beschlossen.

Die EZB dagegen hat es bisher bei Worten belassen. Draghi kündigte an, im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer zu kaufen. Seinen Worten musste er bisher aber keine Taten folgen lassen. Nun jedoch steht das Thema wieder auf der Agenda. Grund dafür ist die schwache Inflation im Euroraum: Sie lag im April bei gerade einmal 0,7 Prozent – und damit deutlich unter dem EZB-Zielwert von nahe zwei Prozent. Als Gegenmittel sind diesmal Anleihekäufe auf breiter Front im Gespräch. Sprich: Die EZB würde nicht nur die Anleihen einzelner Krisenländer kaufen, sondern von allen Euro-Mitgliedsländern – einschließlich Deutschlands. Möglich wäre sogar, dass sie auch Unternehmensanleihen und Kreditverbriefungen (ABS) kauft. Das alles soll die Inflation wieder näher an die Zwei-Prozent-Marke bringen.

Ob dieses Mittel wirklich viel bringen würde, ist allerdings umstritten. Einige Ökonomen zweifeln daran. Denn: Die Wirtschaft in der Euro-Zone unterscheidet sich in einigen Merkmalen von der in den USA, Großbritannien oder Japan. „Quantitative Lockerung wirkt nur dann, wenn sie die Vermögen der privaten Haushalte und die Inflationserwartungen beeinflusst“, sagt Johannes Gareis, Ökonom der französischen Investmentbank Natixis. „Das funktioniert im Euro-Raum aber nicht.“

In den USA lässt sich die Wirkung von Anleihekäufen recht eindeutig erklären. Dort haben sie den Preis für langläufige Staatsanleihen nach oben getrieben und deren Zins gesenkt. Empirische Studien schätzen den Zinseffekt auf 90 bis 200 Basispunkte bei zehnjährigen Staatsanleihen. Dadurch wichen Investoren bei der Suche nach Rendite verstärkt auf andere Anlageformen wie Unternehmensanleihen, Häuser und Aktien aus – was auch deren Preise in die Höhe trieb. Da viele Amerikaner Häuser oder Aktien besitzen, machte sich das beim Konsum bemerkbar: Gefühlt hatten viele amerikanische Verbraucher mehr Geld in der Tasche, das sie ausgeben konnten. Zudem finanzieren sich US-Unternehmen sehr stark über den Kapitalmarkt und profitieren dort von den niedrigeren Zinsen.

„Diese Option fällt auf kurze Sicht aus“
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18 Kommentare zu "Nutzlose Geldschwemme: Draghis stumpfe Waffe"

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  • Was ist mit dem guten alten Handelswechsel?
    Schön nah an der echten Wertschöpfung und käme auch Klein- und Mittelständischen Unternehmen zu gute.
    Digital nicht machbar - nicht wirklich oder?

  • Richtig !

    Der grösste Verrat der Regierungen an den Deutschen ist, dass man zugelassen hat, dass deutsche Firmen immer mehr Arbeit ins Ausland verlegt hat im Zuge der "Globalisierung". Dafür haben die verantwortlichen auch noch massiv Geld als Lobbyisten-Lohn erhalten. Deshalb der wirtschaftliche Niedergang Deutschlands und auch Europas.

    Der zweite Verrat der Regierungen ist, dass sie sich von der deutschen Bevölkerung verabschiedet haben und Deutschland als "anonyme Bahnhofshalle" betreiben. Die Deutschen sind ihnen vollkommen egal.

  • Gehen Sie mal in den Supermarkt ! Dort gibt es immer mehr miderwertige Lebensmittel natürlich zu Dumping-Preisen. Mit Hilfe dieser Artikel wird der sogenannte "HARTZ4-Einkaufswagen" berechnet, aus dem die Inflation abgeleitet wird.

    Heisst also, höherwertige teure Artikel kommen in der Inflations-Statistik garnicht vor.

    Deshalb wird uns immer eingeredet, dass der EURO gleichwertig mit der D-Mark geblieben ist und es eine sogenannte "Deflations-Gefahr" gibt.

    Es ist einfach eine statistische bewusset LÜGE !!

  • "Zusätzlich produzieren viele Volkswirtschahften unter ihrem Potenzial"

    Aber das ist doch logisch. Die stetige Deindustrialisierung incl. Verlagerung von Produktion ins aussereuropäische Ausland lässt doch keinen Grund mehr für Investitionen in der Eurozone.
    Inzwischen stellen Firmen doch nur noch Laberköpfe ein, die in endlosen Meetings rumschwafeln. Und jedem produktiv tätigen werden drei Kontrolleure (BWLer) an die Seite gesetzt. Und die können nur noch mit Gelddrucken = Kurssteigerungen über die Aktienmärkte bezahlt werden.
    Und nichts anderes läuft doch inzwischen mehr.
    Insofern wird noch ein wenig Zeit erkauft bis zum Kollaps, mehr aber auch nicht.

  • Deflationsgefahr?

    Immer mehr Experten warnen davor.

    Und auch wenn ich über Jahre hinweg so etwas war wie ein einsamer Rufer in der Wüste, so wird doch jetzt die Gruppe derer größer, die eben eine solche Gefahr auf die Euro-Zone zukommen sehen.

    Das aktuellste Beispiel für eine Deflationswarnung brachte vor wenigen Tagen Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin in einem Beitrag für das Magazin Focus. Schon bei der Überschrift wird klar, wie ernst Fratzscher die Lage einschätzt:
    "Die Zeit zum Handeln wird knapp."

    Und für ihn befindet sich Europa aktuell in einer fatalen Lage: "Die Investitionen in praktisch allen Ländern der Euro-Zone sind massiv eingebrochen.

    Zusätzlich produzieren viele Volkswirtschahften unter ihrem Potenzial. Gleichzeitig hat aber die private und öffentliche Verschuldung neue Höhen erreicht."

    Zum Ankurbeln der notleidenden Wirtschaften in den Euro-Krisenländern müssten eigentlich massiv neue Kredite ( Neues Geld, Geld entsteht nur über Kredit! ) vergeben werden.

    Doch genau das geschieht nicht – und das sehe ich auch als einen der wichtigsten Knackpunkte an, der einer Gesundung der Euro-Zone im Weg steht.

    Kommt das böse Erwachen nach der EUDSSR wahl?

  • @ SayThe Truth
    Man möge diesen Super Mario nicht unterschätzen, 1 Billion drucken und das ggf. jährlich. Das ist das Ergebnis weil die Rettungsschirme Nichts mehr hergeben und jetzt auch noch für Frankreich.
    Wir müssen uns wehren, schnellstens sonst werden uns unsere Kinder bald verfluchen.
    http://www.youtube.com/watch?v=0H_3dN7s1z8&feature=youtu.be

  • Niedrige Inflation, vielleicht bei den Kaufpreisen Megayachten, da die Oligarchen nicht mehr an ihr Geld kommen.

    Der Normalbürger spürt jedoch die heftige Inflation beim täglichen Einkaufen im Geldbeutel; oft werden nicht die Preise erhöht, sondern die Losgröße verringert, statt 250 g Butter sind es dann nur noch 200g zu gleichen Preis.

  • Der ESM ist einsatzbereit (950 Milliarden EUR) und Draghi will ihn sofort PLÜNDERN damit der ganze Staats-Anleihe-Schrott aufgekauft werden kann. Der Mann gehört in einem Veruntreuungs-Prozess verklagt !!!

  • oder noch besser. Statt Tröpfchenweise übernimmt die EZB alle Schulden in der Eurozone. Die anfallenden Zinsen druckt sie einfach. Will doch eh, das der Euro schwächer wird. Die Länder, einschließlich Deutschland, könnte seine sonst zu zahlenden Zinsen in die Konjunktur stecken. Das wäre konzequent.
    Das wäre eine echte Innitiative.

  • Demnächst wird man mit "RECHTS" gebrandmarkt, wenn man als Mann die Ehe mit einer Frau eingeht und die Frau die Mutterrolle übernehmen soll.

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