Preissteigerung
Inflation in Euro-Zone steigt überraschend stark

Die Inflation im Euro-Raum steigt auf 1,9 Prozent. Damit kommt die Preissteigerung dem EZB-Ziel von zwei Prozent sehr nahe. Wie lange spricht EZB-Präsident Draghi noch von „vorübergehenden Ausschlägen“?
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Brüssel/LuxemburgDie jährliche Inflation im Euro-Raum ist Schätzungen zufolge auf 1,9 Prozent gestiegen. Das teilte das europäische Statistikamt Eurostat am Freitag mit. Die Preise in der Euro-Zone zogen damit deutlich kräftiger an, als von Beobachtern erwartet.

Die Energiepreise zogen mit 1,3 Prozent zum Vorjahr stärker an als im März, als diese Kosten nur um 0,9 Prozent stiegen. Dienstleistungen verteuerten sich diesmal um 1,8 Prozent, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak um 1,5 Prozent.

Damit kommt die Europäische Zentralbank ihrem Inflations-Ziel von zwei Prozent sehr nahe. Dieses Niveau strebt sie als Optimal-Wert für die Wirtschaftsentwicklung an. Denn damit ist aus Sicht der Notenbank ein ausreichender Abstand zu einer gefährlichen Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und rückläufigen Investitionen garantiert.

Erst am gestrigen Donnerstag hatte EZB-Präsident Mario Draghi nach der Zinssitzung deutlich gemacht, trotz der anhaltenden Inflation an der oft kritisierten Politik des billigen Geldes festhalten zu wollen. Die EZB werde weiterhin über „vorübergehende Ausschläge“ bei der Teuerung hinwegsehen. Die bisherigen Hinweise genügten nicht, um den Ausblick für die Inflation zu ändern.

Inflationsrate in der Euro-Zone
von März 2016 bis Mai 2017
(gegenüber Vorjahresmonat)

Die EZB wird ihre eigenen Wirtschaftsprognosen zur Zinssitzung am 8. Juni veröffentlichen. Diese sind ein wichtiger Faktor für die weitere Ausrichtung ihrer Geldpolitik. Erst am Donnerstag bekräftigte die Notenbank trotz etwas optimistischeren Äußerungen zu den Wachstumsperspektiven ihre ultralockere Haltung.

Sie beließ den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem erwerben die Euro-Wächter pro Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Umfang von 60 Milliarden Euro, um die Konjunktur und die Inflation anzuheizen.

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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Hallo Herr Nampf...die Argumente die Herr Draghi nutzt um die excessive Geldschöpfung der EZB zu begründen ändern sich von Zeit zu Zeit. Einmal war es eine Deflation die es nicht gab, dann war es mal ein Inflationsziel von 2% (Ziel ist die Geldwertstabilität!), dann der Brexit, oder die Wahl in Frankreich.

    Ich denke das Ziel des Herrn Draghi ist den italienischen Staatshaushalt zu Lasten der Deutschen Sparer zu sanieren. Dafür nimmt er auch einen Verfall des € in Kauf.

    Hintergrund:
    In einem Währungssystem stehen die produzierten Güter und Dienstleistungen mit der Geldmenge im Gleichgewicht. Erhöht man die Geldmenge ohne dass sich die Menge der produzierten Güter ändert, dann vermindert sich der Geldwert.

    Bei einer Geldentwertung von 2% und einem Zins von 0% reduziert sich die italienische Staatsschuld um 2%.

    Die Deutschen Sparer sparen traditionell in Geldprodukten, Lebensversicherung etc. die Italiener und Südeuropäer in Immobilien.

  • @ G. Nampf28.04.2017, 11:37 Uhr
    "Jetzt werden aber die Argumente für ein weiteres Fluten der Geldmärkte durch die EZB aber knapp.... :-)"

    Nein, denn die offizielle Kerninfaltionsrate (ohne Energie, Lebensmittel, Allohol und Tabak) liegt seit mehreren Jahren unter 1%, insofern muss Draghi einfach weitermachen, was auch zu einem gewissen Aufatmen im italienischen Finanzministerium geführt haben soll.
    :)

  • "Wie lange spricht EZB-Präsident Draghi noch von „vorübergehenden Ausschlägen“? "

    Wie lange ist er denn noch EZB-Präsident?

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