Pressekonferenz
EZB-Präsident erwartet Inflation 2013 bei unter zwei Prozent

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) war zu Gast in Spanien, dem derzeitig Sorgenkind der Eurozone. EZB-Präsident erklärte Journalisten, warum die Leitzinsen trotzdem nicht gesenkt wurden. Das Protokoll.
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FrankfurtDie Untergrenze von einem Prozent hat auch nach der Zinssitzung des EZB-Rats am Donnerstag in Barcelona Bestand. Dabei waren die Rufe nach einer Zinssenkung laut geworden, weil einige Euroländer in eine Rezession gerutscht sind. Vor allem die finanzielle Lage des Gastgebers Spanien steht im Blickpunkt der Märkte. Auf einer Pressekonferenz bezogen EZB-Präsident Mario Draghi und sein Vize Vitor Constancio am Donnerstagnachmittag Stellung:

Mario Draghi dankte zunächst der spanischen Zentralbank für die Organisation des Treffens und stellte dann die Analyse der Wirtschaftslage vor. Mittelfristig solle die Inflation im Einklang mit dem Preisziel bleiben (von knapp unter zwei Prozent). Der Wirtschaftsausblick sei unsicher, die Signale nicht eindeutig. In den vergangenen Monaten sei Geldpolitik mit einer Kombination aus Standard- und Nicht-Standard-Maßnahmen verfolgt worden.

Die Konjunktur habe sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Es gebe Hinweise, dass die globale Erholung weiter anhalte. Über die kurze Frist hinaus werde eine allmähliche Erholung im Laufe des Jahres erwartet durch einen Anstieg der Auslandsnachfrage und der niedrigen Zinsen. Es gebe aber auch noch Spannungen wie etwa die hohe Arbeitslosigkeit.

Auf den Anleihenmärkten habe sich die Lage verschärft, die Inflation betrug 2,6 Prozent im April 2012 nach 2,7 Prozent im Vormonat. Die Inflation dürfte 2012 über zwei Prozent bleiben. Aber Anfang 2013 sollten sie unter die Zwei-Prozent-Marke fallen.

Es gebe eine weitgehende Stabilisierung der Finanzierungsbedingungen und damit keine abrupte Korrekturen in den Bilanzen der Kreditinstitute - ganz wie von der EZB gewollt. Die Kreditstandards seien im ersten Quartal 2012 deutlich gelockert worden - sowohl für Unternehmen wie auch Privathaushalte. Auch für Banken hätten sich die Finanzierungsbedingungen verbessert.

Die Nichtstandard-Maßnahmen würden Zeit brauchen, um zu wirken. Denn erst am 1. März 2012 sei der zweite Langfristtender (über drei Jahre Laufzeit) abgewickelt worden. Solide Bankbilanzen seien wichtig für die Normalisierung der Finanzierungswege.

Die Wirtschaftsentwicklung solle im Einklang mit dem Preisstabilitätsziel bleiben. Die meisten Länder seien ind 2011 gut mit der Haushaltskonsolidierung voran gekommen. Das wirke sich kurzfristig auf das Wachstum aus, aber werde sich auch auf die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen auswirken und damit die Renditen für Staatsanleihen beeinflussen.

Die EZB wisse, dass regionale Diskrepanzen in der wirtschaftlichen Entwicklung normal seien. Allerdings korrigierten sich derzeit die Ungleichgewichte, die in einigen Euro-Mitgliedsländern angewachsen seien. Die Politik der EZB müsse sich auf den gesamten Euroraum fokussieren. Der Umgang mit den Diskrepanzen sei Aufgabe der nationalen Regierungen. Sie müssten Schwachstellen korrigieren. Die EZB konzentrierer sich auf das Ziel der Preisstabilität.

Nach dieser Einleitung eröffnete Draghi die Fragerunde:

Kommentare zu " Pressekonferenz: EZB-Präsident erwartet Inflation 2013 bei unter zwei Prozent"

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  • Ich glaube dem Mann kein Wort.

    http://www.youtube.com/watch?v=r4crr-kX9zc

  • "Deswegen müssen auch Arbeitsmarktreformen ein Teil des Wachstumspakts sein."

    Liberalisierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes klingt für mich nach Entrechtung der Arbeitnehmer!

    Ich hoffe für Sie, werter Commendatore Draghi, an dieser Stelle höchst falsch zu interpretieren. Denn was Sie hier fordern ist pures Nitroglycerin für den soziale Frieden!

    Im übrigen ist es NICHT Ihre Aufgabe, sich in demokratisch abzulaufende politische Prozesse einzubringen und Forderungen zu Lasten der Steuerzahler oder Arbeitnehmer zu stellen.

    Schreiben Sie sich das deutlich hinter die Ohren und realisieren Sie endlich, dass Sie für Ihren Job NICHT von Goldman Sachs angeheuert wurden!

  • "Unser geldpolitischer Kurs ist sehr locker, aber es ist verfrüht, von einer Exitstrategie zu sprechen. "

    Eine positive Realverzinsung fuer Guthaben wurde wie in den USA abgeschafft. Die Enteignung der Sparer geht mit groesster Anstrengung weiter. Eine Exitstrategie existiert wie auch in den USA eigentlich nicht. Sie wird sich von selbst ergeben, wenn wir die Chance zu einem Neuanfang haben. Die Inflation wird auch 2013 sehr niedrig sein. Wir haben die gemeldeten Inflationszahlen voll unter Kontrolle.

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