„Positive Zeichen“ Draghi sieht erste Erfolge für Anleihenprogramm

EZB-Präsident Mario Draghi glaubt an sein Kaufprogramm für Staatsanleihen und erkennt bereits erste Erfolge – damit lobt er auch sich selbst. An seine deutschen Kritiker richtet der Italiener deutliche Worte.
Update: 25.09.2012 - 17:31 Uhr 17 Kommentare
Mario Draghi auf dem Tag der deutschen Industrie in Berlin. Quelle: AFP

Mario Draghi auf dem Tag der deutschen Industrie in Berlin.

(Foto: AFP)

BerlinNach massiver Kritik an seinem Kurs in der Euro-Schuldenkrise geht EZB-Präsident Mario Draghi in die Offensive. Vor Managern verteidigte Draghi in Berlin den in Deutschland umstrittenen Plan der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls unbegrenzt Staatsanleihen aus Euro-Krisenländern zu kaufen.

„Wir sehen auch jetzt schon sehr positive Zeichen. Das zeigt, dass die Investoren im Grunde Vertrauen haben in die Richtung, die wir eingeschlagen haben“, sagte Draghi am Dienstag beim „Tag der deutschen Industrie“ des Wirtschaftsverbandes BDI.

Alle Maßnahmen der EZB seien darauf ausgerichtet, Stabilität zu erreichen. „Das größte Risiko ist nicht das Handeln, sondern das Nichthandeln. Und wir haben gehandelt.“ Die Alternative wäre gewesen: „Nein zu allem“, rief der Italiener auf deutsch den Teilnehmern zu.

Zuvor hatte sich Draghi mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) getroffen. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die geplante europäische Bankenaufsicht sowie die Vorbereitung des EU-Gipfels im Oktober, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Merkel und Draghi seien sich einig gewesen, dass weiterhin erhebliche Reformbereitschaft notwendig sei, um Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen. Bei dem Gespräch dürfte es auch um die Ankündigung Draghis gegangen sein, die EZB werde notfalls unbegrenzt und unter Auflagen Staatsanleihen aus Krisenländern ankaufen.

Dies lehnt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der im EZB-Direktorium sitzt und dort mitentscheidet, ab. Kritik kommt auch aus der schwarz-gelben Koalition. Weidmann befürchtet eine unerlaubte Staatsfinanzierung und eine steigende Inflation. Demnächst will Draghi auch vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages sprechen.

„Die Eurozone macht Fortschritte, die Investoren erkennen das an“, sagte der EZB-Chef. „Das ist meine Botschaft heute.“ Auch die Wirtschaft werde im nächsten Jahr wieder auf Wachstumskurs umschwenken. Er sei fest überzeugt: Setze die Politik die nötigen Reformen fort, gebe es gute Gründe für Optimismus.

Draghi trat Sorgen entgegen, die EZB könne gegen ihr Mandat verstoßen. „Wir sind unserem Mandat verpflichtet, das ist Geldstabilität.“ Es würden keine Regierungen und damit hochverschuldete Euro-Staaten finanziert.

Zum Widerstand von Bundesbank-Chef Weidmann sagte Draghi, er habe großen Respekt vor der Bundesbank und akzeptiere die Sorgen. Es gebe aber eben unterschiedliche Meinungen darüber. Draghi sagte, das Auseinanderdriften der Zinsen, die sehr hoch für Krisenstaaten wie Spanien und Italien und sehr niedrig für Deutschland seien, sei gefährlich. „Wir haben gesehen, dass die Kreditaufnahmekosten sehr unterschiedlich hoch war - deutlich größer als gerechtfertigt.“

  • dpa
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17 Kommentare zu "„Positive Zeichen“: Draghi sieht erste Erfolge für sein Anleihenprogramm"

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  • Hallo appt3844,

    ich freue mich immer, wenn einer dieser Euromantiker mit dem Argument kommt, Deutschland habe 2004 die Maastricht-Kriterien ja auch nicht eingehalten und darum seien die exzessiven Vertragsbrüche von ganz Südeuropa ja gar nicht schlimm. Dieses Argument zeigt nämlich sehr schön, wie verlogen die Euromantiker argumentieren.

    Richtig ist: Deutschland hatte 2004 ein Defizit (im Sinne der Verträge) von 3,8% des BIP (ihre Zahl 3,9% ist falsch, Sie sollten sich gründlicher informieren). Das ist eine Vertragsverletzung (um eine Nachkommastelle!), für die eine saftige Strafe hätte verhängt werden müssen, denn Verträge sind einzuhalten.

    Richtig ist aber auch: Deutschland hat in den vergangenen zwanzig Jahren (also in einem Zeitraum, in den neben der schwersten Wirtschaftskrise seit 70 Jahren auch gigantische Bankenrettungen, gigantische Rettungen südeuropäischer Pleitestaaten und ganz nebenbei die Finanzierung der deutschen Einheit mit etwa 2000 Milliarden Euro fielen) insgesamt gegen das Maastricht-Kriterium der 3%igen Neuverschuldungen weniger verstoßen, als Spanien ALLEIN IM LETZTEN JAHR.

    Wer vor diesem Hintergrund einen Verstoß von einer Nachkommastelle in 2004 zur Verharmlosung für massenhafte und exzessive Vertragsbrüche in Südeuropa verwendet, ist offenkundig nicht an der Wahrheit interessiert, sondern will die Menschen für dumm verkaufen.

  • habe das Gefühl, Sie haben nichts verstanden!

  • Wie immer ist die Einschätzung des selbsternannten u. regelwidrigen Anleihekaufrauschkönigs von Eigenlob u. nicht von Sachverstand geprägt.

    Solange er nur die Währungsdilettantin Merkel überzeugen muß, die nach Ablehnungsgelübdebruch in seinem Vasallenlager gelandet ist, tut er sich nicht schwer.

    Bei dem Topexperten Weidmann sieht das anders aus. Dieser rät - ebenso wie der renommierte Issing - zur Einhaltung der EU-Spielregeln u. zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Eurolande, alles keine Draghi-Themen.

    Der €-rettungsverwirrte Draghi versucht nun - wieder einmal - durch viel Eigenlob den Eindruck zu erwecken, seine geplanten Billionenaktionen könnten diesmal länger dauern als das bereits bekannt kurze 1 Billion-Strohfeuer.

    Die draghische Geldgiftspritzerei, durch die €-Dlettantenherde Juncker, Barroso, Barnier, Schulz, Draghi, bes. Andor, Schäuble & Co massiv unterstützt, hat die peripheren Sorglosländer, insb. GR, in ihren Anstrengungen zur Strukturverbesserung eher gelähmt u. auf ein nachhaltige Alimentationssystem eingestellt.

    Durch gänzliches Abschotten gegen die heilsamen, aber unangenehm hohen Marktzinsen für die Sorglosländer im EU-Schongarten haben diese jegliche Orientierung an Wirtschaftlichkeit verloren.

    Die durch ihre €-Rettungsverbohrtheit für wirtschaftliches Denken blind gewordene €-Dilettantenherde - s.o. - unterstützt in ihrer pánischen €-Rettungsangst auch einen regelwidrigen Vorschlag des draghischen Hazardeurs zu unbegrenztem Geldzugang.

    Dass die dt. Bürger bald subtil über Inflation enteignet werden, ist Draghi wurscht, kann er doch mit seinen Abstimmmarionetten der Sorglosstaaten in der EZB den mahnenden bzw. bremsenden Weidmann locker überstimmen.

    Allerdings droht bald wieder extreme Gefahr, wenn Draghi nach dem Strohfeuer - s.o. - beim Gelddrucken verzweifelt, weil zu viel benötigt wird.




  • Die DDR ist wie die Sowjetunion politisch gescheitert. Die DDR war zahlungsfähig bis zum Schluß. Deshalb ist das Beispiel falsch. Noch falscher wird es, weil Sie wie üblich Äpfel mit Birnen vergleichen.

    Sie denken einfach zu flach, sind also ein Flachdenker. Und somit eine Systemstütze.

  • Da helfen keine Ausflüchte!
    Das Schneeballsystem was Mario Draghi betreibt, wird in
    den U.S.A., als die Destabilisierung des Währungssystems
    betrachtet und strafverfolgt, was Bernie Madoff 150
    Jahre Gefängnis einbrachte!
    Nach dem Probelauf Griechenlands ist nun die BRD in
    die Fänge von Goldman-Sachs geraten, die nach dem Grund-
    satz ihres Chefs Lloyd C. Blankfein handelt, der nach
    eigenen Aussagen die Missionen Gottes auf Erden ver-
    wirklicht, niemals die Gelegenheiten von Schwächen,
    wie die naiver,inkompetenter Regierungen, ungenutzt
    vorübergehen zu lassen.
    So hat man dem Fuchs freiwillig die Hühnerstalltür zur
    unbegrenzten Bedienung geöffnet!

  • Hallo , Sie Betonkopf,
    was heisst hier Südeuropa? 2003 und 2004 hat die Bundesrepublik Deutschland unverschämt getrickst. Es deklariert 3,4 ( und stellt sich heraus , daß es tatsächlich mit 3,9 gegen den Stabilitöätspakt verstossen hat. Also die Deutschen können auch ganz schön bescheissen!
    Die deutschen Betonköpfe sprechen immer von Italien
    als Pleiteland. Was für eine platte Idiotie und Ignoranz ( absichtlich gewollt). Italien ist Netto-Zahler nach wie vor und daher Geber-Land. Italien haften mit 130 Milliarden (Rettungsschirm) und Großkotz-Deutschland mit 190. Unter Berücksichtigung der gegebenen Proportionen ist der Unterschied kam vorhanden ! Kapiert ??

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

    Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:
    „Nicht persönlich werden“
    http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • "Er sei fest davon überzeugt, dass die Krise in der Euro-Zone überstanden sein werde, wenn die Politik die nötigen Reformen fortsetze."
    -----------
    Ich frage mich immer, wie er so optimistisch sein kann: Betrachtet man die Fundamentaldaten der Südstaaten:
    Spanien hatte 1995 eine so hohe Arbeitslosigkeit wie im Juni dieses Jahr, bei doppelt so hohen Zinsen (über 12%). Nur dank massiver Eu-Subventionen (nach GR erhielt Spa am meisten), konnte Spa im Euro mit Wachstum (allerdings in Immoblase entartet) "glänzen". Alle anderen PIGS waren nicht fähig ohne Subventionen allein über die Runden zu kommen. Jetzt gehen die EU-Subventionen an Osteuropa, aber an den Wirtschaftsdaten hat sich nichts geändert.
    Ohne Transfers können die PIIGSZSLO... nicht wachsen. Ich sehe nicht, dass Südeuropa wachsen kann, ohne wieder Blasen zu erzeugen. Das konnten sie nicht vor dem Euro, trotz Abwertungsmechanismus, und können sie nicht im Euro. Im Vergleich zu den Zeiten vor dem Euro hat sich weder die industrielle Basis erhöht, noch werden mehr Patente angemeldet, noch ist Korruption und Schattenwirtschaft verschwunden oder kleiner geworden.
    Nur eines ist gewachsen: die Schulden der Krisenstaaten.

  • Dieses ständige Gesundbeten von dem Euro, der eigentlich schon im Koma liegt, dieses ständige Pfeifen im Walde, um die Angst zu übertönen, ist einfach nur noch widerlich. Man denke nur mal 25 Jahre zurück: leise, still und bescheiden hat unsere westdeutsche Wirtschaft vor sich hin gebrummt, bei einer stabilen D-Mark, die nicht alle paar Tage "gerettet" werden musste - ein währungspolitischer Selbstläufer. Und wer hat damals immer im Walde gepfiffen und Erfolge und Wachstum heraustrompetet? Die DDR. Je lauter die Durchhalteparolen, desto tiefer das Finanzloch im Keller. Jede Durchhalteparole von Draghi lässt mich ehrlich gesagt zittern. Wie schlecht muss es um die EZB bestellt sein? Ich bleibe dabei: eine Währung, die man "retten" muss, hat es nicht verdient zu überleben. Eine gute Währung funktioniert einfach -so wie DM früher, Schweizer Franken oder schwedische Krone heute. Scusi, Signore Draghi!

  • Mario Draghi ist seit dem 1. November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Der ehemalige Vizepräsident von Goldman Sachs International, ist derzeit zudem Vorstandsmitglied der "Zentralbank der Zentralbanken", der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel und Mitglied in der von der Rockefeller-Stiftung gegründeten privaten Lobbyorganisation der Finanzwirtschaft, der Group of Thirty.....

    Kapisch ? Seine Mission ist nicht die Geldstabilität, sondern die Fortsetzung der Konsolidierung im Sinne der Finanzoligarchen.



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