Rezession trotz Abenomics Japans gescheitertes Geldexperiment

Mit einer historischen Geldschwemme kämpft Japan gegen die Dauerkrise. Doch es hilft alles nichts. Die japanische Wirtschaft rutscht wieder in die Rezession ab. Ein Vorgeschmack darauf, was Europa erwartet.
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Shinzo Abe: Der japanische Ministerpräsident will sein Land mit aller Macht aus der Dauerkrise befreien. Quelle: AFP

Shinzo Abe: Der japanische Ministerpräsident will sein Land mit aller Macht aus der Dauerkrise befreien.

(Foto: AFP)

DüsseldorfEr wurde gefeiert als Superman, als Wunderheiler. Shinzo Abe hatte den Japanern versprochen, er werde das Land aus der Lethargie reißen. Und zunächst schien es tatsächlich so, als könne der Ministerpräsident sein Versprechen einhalten. Er ließ Geld in gigantischem Ausmaß drucken, er bürdete dem hochverschuldeten Land neue Schulden auf. Ein Wirtschaftswunder sollte her, koste es, was es wolle. Heute – fast zwei Jahre später – wird klar: Es war nur ein Strohfeuer. Japan steckt schon wieder in der Rezession. Im dritten Quartal ist die Wirtschaft des Landes erneut geschrumpft. Ein Schock.

„Diese Politik musste scheitern und sie ist gescheitert“, urteilt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Auf Dauer lässt sich das Wachstum nicht durch das Anwerfen der Notenpresse erhöhen.“

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt steckt seit mehr als zwei Jahrzehnten fest in einer verhängnisvollen Kombination aus sinkenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft. Zudem ist der Staat so hoch verschuldet wie kein anderes Industrieland. Die Schuldenquote liegt bei 240 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Verbindlichkeiten müssen von einer alternden Bevölkerung zurückbezahlt werden. Nicht wenige Beobachter fürchten, dass auch in Europa eines Tages „japanische Verhältnisse“ drohen.

Staatsverschuldung Japans von 2004 bis 2014 in Billionen Yen. Quelle: Statista

Staatsverschuldung Japans von 2004 bis 2014 in Billionen Yen. Quelle: Statista

Abe bekam anfangs viel Beifall von Ökonomen und Investoren. Sie tauften sein Programm „Abenomics“ – eine Wortschöpfung aus dem Namen des Regierungschefs und dem Wort „Economics“. Im Kern geht es darum: Die Notenbank druckt Geld, das der Staat mit vollen Händen ausgibt, was wiederum Bürger und Unternehmen animieren soll, dasselbe zu tun. Einer der Ideengeber war der US-Nobelpreisträger Paul Krugman. Der hatte den Japanern einst eine „unverantwortliche Geldpolitik“ empfohlen.

Die Bank of Japan hat sich auf das Spiel eingelassen. Sie kauft jährlich für 80 Billionen Yen (572 Milliarden Euro) eigene Staatsanleihen und andere Wertpapiere auf. Bei dieser Summe wirken selbst die Kollegen von der US-Notenbank Fed wie Waisenkinder. Die Fed erhöhte auf dem Höhepunkt der quantitativen Lockerung die Geldbasis jährlich um 6,5 Prozent der Wirtschaftsleistung – in Japan sind es 16 Prozent.

Eigentlich hatte Abe versprochen, auch den Haushalt konsolidieren zu wollen. Ein erster symbolischer Schritt in diese Richtung sollte die Anhebung der Mehrwertsteuer im April von fünf auf acht Prozent sein – das ist grandios gescheitert. Verbraucher hielten sich mit Ausgaben zurück, sodass die Wirtschaft gleich wieder in die Rezession abrutschte. Die nächste geplante Anhebung hat der Ministerpräsident kurzerhand abgesagt. Auch bei dieser Entscheidung soll Nobelpreisträger Krugman ein Rolle gespielt haben. Krugman war kürzlich auf Besuch in Tokio. Während einer gemeinsamen Autofahrt soll er Abe kurzerhand überzeugt haben, dass eine Steuererhöhung kontrproduktiv sei.

Abe will nun die Wähler über seine Wirtschaftspolitik abstimmen lassen. Er kündigte Neuwahlen für Mitte Dezember an: „Ich werde zurücktreten, wenn ich unsere Mehrheit nicht verteidigen kann, denn das würde bedeuten, dass unsere Abenomics abgelehnt werden.“ Vermutlich werden die Japaner den Ministerpräsidenten stützen. Sie wissen, dass es kein Zurück mehr gibt.

"Unverantwortliche Schuldenpolitik"
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23 Kommentare zu "Rezession trotz Abenomics: Japans gescheitertes Geldexperiment"

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  • Wer in Japan war, kann das perfekte Schienensystem bewundern, die erdbebensicheren Hochhäuser und natürlich die freundlichen Menschen. Was Japan mangelt sind viele, viele junge Kinder, so wie in Europa auch und damit gesunde, langfristige Wachstumseffekte.

  • Geld sinnlos zu "verbrennen" ist nie eine gute Investition. Ob das Geschenke an Geringverdiener sind, Bruecken nach Nirgendwo oder Flughaefen die nie fertiggestellt werden.
    Wenn die Investition auf lange Sicht keine Rendite/Nutzen abwirft und nur verkonsumiert wird dann ist es rausgeschmissenes Geld. Es gibt durchaus auch gute Beispiele in der Geschichte. Unter FDR in den 30ern wurden Staudaemme, Stromleitung, Bruecken usw. gebaut. Viel davon sind noch heute, 80 Jahre spaeter im Betrieb und haben einen hohen Nutzwert. Auch das Human Genome Project was in den 90ern unter Bill Clinton gestarted wurde ist aus der modernen Medizin nicht mehr weg zu denken. Das waren sinnvolle Investitionen.
    Aber nur mal eben so Zig Milliarden raushauen, egal fuer was, fuehrt in die Katastrophe.

  • "Japans gescheitertes Geldexperiment"


    gescheiterte Experimente ....

    scheinen in der ersten Hälfte des neuen Jahrtausend, dem 22. Jahrhundert, noch das Eine oder Andere dieser sogenannten “Experiment“ folgen dürften?

    wie da sind z.B.:

    >>Pol Pot<< und die >>roten Khmer<< einst in Kambodscha,
    sind den bundesdeutschen Schulsystem Durchlaufenden ein Begriff für gewalttätigen Totalitarismus / für Folter & MassenMord an der eigenen Bevölkerung,
    aus dem Wahnsinn dieser Linken Ideologie heraus geboren.

    >>OST Merkel<< und das >>Fraktions-Zwang-Parlament<< im "wiedervereinigten Deutschland"
    Taten werden von der
    MassenMedien ZENSUR im Land noch weit herum verschwiegen/verheimlicht,
    NOCH ... aber ...

    hier:
    >>homment.com/1933_reloadet<<

  • @Kessler

    Was ich bei Ihrem Modell nicht nachvollziehen kann, ist der Punkt, an dem Sie argumentieren, dass Geld auf nem Konto nichts tut. Das stimmt ja nun gar nicht. Bei genauer Betrachtung ist gar kein Geld auf dem Konto, sondern die Bank verspricht Ihnen nur, Ihnen soviel Geld auszuzahlen, wenn Sie es denn möchten. Geld auf der Bank sollte eigentlich Ihnen etwas Zinsen liefern und in eine Aktivität fliessen, die mehr als abwirft. Sonst kann ihnen die Bank ja keine Zinsen zahlen. (womit auch?). Leider ist es im Geld-Druck-Wahn der EZB und der monetären Staatsfinanzierung aber so, dass es viel attraktiver ist von der Zentralbank garantierte Schrott-Staatsanleihen zu kaufen. Sie kriegen für ihre paar Kröten 0,x Zinsen, die Bank kauft damit ein paar Staatsanleihen für X,0% und ist fein raus. Der Konjunktureffekt in der Realwirtschaft liegt in der Vergangenheit...

  • Heute morgen hatte das HB diesen Bericht gebracht:

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/marketing/studie-in-den-usa-wenn-der-ceo-mehr-bekommt-als-der-fiskus/10998776.html

    Die großen Konzerne entziehen sich der Steuerpflicht (die Gesetze lassen sie ja schon ohnehin von den "Volksvertretern" schreiben) und lassen den kleinen Mann zahlen. Irgendwie scheint dieses System aber nicht zu Ende gedacht: wenn der kleine Mann nichts mehr konsumieren kann, wegen Minilohn und Abgabenbelastung, wer soll den Konzernen denn noch ihre Produkte abkaufen?

  • naja, dann wären sie ja trotzdem der Geldbasis oder M0 zuzurechnen. Und die ist überproportional zur Wirtschaftsleistung gestiegen, M3 auch, also egal wie man es dreht und wendet.

    Wobei wir uns bei allen Bewertungsfragen darüber streiten können, ob das überhaupt Geld ist. Immobilien sind ein schönes Beispiel, bei der Ungleichverteilung von Vermögen spielen die natürlich eine Riesenrolle und man nimmt aktuelle Preise für den Gesamtwert über alle an... sehr fragwürdig.

  • "Geringverdiener sparen nicht. Sie konsumieren. Und treiben damit die Produktion an"

    Stimmt, die Alkohol- und Zigarettenproduktion und die Produktion von Flachbildfernsehern. Also einfach 2000,- € H4 für alle!

  • Die Geldschwemme ist alternativlos!

    Warum auch Reformen, wie z.B. die Reduzierung der Bürokratie durch Zusammenlegung von Kleinstbundesländern, wenn man mit der Notenpresse alle Probleme lösen kann?!

  • Abe hat sein Geld an der falschen Stelle ins System injeziert.
    Hätte er jedem japanischen Geringverdiener ein Jahresgehalt extra zugesteckt. Als Geschenk. Dann hätten die Geringverdiener das Geld sicher ausgegeben. Geringverdiener haben immer Bedarf an irgendwelchen Gütern. Diese Leute haben viele offene Wünsche.
    Geringverdiener sparen nicht. Sie konsumieren. Und treiben damit die Produktion an. :-)

  • Das ist das Gute! Wirtschaft braucht zum Funktionieren keine Wirtschaftswissenschaftler. Da kommt es vielleicht mal zum Kollaps... aber dann gehts irgendwie weiter.

    Gesellschaften, die sich dumm verhalten, haben dann halt einen niedrigen Lebensstandard. Bei schlauem Verhalten dann halt besser...

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