Österreichs Notenbank-Gouverneur
EZB kann früher von lockerer Geldpolitik abweichen

Laut Österreichs Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny kann die EZB von ihrer ultralockeren Geldpolitik abrücken, bevor die Teuerung bei 1,9 Prozent liegt. „Wir können die Politik früher normalisieren“, so Nowotny.
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FrankfurtDie EZB kann aus Sicht von Österreichs Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny bereits vor Erreichen ihres Inflationsziels von der ultralockeren Geldpolitik abrücken. Die Europäische Zentralbank müsse nicht warten, bis die Teuerung bei 1,9 Prozent liege, sagte das EZB-Ratsmitglied der Zeitung „Der Standard“ (Donnerstagausgabe). „Wir können die Politik früher normalisieren.“

Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft an. Mit einer Teuerung von 1,5 Prozent im September liegt dieses Ziel aber noch ein gutes Stück entfernt. Nowotny räumte ein, dass das Zielniveau aktuell verfehlt werde. „Für 2018 rechnen wir sogar mit einer niedrigeren Inflationsrate“, sagte er. Volkswirte erwarten nach einer Reuters-Umfrage für dieses Jahr nur eine Teuerung von 1,5 Prozent. Für 2018 prognostizieren die Ökonomen sogar einen Rückgang der Inflation auf 1,4 Prozent.

Nowotny zufolge haben viele Notenbanken inzwischen das Problem, dass der Anstieg der Verbraucherpreise aus ihrer Sicht viel zu niedrig liegt. Seine Begründung: „Was wir dabei beobachten, ist, dass die traditionelle Beziehung zwischen Lohnentwicklung und Arbeitslosigkeit derzeit nicht funktioniert.“ Trotz deutlich gesunkener Arbeitslosenquoten würden die Löhne nicht stark steigen. „Daher ist die neue Konstellation eingetreten, dass Notenbanken für höhere Lohnsteigerungen eintreten, um so eine adäquate Inflation zu erreichen“, sagte Nowotny.

Bisher hätten Notenbanken immer vor zu hohen Lohnabschlüssen gewarnt. „Jetzt ist das anders.“ Die EZB wird voraussichtlich auf ihrer nächsten Zinssitzung am 26. Oktober über die Zukunft ihrer billionenschweren Anleihenkäufe entscheiden, die nur noch bis Ende Dezember laufen. Sie sind aktuell die stärkste Waffe der Euro-Wächter gegen die schwache Inflation.

Experten erwarten, dass die Notenbank dann entscheidet, die Transaktionen ab Januar mit einem deutlich geringeren monatlichen Kaufvolumen fortzuführen. Nach früheren Angaben mit der Diskussion vertrauten Personen, war zuletzt noch unklar, ob die EZB bei einer Verlängerung einen klaren Endpunkt signalisieren oder ob sie dies eher offenlassen soll.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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