Ratssitzung in Barcelona
EZB hält Leitzins trotz politischen Drucks auf Rekordtief

Der EZB-Rat tagt im Auge des Sturms, lässt sich von den Sorgen um Spaniens Bankensektor nicht zu übereilten Aktionen drängen. Nach der jüngsten Geldflut sehen die Währungshüter nun Politik und Banken am Zug.
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BarcelonaEuropas Währungshüter lassen sich von neuen Sorgen um die Finanzstabilität nicht zu weiteren Krisenhilfen drängen. Auch bei der auswärtigen Sitzung in Barcelona drehte der EZB-Rat nicht an der Zinsschraube. Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

Nach ihrer jüngsten Geldflut sehen die Währungshüter Politik und Banken am Zug. Im Dezember und Februar hatte die EZB den Banken extrem billiges Geld für bis zu drei Jahre angeboten. Die Institute liehen sich insgesamt gut eine Billion Euro. Notenbank-Präsident Mario Draghi hatte gemahnt, die Krisenhilfe zu Reformen zu nutzen. Der Italiener brachte zudem die Idee eines Wachstumspaktes auf.

Der Druck zu weiteren Schritten der Notenbank war zuletzt gestiegen - unter anderem aufgrund diverser Forderungen beider Kandidaten im französischen Präsidentschaftswahlkampf, Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und seines Konkurrenten Francois Hollande. Wegen der nach wie vor weit über zwei Prozent liegenden Teuerungsrate in der Euro-Zone halten viele Volkswirte eine solche Kehrtwende der EZB aber für unwahrscheinlich.

Wegen der Proteste gegen den strikten Sparkurs der Regierung in Madrid fand das Treffen der Zentralbanker in der Wirtschaftsmetropole Kataloniens unter massiv erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Spanien steht seit Wochen im Zentrum der Euro-Schuldenkrise.

Den Reformanstrengungen in Spanien zollte Draghi Respekt. „Die spanische Regierung unternimmt außergewöhnliche Anstrengungen“, sagte Draghi vor einer Woche in Brüssel. Es gebe „keinen Anlass für Zweifel“, dass die konservative Regierung von Premier Mariano Rajoy die notwendigen Reformen ergreifen werde.

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  • Diese "Enteignung" ist aber sehr sozial da je höher die Kapitalbestände desto grösser die "Enteignung" besser als die Praxisgebühr die allen gleich trifft.
    Wer zwingt Sie übrigens Ihr Kapital zu 1% anzulegen, es gibt beim Tagesgeld schon 2,6% Zinsen und sogar mehr.

  • Zitate: "Nach ihrer jüngsten Geldflut sehen die Währungshüter Politik und Banken am Zug... Der Italiener brachte zudem die Idee eines Wachstumspaktes auf".

    Liebe Redaktion, können Sie Detailinformationen veröffentlichen betreffend die ganz konkreten Erwartungen die Währungshüter an Politik und Banken richten. Hat der Italiener Drahgi inhaltlich ausgereifte Vorstellungen von einem Wachtumspakt, oder wissen alle Beteiligten immer noch am Besten, was der jeweils andere vollbringen sollte.

  • Damit enteignet Draghi jeden Europaeischen Buerger mit mindestens 1% p.a. aufs gesammte Vermoegen (Inflation<2%, EZB Zins=1%)- Gracie Cavaliere

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