Reserven der Bundesbank
Der Kampf ums deutsche Gold

Ist er wirklich noch da? Der deutsche Goldschatz liegt im Ausland, doch gesehen hat ihn schon lange keiner mehr. Auf Druck des Rechnungshofs wird die Bundesbank nun nachprüfen - doch die Skepsis der Kritiker bleibt.
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DüsseldorfVertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das Sprichwort dürfte jedermann geläufig sein. Nur bei der deutschen Bundesbank wollte man lange nichts davon wissen. Jeder Versuch von Bürgern oder Bundestagsabgeordneten, Auskünfte über die deutschen Goldreserven zu erhalten, blockten die Währungshüter ab – und erhitzen damit erst recht die Gemüter. Warum lagert ein großer Teil des deutschen Goldes im Ausland? Und wo genau liegt es überhaupt? Entweder wollten oder konnten die Währungshüter die Fragen der Skeptiker nicht beantworten. Bis jetzt.

Auf Druck des Bundesrechnungshofes und einzelner Politiker wird die Bundesbank einen Teil des Goldes nach Deutschland holen. Hier sollen die Barren eingeschmolzen werden, um die Menge und Echtheit des Edelmetalls zu überprüfen, sagte ein Bundesbanksprecher der Nachrichtenagentur „dapd“. Die Bundesbank ließ zunächst offen, wann und in welchem Umfang die Prüfung der Bestände stattfinden soll. Zugleich brachten die Währungshüter ihren Unmut zum Ausdruck, indem sie wissen ließen, der vom Rechnungshof gewünschte Prüfumfang entspreche „nicht den Usancen zwischen Notenbanken“.

Das Gold der Deutschen ist rund 144 Milliarden Euro wert und wiegt 3.396 Tonnen. Damit ist es so schwer wie rund 2600 Autos des Modells VW Golf. Weltweit verfügen nur die USA über größere Bestände. Nur ein kleiner Teil des Edelmetalls befindet sich in Deutschland, etwa 30 Prozent. Nach Angaben der Bundesbank lagert der Großteil des deutschen Schatzes in New York, bei der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed). Die Notenbanken Großbritanniens und Frankreichs verwahren ebenfalls kleinere Bestände davon. Doch nachgesehen, wie es wirklich um die Bestände bestellt ist, hat seit Jahren niemand mehr.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler würde nur zu gern nachsehen. Er hat bereits mehrfach über parlamentarische Anfragen und ein Rechtsgutachten mehr Aufklärung angemahnt. Ende 2010 fragte er bei der Bundesregierung nach, in welchen Abständen die Goldreserven „in Augenschein“ genommen würden und wann dies zum letzten Mal passiert sei. Die Bundesregierung antwortete, dass zuletzt am 11. Juni 2007 Bundesbankmitarbeiter bei der Fed in New York „die Tresoranlagen betreten und besichtigt“ hätten.

Im System der Papierwährungen, das seit den 1970er-Jahren besteht, ist Gold eigentlich überflüssig - schließlich kann die Zentralbank so viel Geld drucken, wie sie für nötig hält. Doch genau das ist das Problem. Die führenden Notenbanken haben in den vergangenen Jahren viel Geld gedruckt, um die Finanz- und Schuldenkrise einzudämmen. Mit jedem Dollar, Euro oder Yen, der in Umlauf kommt, wächst die Skepsis. Das Vertrauen in die Papierwährungen ist angekratzt.

Kommentare zu " Reserven der Bundesbank: Der Kampf ums deutsche Gold"

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  • Diese Rede soll ein Fälschung sein, erklärten mir einige Gutmenschen.
    Zu strafrechtlichen Konsequenzen .... soll man dann die Siegermächte vor Gericht bringen, die sich das Gold unter den Nagel rissen?
    Was mich zusätzlich nachdenklich stimmt, dass sämtliche Verträge zwischen den Alliierten und Deutschland von unseren Volksvertretern, die das Volk angeblich vertreten, dem Volk nicht zugänglich gemacht werden.
    Desweiteren beschäftigt mich, weshalb nach einer Bundestagswahl der/die BundeskanzlerIn zu einem "Antrittsbesuch" nach Washington muss. Was hat es damit auf sich?
    In unserer "freien Welt" scheint mehr der Schein als das Sein zu existieren.

  • Wir haben auch 67 Jahre nach Kriegsende noch keine Verfassung, nur das Provisorium Grundgesetz.
    Barack Obama erklärte im Juni 2009 im Deutschen Ramstein: "Germany is an occupied country and it will stay that way..."
    Der ehemalige Chef des MAD, Gerd-Helmut Komossa, enthüllte in seinem Buch "Die deutsche Karte - Das verdeckte Spiel der geheimen Dienste" erstaunliches: "Der geheime Staatsvertrag von 21. Mai 1949 wurde vom Bundesnachrichtendienst unter ‹Strengste Vertraulichkeit› eingestuft. In ihm wurden die grundlegenden Vorbehalte der Sieger für die Souveränität der Bundesrepublik bis zum Jahre 2099 festgeschrieben, was heute wohl kaum jemandem bewusst sein dürfte. Danach wurde einmal der Medienvorbehalt der alliierten Mächte über deutsche Zeitungs- und Rundfunkmedien bis zum Jahr 2099 fixiert. Zum anderen wurde geregelt, dass jeder Bundeskanzler Deutschlands auf Anordnung der Alliierten vor Ablegung des Amtseides die sogenannte "Kanzlerakte" zu unterschreiben hatte. Darüber hinaus bleiben die Goldreserven der Bundesrepublik durch die Alliierten gepfändet." Egon Bahr bestätigte übrigens 2009 in einem Interview mit dem Wochenmagazin ZEIT die Existenz einer solchen geheimen Unterwerfungserklärung durch die Bundeskanzler.
    Wen wundert es da noch, dass das deutsche Gold (man beachte auch das Verhältnis, wie viel Gold wo lagert) ausgerechnet in den Tresoren der drei West-Siegermächte lagert? Kann ernsthaft damit gerechnet werden, dass es unsere Freunde zulassen, das wir das Gold nach Hause holen? Kein geringerer als Wolfgang Schäuble sagte am 18.11.2011 auf dem "European Banking Congress" in der alten Oper in Frankfurt: "Und wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen." Steht eigentlich ganz anders im 2 + 4 Vertrag. Die Rede ist übrigens auf YouTube in voller Länge verfügbar.
    Noch Fragen zum deutschen Gold?

  • ...haben Sie sich schon einmal mit der Souveränität Deutschlands beschäftigt? ...

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