Ratssitzung
EZB zu unkonventionellen Aktionen bereit

Mario Draghi verzichtet auf eine Zinssenkung und belässt es bei starken Worten. Im EZB-Rat herrsche Einstimmigkeit, dass unkonventionelle Maßnahmen eingesetzt werden könnten. „Wenn nötig kann die EZB schnell handeln.“
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FrankfurtEZB-Chef Draghi gab sich keine Mühe, seinen Ärger über die Ratschläge von IWF-Chefin Christine Lagarde zu verbergen. Sie hatte am Mittwoch der EZB eine weitere geldpolitische Lockerung empfohlen. „Der IWF ist sehr großzügig in seiner Bewertung darüber, was wir tun und was wir nicht tun sollten, “ sagte er. Um dann zu ergänzen, dass er es begrüßen würde, wenn der IWF auch vor den Sitzungen der amerikanischen Notenbank Fed solche Ratschläge erteilen würde.

Christine Lagarde ist nicht die einzige Expertin, die sich für eine Lockerung der Geldpolitik im Euroraum ausgesprochen hat. Anlass für Spekulationen darüber boten die schwachen Inflationszahlen. Im März war die Teuerung in den 18 Euro-Ländern auf nur noch 0,5 Prozent gefallen. Je mehr sich die Preiseentwicklung der Nullmarke nähert, desto größer die Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten. Die Erfahrung aus Japan zeigt: Wenn erst mal die Unternehmen und Haushalte mit sinkenden Preisen rechnen, lässt sich eine Spirale aus Preisrückgängen und einer Rezession nur schwer stoppen.

Dennoch hat die EZB den Leitzins zunächst auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent belassen. Draghi betonte jedoch: „Wenn nötig, können wir schnell handeln“. Zudem bestätigte Draghi, dass der EZB-Rat ausführlich über eine mögliche auantitative Lockerung diskutiert habe. „Im EZB-Rat herrscht Einstimmigkeit, dass gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen unseres Mandats eingesetzt werden können, wenn die Inflation zu lange sehr niedrig bleibt“, sagte Draghi.

Trotz der schwachen Preisentwicklung hatten die meisten Ökonomen im Vorfeld nicht damit gerechnet, dass die EZB die Geldpolitik lockert. In einer Bloomberg-Umfrage unter 57 Ökonomen prognostizierten alle bis auf drei Volkswirte, dass die Währungshüter den Leitzins auf dem bisherigen Niveau von 0,25 Prozent belassen werden. Ein Ökonom erwartete eine Senkung auf 0,1 Prozent, während zwei eine Rücknahme auf 0,15 Prozent prognostizierten. Experten verweisen darauf, dass die Konjunktur im Euroraum allmählich anzieht. Das stärkt den Preisauftrieb.

Der Chefvolkswirt der Münchner Rückversicherung, Michael Menhart, begrüßt die Entscheidung der EZB. „Die zuletzt niedrige Inflation ist vor allem auch durch eher temporäre Effekte wie gesunkene Energiepreise beeinflusst,“ sagt er. Auch Commerzbank-Ökonom Christoph Weil erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder anziehen dürfte: „Durch die späte Lage von Ostern in diesem Jahr werden insbesondere die Preise für Pauschalreisen im April stärker steigen als im Vorjahr.“ Auch der Effekt des milden Winterwetters laufe aus.



dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
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Kommentare zu " Ratssitzung: EZB zu unkonventionellen Aktionen bereit"

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  • Ist das Handelsblatt wirklich auf Herrn Rürup angewiesen?

    Sie sollten sich schämen, mit dem Mann gemeinsame Sache zu machen. Er ist zu sehr mit Schröder und Maschmeyer belastet.

  • 90% der Wähler sind ganz froh darüber, wenn die Preise nicht steigen.

    Aber wen interressieren schon die Wähler...

  • In dem Moment, wo zumindest ein gewisser Prozentsatz der Menschen realisiert, dass die EZB in Wirklichkeit überhaupt nichts machen kann, außer Falschgeld zu emittieren (genauer gesagt auch noch Schuldgeld, da ein Gegenpart sich dafür verschulden muss), ist das Betrugsspiel sowieso aus. Es gibt letztendlich nämlich ganz genau zwei Möglichkeiten, um die "Euro-Krise", die in Wirklichkeit eine Geldsystemkrise ist, zu lösen: "To default on the debt or to hyperinflate it away“ (und das gilt selbstverständlich für die Eurozone genauso wie für die USA):
    http://hiddensecretsofmoney.com/blog/Will-USA-DEFAULT-OR-INFLATE

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