Protokoll
EZB-Präsident sieht Inflation mittelfristig im Griff

In Frankfurt hat sich Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, am 4.4.2012 der Presse gestellt. Die Inflation werde auch im weiteren Verlauf des Jahres über zwei Prozent liegen. Das Protokoll zur Fragerunde.
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FrankfurtEigentlich trifft sich der Rat der Europäischen Zentralbank immer donnerstags, um über die Geldpolitik für die Eurozone zu beraten. Doch in dieser Woche macht das 23-köpfige Gremium wegen der bevorstehenden Osterfeiertage eine Ausnahme. Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt hat sich EZB-Präsident Mario Draghi am Nachmittag den Fragen der internationalen Presse gestellt und erläutert, weshalb die Leitzinsen unverändert bei einem Prozent bleiben.

Die EZB hatte zunächst Probleme mit der Bereitstellung des üblichen Live-Streams. Wir konnten daher heute den Service des Live-Bloggings erst ab kurz nach 14.40 Uhr anbieten.

Mario Draghi: [...] die Geldpolitik zielt darauf, Preisstabilität auf mittlere Sicht für die gesamte Eurozone zu garantieren.

Die Frage- und Antwortrunde beginnt.

Frage: Es gibt bereits Gerüchte über die Vorbereitung einer Ausstiegstrategie aus der lockeren Geldpolitk? Gibt es Sorgen, dass Banken von EZB-Geld am Leben gehalten werden, die eigentlich nicht am Leben gehalten werden sollten?

Draghi: Der Präsident der EZB hat letztlich das Sagen, aber zur Sache. Man muss erst einmal die Auswirkungen der langfristigen Tender begutachten. Die aktuellen Daten umfassen noch nicht die Auswirkungen des zweiten [dreijährigen] Tenders. Sie sind ein kraftvolles Instrument. Wir wissen, dass die beiden Operationen vor allem eine wesentliche Kreditverknappung vermieden haben und den Finanzierungsdruck auf das Finanzwesen gemindert haben. Jeden Monat denken wir über die Auswirkungen auf die Preisstabilität neu nach. Angesichts des momentanen Preisausblicks - es kommt kurzfristig Preisdruck wegen der Ölpreise, aber mittelfristig bleiben die Inflationserwartungen verankert. Wir haben außerdem Kreditanforderungen eingebaut in den Sicherheitsrahmen der EZB. Die Abschläge (Haircuts) auf diese neuen akzeptierten Sicherheiten sind sehr viel höher, 53 Prozent im Durchschnitt und bis zu 75 Prozent.

Frage: Sie sehen mittelfristig keinen Inflationsdruck. Aber Aussagen in der Einleitung deuten in eine andere Richtung. Was gibt es für Sorge vor Zweitrundeneffekte? Zweite Frage: Schwache griechische Banken sind durch den Schuldenschnitt noch schwächer geworden. [Könnten Sie von der Finanzierung durch die EZB ausgeschlossen werden?]

Antwort: Kurzfristig ist die Inflation bei 2,6 Prozent gegenüber 2,7 Prozent bei unserer letzten Schätzung. Für 2012 sollte sie auch über zwei Prozent verharren. Zu den griechischen Banken: Das Rettungspaket sieht Milliarden für die Stützung der Banken vor, (um sie für die geldpolitischen Operationen fit zu halten). Es wird aber eine Übergangsfrist geben, bis die 25 Milliarden Euro für die griechischen Banken zur Verfügung stehen.

Frage: Es scheint, dass Sie Ihre Sprachwahl, was die Inflation betrifft verschärfen, dass Sie sich etwas mehr Sorgen machen über die Inflation als bisher. Sehen Sie schon Zweitrundeneffekte? Wie wirken sich die Lohnerhöhungen in Deutschland aus, haben sie darüber im Rat gesprochen? Die Arbeitslosigkeit im Euroraum bleibt sehr hoch. Werden Sie auch in diesem Zusammenhang etwas unternehmen?

Antwort: Ich glaube nicht, dass wir unsere Rhetorik zur Inflation verschärft haben. Wir haben immer gesagt, dass sich exogene Effekte wie steigende Rohstoffpreise zeigen. Zu individuellen Lohn- und Gehaltsabschlüssen will ich nichts sagen. Aber wir werden uns allgemein damit befassen und welche Auswirkungen das auf die Produktivität haben wird. [...] Strukturreformen sind enorm wichtig, denn nur so kann man nachhaltiges Wachstum schaffen und dadurch die Arbeitslosigkeit gesenkt werden. [...] Man kann nicht Inflation gegen Arbeitslosigkeit ausspielen, das hat die Geschichte gezeigt.

Kommentare zu " Protokoll: EZB-Präsident sieht Inflation mittelfristig im Griff"

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  • Stümperhafte EU Diktatur!

    3% Inflation alleine bei jedem Discounter sind die Preise für Zucker um 40% angezogen (1 Jahr) und der Preis für eine Dose Energydrink ist gesprungen von 0.29 Cent auf 0.40€ das ist ein Plus von 33%!!!

    Ja nee, die Welt besteht nicht nur aus Zucker und Energiedrinks aber das sind die Vorboten der kommenden Teuerungsraten.

    Vom Sprit reden wir jetzt mal nicht..

    BRAVO EZB!! Weiter die Nase pudern...

  • Zuerst hatten wir Probleme mit Griechenland und diese negative Erkenntnis war nicht einfach, weil die Frage aufkam, wie unsere Politiker es so weit kommen lassen konnten. Dann kam Herr Draghi und druckte endlos Geld und enteignete vor allem die deutschen Sparer mit negativer Realverzinsung.

    Eigentlich sollte jetzt wieder die Frage aufkommen, wie unsere Politiker es so weit kommen lassen konnten. Frau Merkel schweigt und laesst Herrn Draghi gewaehren und damit ueber unsere persoenlichen Finanzen regieren. Unsere Regierung wird immer mehr fremdbestimmt und unfaehig/unwillig fuer unsere Interessen einzutreten.

  • Mittelfristig will Draghi also für Preisstabilität sorgen.
    Auf Nachfrage stellt sich heraus das mit mittelfristig 2012 gemeint sei.
    Das impliziert , das 2013 schon langfristig sei und man spätestens dort keine Preisstabilität mehr gewährleisten könne.
    Aber man möchte natürlich die Systemschafe möglichst lange in ihren Papierwerten halten und vor allem einen Bankrun verhindern.

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