Protokoll der EZB-PK
Zwist im Zentralbankrat über Eurokrise

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat sich am Donnerstag den Fragen der Presse gestellt. Die skeptische Haltung der Bundesbank zur EZB-Strategie war eines der Themen. Lesen Sie hier das Protokoll.
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Düsseldorf Die monatliche Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) findet am Tag der Entscheidung über den griechischen Schuldenschnitt statt. Außerdem hat ist im 23-köpfigen EZB-Rat angestoßen von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann eine Diskussion entbrannt, ob das Eurosystem die nötige Solidität hat. EZB-Ratspräsident Mario Draghi wird zudem die neuen Wirtschaftsprognosen der Volkswirte der Notenbank präsentieren. Die Pressekonferenz beginnt um 14.30 Uhr.

EZB-Präsident Mario Draghi nimmt auf dem Podium Platz. Zuvor hatte die EZB bereits bekannt gegeben, dass der Leitzins unverändert bei einem Prozent belassen wird. An Draghis Seite sitzt Vizepräsident Vítor Constâncio.

Draghis einleitende Worte:

Die seit Anfang Februar eingegangenen wirtschaftlichen Daten bestätigen die vorherigen Annahmen. Der Wirtschaftsausblick hängt immer noch von Risiken eines Rückgangs ab. Die Inflation wird wahrscheinlich dauerhaft über zwei Prozent liegen im Jahr 2012 und es gibt Risiken für weitere Steigerungen.

Wir sind fest entschlossen, dem Mandat weiter treu zu bleiben und die Inflation nahe zwei Prozent und möglichst darunter zu halten. Zahlreiche Nicht-Standrad-Maßnahmen der Geldpolitik hat es zuletzt gegeben. Dreijährige Geschäfte wurden gemacht. Die ersten Auswirkungen waren positiv.

Gemeinsam mit der Haushaltspolitik der Staaten hat das dazu beigetragen, dass eine wesentlich Stabilisierung des Finanzmarkts gegeben hat. Wir erwarten, dass sich die Kreditvergabe im Euroraum weiter verbessert.

Im vierten Quartal ist das reale Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent zurückgegangen. Es gibt erste schwache Signale, dass sich die Wirtschaft erholt - aufgrund niedriger Zinsen und stabiler Auslandsnachfrage und der Förderung eines stabilen Finanzsektors. Aber die verbleibenden Spannungen dürften den Schwung des Wachstums weiter bremsen. Das zeigt sich auch an den Prognosen für den Euroraum. Das BIP wird 2012 zwischen minus 0,5 und 0,3 Prozent im Jahr 2012 liegen im Euroraum. Die Inflation dürfte 2012 über zwei Prozent liegen wegen gestiegener Energiepreise und Steuererhöhungen.

In der weiteren Zukunft wird es bescheidenes Wachstum, sodass der Preisdruck begrenzt werden dürfte. Zwischen 2,1 und 2,7 Prozent dürfte die Inflation 2011 und 0,9 bis 2,3 Prozent im Jahr 2012 liegen. Das ist eine Erhöhung des Inflationsausblicks im Vergleich zur vergangenen Prognose - vor allem für 2012. Die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte bleibt gedämpft, ist zuletzt aber zusammengenommen zumindest leicht gestiegen. Die Belastbarkeit der Bankbilanzen ist ein entscheidender Faktor, um die Kreditversorgung der Wirtschaft sicher zu stellen.

Viele Regierungen kommen mit der Konsolidierung ihrer Haushalte voran. Die verstärkten Überwachungsmechanismen in Europa müssen durchgesetzt werden und die Wettbewerbsfähigkeit der Länder erhöht werden. Es müssen mehr Arbeitsplätze geschaffen werden.

Draghi eröffnet die Fragerunde.

Kommentare zu " Protokoll der EZB-PK: Zwist im Zentralbankrat über Eurokrise"

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  • Die Bundesbank hat natürlich recht. Gemeinsam mit der Schweizer Nationalbank war sie rd. 50 Jahre lang die erfolgreichste Zentralbank überhaupt und sie ist der politische Akteuer in Dtl. mit dem höchsten ökonomischen Sachverstand.

    Im EZB-System wird sie permanent vom Club Med überstimmt und muss Risiken in einem Maß übernehmen, das früher undenkbar war. Ein Großteil der EZB-Politik geht direkt zulasten der Bundesbank und damit des deutschen Steuerzahlers.

    Die EZB wird geführt von einem italienischen Goldman-Sachs-Zögling, der auf die völlig verfehlte Geldpolitik der FED noch eins draufsetzt! Und die Kanzlerin? Sie hört lieber auf Sarkozy und Draghi als auf Weber, Stark, Weidmann oder Sinn. Das wird sich noch bitter rächen für den deutschen Steuerzahler.

  • Mario Drucki erzählt leider nur die halbe Wahrheit: Bei den Brotpreisen mag er das 2% Ziel im Auge haben, nur wie sieht es mit der Infaltion der Bankbilanzen aus? Diese bläst er mit seinem gedruckten und verschenkten Geld auf und der kleine Mann darf dann wieder Banken retten. Ob ein Brot das Doppelte kostet oder die Hälfte meines Einkommens für Bankenrettung verfeuert wird, kommt aufs selbe raus. Schmeisst die Taschenspieler mit ihren Tricks endlich raus und ersetzt sie durch ehrbare Kaufleute!

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